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Das Praktische Jahr (PJ): Ablauf, Tertiale und Wahlfach richtig planen

Drei Tertiale, ein Jahr, viele Entscheidungen: Aufbau des PJ, Wahlfach, Aufwandsentschädigung, Fehltage, Auslands-PJ und die Vorbereitung aufs M3 im Überblick.

Kurz gesagt: Das Praktische Jahr ist der letzte Abschnitt des Medizinstudiums und dauert 48 Wochen. Es gliedert sich in drei Tertiale zu je 16 Wochen: Innere Medizin, Chirurgie und ein frei wählbares Wahlfach aus den klinisch-praktischen Gebieten. Am Ende steht der Dritte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung als mündlich-praktische Prüfung.

Irgendwann im klinischen Abschnitt kommt der Moment, in dem eine einzige Entscheidung plötzlich sehr groß wirkt: Welches Wahlfach, welche Häuser, welche Reihenfolge? Das PJ ist der Übergang vom Studium in den Beruf – zwölf Monate, in denen du zum ersten Mal dauerhaft im Team arbeitest und gleichzeitig auf das M3 zusteuerst. Wer die Struktur und die Fristen kennt, trifft diese Entscheidungen deutlich gelassener.

Was ist das Praktische Jahr – und warum ist die Planung so entscheidend?

Was genau ist das PJ? Das Praktische Jahr ist der zusammenhängende praktische Ausbildungsabschnitt nach dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Du arbeitest ganztägig an einer Universitätsklinik oder einem akademischen Lehrkrankenhaus mit und sollst dabei die im Studium erworbenen Kenntnisse unter Anleitung anwenden und vertiefen.

Warum lohnt sich eine frühe Planung? Weil sich mehrere Fristen überlagern. PJ-Plätze werden über die Landesprüfungsämter beziehungsweise das PJ-Portal in der Regel etwa ein Jahr im Voraus vergeben, beliebte Wahlfachplätze noch früher. Gleichzeitig entscheidest du mit der Wahl der Häuser faktisch darüber, wo du deine M3-Prüfung ablegst und welche Kontakte du für die erste Assistenzarztstelle knüpfst.

Aufbau: Die drei Tertiale

Das PJ umfasst 48 Wochen, aufgeteilt in drei Tertiale zu je 16 Wochen. Zwei Tertiale sind vorgegeben: Innere Medizin und Chirurgie. Das dritte ist ein Wahlfach aus den klinisch-praktischen Fachgebieten – in Frage kommen etwa Anästhesiologie, Pädiatrie, Gynäkologie, Neurologie, Psychiatrie, Dermatologie, Allgemeinmedizin oder weitere von der Fakultät zugelassene Fächer.

Jedes Tertial kann in bis zu zwei Abschnitte geteilt werden, sodass sich etwa acht Wochen Kardiologie und acht Wochen Gastroenterologie kombinieren lassen. Ein Teil der Ausbildung kann auch ambulant erfolgen. Die Reihenfolge der Tertiale ist frei wählbar – und daraus ergibt sich eine strategische Frage.

Tertial Dauer Status Typische Aufgaben
Innere Medizin 16 Wochen Pflicht Anamnese, Untersuchung, Kurvenvisite, Arztbriefe, Blutentnahmen
Chirurgie 16 Wochen Pflicht OP-Assistenz, Wundversorgung, Aufnahme, Ambulanz
Wahlfach 16 Wochen Frei wählbar Fachspezifisch, je nach gewähltem Gebiet

Für die Reihenfolge gibt es zwei sinnvolle Logiken. Wer das Wahlfach ans Ende legt, geht mit dem frischesten Fachwissen in die M3-Prüfung, in der das Wahlfach eine Rolle spielt. Wer es an den Anfang legt, kann früh prüfen, ob die Wunschfachrichtung wirklich passt – und hätte noch Zeit umzudenken. Beliebt ist auch, das anstrengendste Tertial nicht direkt vor die Examensvorbereitung zu legen.

Bewerbung und Zeitplanung

Der Bewerbungsprozess läuft zweigleisig. Über das zentrale PJ-Portal beziehungsweise die Verfahren der Landesprüfungsämter meldest du dich für die formale Platzvergabe an; parallel bewirbst du dich bei den Wunschhäusern direkt, insbesondere für Wahlfächer und Plätze außerhalb des eigenen Universitätsnetzes. Rechne mit einem Vorlauf von etwa einem Jahr, bei sehr gefragten Häusern und Fächern eher mehr.

Eine kleine Checkliste für die Auswahl: Wie groß ist das Haus und wie viele PJ-Studierende teilen sich eine Station? Gibt es strukturierte PJ-Fortbildungen und feste Ansprechpartner? Welche Aufwandsentschädigung, welches Essen, welche Unterkunft? Und ganz praktisch: Wie lang ist der Arbeitsweg über vier Monate hinweg? Erfahrungsberichte älterer Semester sind hier meist aussagekräftiger als jede Hochglanzbroschüre. Wenn du deine Famulaturen strategisch gelegt hast, kennst du einige Häuser bereits – wie das funktioniert, beschreibt unser Beitrag zum Planen der Famulatur.

Aufwandsentschädigung, Fehltage und Rahmenbedingungen

Eine Vergütung des PJ ist rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben, inzwischen zahlen aber die meisten Häuser eine Aufwandsentschädigung. Entscheidend ist die Höchstgrenze: Leistungen dürfen den BAföG-Höchstsatz nicht übersteigen, und Sachleistungen wie kostenloses Essen oder eine gestellte Unterkunft werden auf diese Grenze angerechnet. Ein Haus, das viel Geld zahlt und zusätzlich Verpflegung stellt, kann daher am Ende nicht mehr bieten als eines mit reiner Geldleistung.

Bei den Fehltagen gilt die Regelung der Approbationsordnung: Eine begrenzte Zahl von Fehltagen ist zulässig, darüber hinausgehende Fehlzeiten müssen nachgeholt werden, damit das Tertial anerkannt wird. Die genaue Zahl und die Frage, ob Urlaub, Krankheit und Lerntage unterschiedlich behandelt werden, regelt dein Landesprüfungsamt – kläre das vor Tertialbeginn, nicht danach. Führe von Anfang an eine eigene Liste der Fehltage; Häuser dokumentieren das nicht immer zuverlässig.

Aufgaben und Grenzen der PJ-Tätigkeit

Als PJ-Studierende arbeitest du unter Aufsicht und Verantwortung approbierter Ärztinnen und Ärzte. Typisch sind Anamnese und körperliche Untersuchung, Blutentnahmen und Venenzugänge, Vorbereitung der Visite, Verfassen von Arztbriefentwürfen, OP-Assistenz und Betreuung eigener Patientinnen und Patienten im Rahmen der Supervision.

Ebenso wichtig sind die Grenzen: Du bist nicht approbiert. Eigenständige Aufklärungsgespräche mit rechtlicher Wirkung, das Unterschreiben von Rezepten oder Verordnungen, die eigenverantwortliche Indikationsstellung und das selbstständige Durchführen von Eingriffen ohne Supervision gehören nicht dazu. Wenn eine Aufgabe über deinen Ausbildungsstand hinausgeht, ist das Ansprechen dieser Grenze kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil professionellen Handelns. Ebenso wenig ist das PJ dazu da, dauerhaft Aufgaben zu übernehmen, die keinen Ausbildungswert haben – Blutentnahmedienste über Monate ohne fachliche Anleitung entsprechen nicht dem Ausbildungsziel. Zur Logbuchführung und zu deinen Lernzielen lohnt der Abgleich mit dem PJ-Logbuch deiner Fakultät.

Lernen im PJ neben der M3-Vorbereitung

Die größte Herausforderung ist die Doppelbelastung: Vollzeit auf Station und gleichzeitig Vorbereitung auf eine mündlich-praktische Prüfung. Der Fehler, den viele machen, ist, das Lernen komplett auf die letzten Wochen zu verschieben. Realistischer ist ein kleines, konstantes Pensum – täglich eine überschaubare Einheit über die zwölf Monate hinweg schlägt jeden Endspurt.

Nutze dabei den größten Vorteil des PJ: Du erlebst Fälle. Wer abends die Differenzialdiagnosen des Patienten nachliest, den er morgens aufgenommen hat, lernt mit maximaler Verankerung. Fasse dir pro Tag zwei bis drei Fragen zusammen und arbeite sie ab. Für das systematische Wiederholen des Prüfungsstoffs ist das Komplettpaket Klinik gedacht, das klinische Inhalte und Prüfungswissen bündelt; ergänzend hält die Prüfungssimulation mit 1000 MC-Fragen das Kreuzniveau aus der M2-Vorbereitung wach.

Auslands-PJ und der Übergang ins M3

Ein Tertial oder Tertialabschnitt im Ausland ist möglich, muss aber vorab durch das zuständige Landesprüfungsamt anerkannt werden. Kläre schriftlich, ob die Einrichtung die Anforderungen erfüllt, welche Nachweise verlangt werden und in welcher Form die Bescheinigung vorliegen muss. Der organisatorische Vorlauf – Sprachnachweis, Versicherung, Visum, teils Gebühren – beträgt realistisch ein Jahr.

Der Dritte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung folgt nach dem PJ und ist rein mündlich-praktisch. Er erstreckt sich über zwei Tage: Am ersten Tag steht die praktische Prüfung am Krankenbett mit Patientenvorstellung, am zweiten Tag die mündliche Prüfung in der Gruppe über Innere Medizin, Chirurgie, das Wahlfach und ein weiteres Fach. Die Prüfungsklinik ergibt sich üblicherweise aus der Zuteilung durch das Landesprüfungsamt; informiere dich frühzeitig über die üblichen Prüferkonstellationen an deinem Standort. Wer parallel eine Promotion betreibt, sollte die Schreibphase nicht ins letzte Tertial legen – warum, erklärt unser Beitrag zur Doktorarbeit in der Medizin. Und wie sich Dienstplan, Lernzeit und Erholung überhaupt zusammenbringen lassen, findest du im Beitrag zum Organisieren des Medizinstudiums.

Definition auf einen Blick

Begriff Definition
Tertial Abschnitt des PJ von 16 Wochen; drei Tertiale ergeben die 48 Wochen
Wahlfach Frei wählbares klinisch-praktisches Fach im dritten Tertial
Aufwandsentschädigung Freiwillige Leistung des Hauses, begrenzt durch den BAföG-Höchstsatz
Akademisches Lehrkrankenhaus Von einer Fakultät anerkanntes Haus, an dem das PJ abgeleistet werden kann
M3 Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, rein mündlich-praktisch an zwei Tagen

Key Takeaways

  • Das PJ dauert 48 Wochen und besteht aus drei Tertialen zu je 16 Wochen.
  • Innere Medizin und Chirurgie sind Pflicht, das dritte Tertial ist ein frei wählbares klinisch-praktisches Fach.
  • Bewerbungen laufen etwa ein Jahr im Voraus über PJ-Portal und Direktbewerbung.
  • Aufwandsentschädigung und Sachleistungen zusammen dürfen den BAföG-Höchstsatz nicht übersteigen.
  • Konstantes Lernen während des PJ schlägt jeden Endspurt vor dem M3.

Einordnung

Struktur, Dauer und Anerkennungsvoraussetzungen des Praktischen Jahres ergeben sich aus der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO), die auch die Regelungen zu Fehltagen und zur Höchstgrenze der Aufwandsentschädigung enthält. Die konkrete Umsetzung – Bewerbungsverfahren, Wahlfachkatalog, Logbuchvorgaben und Prüfungszuteilung – liegt bei den Landesprüfungsämtern und den medizinischen Fakultäten und unterscheidet sich zwischen den Bundesländern. Zu einzelnen Punkten gibt es zudem Empfehlungen der Fachgesellschaften und studentischen Vertretungen. Prüfe vor jeder verbindlichen Entscheidung die aktuellen Vorgaben deiner Fakultät und deines Landesprüfungsamts.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wie lange dauert das Praktische Jahr?

48 Wochen, aufgeteilt in drei Tertiale zu je 16 Wochen. Es schließt sich an den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung an.

2. Welche Tertiale sind Pflicht?

Innere Medizin und Chirurgie sind vorgeschrieben. Das dritte Tertial ist ein frei wählbares klinisch-praktisches Fach.

3. Kann ich ein Tertial aufteilen?

Ja, ein Tertial lässt sich in bis zu zwei Abschnitte teilen, etwa in zwei verschiedene Schwerpunkte innerhalb desselben Fachs.

4. Wird das PJ vergütet?

Eine Vergütung ist nicht vorgeschrieben, die meisten Häuser zahlen aber eine Aufwandsentschädigung. Sie darf den BAföG-Höchstsatz nicht übersteigen.

5. Werden Sachleistungen angerechnet?

Ja, kostenloses Essen oder eine gestellte Unterkunft werden auf die Höchstgrenze angerechnet. Vergleiche Häuser deshalb immer als Gesamtpaket.

6. Wie viele Fehltage sind erlaubt?

Die Approbationsordnung sieht eine begrenzte Zahl vor; darüber hinausgehende Fehlzeiten müssen nachgeholt werden. Die Details regelt dein Landesprüfungsamt.

7. Wann sollte ich mich um PJ-Plätze kümmern?

Etwa ein Jahr im Voraus, bei sehr gefragten Häusern und Wahlfächern noch früher.

8. Darf ich im PJ eigenständig aufklären oder Rezepte unterschreiben?

Nein. PJ-Studierende arbeiten unter ärztlicher Aufsicht; rechtswirksame Aufklärungen und Verordnungen bleiben approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

9. Wie läuft das M3 ab?

An zwei Tagen: zuerst die praktische Prüfung am Krankenbett mit Patientenvorstellung, dann die mündliche Prüfung in der Gruppe.

Weiterlesen …

Passend dazu sind unsere Beiträge zum Planen der Famulatur, zum M2-Examen mit Aufbau und Lernplan, zur Doktorarbeit in der Medizin und zum Organisieren des Medizinstudiums.

Durchs PJ – und direkt weiter Richtung Examen

Stationsalltag und Prüfungsvorbereitung laufen parallel; diese Materialien halten beides zusammen:

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Über den Autor
Luca
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