Inhalieren wirkt bei Asthma nur dann zuverlässig, wenn der Wirkstoff tief in die Bronchien gelangt – und das hängt fast vollständig von der Technik ab. Für Kinder gilt: Dosieraerosole gehören grundsätzlich mit einem Spacer angewendet, bei kleinen Kindern zusätzlich mit passender Maske. Wichtig sind ruhiges Atmen statt hektischem Ziehen, ein Sprühstoß pro Vorgang und eine regelmäßige Kontrolle der Technik in der Praxis. Wenn ein Kind trotz korrekt angewendeter Medikation häufig Beschwerden hat, ist das ein Grund für einen Termin – nicht für mehr Sprühstöße auf eigene Faust.
Das Wichtigste in Kürze
- Dosieraerosol immer mit Spacer, bei kleinen Kindern mit dicht sitzender Maske.
- Immer nur ein Sprühstoß pro Inhalationsvorgang, dann ruhig weiteratmen.
- Pulverinhalatoren brauchen einen kräftigen, tiefen Zug – erst ab dem Schulalter sinnvoll.
- Nach der Anwendung von Sprays zur Dauertherapie Mund ausspülen oder etwas trinken.
- Ein schriftlicher Aktionsplan legt fest, was bei guten Tagen, bei Verschlechterung und im Notfall zu tun ist.
Welches Gerät passt zu welchem Alter
Säuglinge und Kleinkinder
In den ersten Lebensjahren ist das Dosieraerosol mit Spacer und Maske der Standard. Die Maske muss Mund und Nase dicht umschließen, ohne zu drücken. Das Kind atmet nach dem Sprühstoß ruhig etwa fünf bis zehn Atemzüge weiter, ein sichtbares Ventil zeigt dabei, dass die Atmung ankommt. Schreien ist ungünstig, weil beim Schreien wenig Luft in die unteren Atemwege gelangt – lieber in einem ruhigen Moment inhalieren.
Kindergarten- und Vorschulkinder
Sobald ein Kind zuverlässig um ein Mundstück schließen kann, kann die Maske durch das Mundstück des Spacers ersetzt werden. Auch hier gilt: ruhig ein- und ausatmen, keine tiefe Kraftanstrengung.
Schulkinder und Jugendliche
Ab dem Schulalter kommen Pulverinhalatoren infrage. Sie funktionieren anders als Sprays: Hier braucht es einen zügigen, kräftigen und tiefen Zug, damit sich das Pulver löst. Nach dem Einatmen sollte das Kind den Atem einige Sekunden anhalten. Weil beide Gerätearten gegensätzliche Atemtechniken verlangen, ist es sinnvoll, im Alltag möglichst bei einem Prinzip zu bleiben.
Schritt für Schritt: Dosieraerosol mit Spacer
- Schutzkappe abnehmen, Inhalator kräftig schütteln, falls die Anleitung das vorsieht.
- Inhalator aufrecht in den Spacer stecken, Maske oder Mundstück dicht ansetzen.
- Einen einzigen Sprühstoß auslösen.
- Das Kind ruhig und normal weiteratmen lassen, etwa fünf bis zehn Atemzüge.
- Wenn ein zweiter Sprühstoß verordnet ist: kurz warten und den Vorgang komplett wiederholen.
- Bei Dauertherapie anschließend Mund ausspülen, Zähne putzen oder etwas trinken.
Fehler, die den Effekt zunichtemachen
- Mehrere Sprühstöße auf einmal in den Spacer geben – der größte Teil geht verloren.
- Undichte Maske, weil das Kind sich wegdreht oder die Größe nicht passt.
- Spacer nie gereinigt: Ablagerungen und statische Aufladung mindern die Wirkung. Reinigung nach Herstellerangabe, an der Luft trocknen lassen, nicht trocken reiben.
- Leerer Inhalator, weil der Zählerstand nicht beobachtet wurde.
- Beim Pulverinhalator in das Gerät ausatmen – dadurch wird das Pulver feucht.
Der Aktionsplan: Struktur für den Alltag
Ein Asthma-Aktionsplan wird in der Praxis gemeinsam mit euch ausgefüllt und beschreibt in drei Stufen, was zu tun ist. Grün steht für beschwerdefreie Tage mit der vereinbarten Dauertherapie. Gelb beschreibt eine Verschlechterung – etwa mehr Husten, nächtliches Aufwachen, Beschwerden beim Sport – und legt fest, wie darauf reagiert wird und wann ihr euch meldet. Rot beschreibt den Notfall mit Atemnot und dem klaren Weg in ärztliche Versorgung.
Kopien dieses Plans gehören zu den Betreuungspersonen: Kita, Schule, Großeltern, Sportverein. Ergänzt euren Plan um Namen und Telefonnummern sowie um den Hinweis, wo das Notfallmedikament aufbewahrt wird. Übt die Anwendung mit älteren Kindern so, dass sie sie selbst beherrschen, aber lasst euch die Technik regelmäßig zeigen – Fehler schleichen sich mit der Zeit ein.
Warnzeichen: wann du sofort handeln musst
Wähle sofort die 112, wenn dein Kind schwer Luft bekommt, kaum noch sprechen kann, die Lippen oder das Gesicht blass oder bläulich werden, es sich beim Atmen mit den Armen abstützt, die Rippen bei jedem Atemzug deutlich einziehen, es apathisch oder verwirrt wirkt oder das Notfallmedikament nicht wie gewohnt hilft.
Zeitnah ärztlich vorstellen solltest du dein Kind bei mehrfachem nächtlichem Husten pro Woche, bei Beschwerden beim Spielen oder Sport, bei häufigerem Bedarf des Bedarfsmedikaments als vereinbart oder wenn ein Infekt die Beschwerden über Tage verschlechtert. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 weiter.
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Häufige Fragen
Braucht mein Kind wirklich einen Spacer?
Ja, bei Dosieraerosolen gilt der Spacer im Kindesalter als Standard. Er gleicht aus, dass Sprühstoß und Einatmen nicht exakt zusammenfallen, und sorgt dafür, dass ein größerer Anteil in die Bronchien gelangt statt im Mund- und Rachenraum zu bleiben. Ohne Spacer ist die Anwendung bei Kindern deutlich fehleranfälliger.
Wie erkenne ich, ob mein Kind richtig inhaliert?
Achte darauf, dass die Maske dicht sitzt, das Ventil des Spacers sich bewegt, das Kind ruhig weiteratmet und nach der Anwendung nicht hustet, weil zu schnell gezogen wurde. Lass dir die Technik in der Praxis oder Apotheke zeigen und führe sie dort mindestens einmal im Jahr vor. Auch Jugendliche, die schon lange inhalieren, machen häufig unbemerkt Fehler.
Kann mein Kind auch mit einem Vernebler inhalieren?
Vernebler kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn ein Kind mit Spacer nicht zurechtkommt oder in bestimmten akuten Situationen. Für die Dauertherapie zu Hause ist die Kombination aus Dosieraerosol und Spacer meist praktischer und mindestens gleichwertig. Welches Gerät sinnvoll ist, entscheidet die betreuende Praxis.
Darf mein Kind mit Asthma Sport machen?
Ja, Sport ist ausdrücklich erwünscht und ein Zeichen für gut eingestelltes Asthma. Wenn beim Sport regelmäßig Husten oder Atemnot auftreten, ist die Einstellung noch nicht ausreichend – das gehört besprochen, statt den Sport zu meiden. Informiert Lehrkräfte und Trainerinnen über den Aktionsplan.
Warum soll mein Kind nach dem Inhalieren den Mund ausspülen?
Bei Sprays zur Dauertherapie bleibt ein Teil im Mund- und Rachenraum zurück und kann dort Reizungen oder Pilzbefall begünstigen. Ausspülen, Zähneputzen oder etwas trinken reduziert das. Bei reinen Bedarfssprays ist das weniger wichtig, schadet aber nicht.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Warnzeichen gilt 112, bei dringlichen, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden in Deutschland 116117.
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