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Vitalwerte und Normwerte: Erwachsene und Kinder im Überblick

Beim Erwachsenen gelten in Ruhe etwa diese Normwerte: Herzfrequenz 60 bis 100 pro Minute, Atemfrequenz 12 bis 20 pro Minute, Sauerstoffsättigung 94 bis 98 Prozent, Blutdruck unter 140/90 mmHg und Blutzucker nüchtern etwa 70 bis 100 mg/dl. Kinder haben je nach Alter deutlich höhere Herz- und Atemfrequenzen und niedrigere Blutdruckwerte. Entscheidend ist im Einsatz immer der Verlauf, nicht ein einzelner Wert.

Modul 1: Medizinische Grundlagen & Vitalwerte – Vitalwerte und Normwerte

Kurz gesagt: Beim Erwachsenen gelten in Ruhe etwa diese Normwerte: Herzfrequenz 60 bis 100 pro Minute, Atemfrequenz 12 bis 20 pro Minute, Sauerstoffsättigung 94 bis 98 Prozent, Blutdruck unter 140/90 mmHg und Blutzucker nüchtern etwa 70 bis 100 mg/dl. Kinder haben je nach Alter deutlich höhere Herz- und Atemfrequenzen und niedrigere Blutdruckwerte. Entscheidend ist im Einsatz immer der Verlauf, nicht ein einzelner Wert.

Du misst bei einem Kleinkind eine Herzfrequenz von 130 und überlegst kurz: Ist das jetzt Tachykardie oder normal? Genau solche Momente kosten im Einsatz Zeit. Hier findest du die Normwerte für Erwachsene und Kinder auf einen Blick, dazu die Warnzeichen, bei denen du hellhörig werden solltest. Wie du die Werte korrekt misst, steht auf der Seite Vitalzeichen messen.

Welche Vitalwerte sind bei Erwachsenen normal?

Die folgenden Werte gelten für Erwachsene in Ruhe und sind die Werte, die in der RettSan-Prüfung erwartet werden. Leichte Abweichungen sind je nach Lehrbuch üblich, frag bei deiner Schule nach den Grenzen, die dort gelehrt werden.

Vitalwert Normbereich Erwachsene Achtung, wenn
Herzfrequenz 60 bis 100/min unter 50 oder über 120/min, unregelmäßig
Atemfrequenz 12 bis 20/min unter 10 oder über 24/min
Sauerstoffsättigung 94 bis 98 % unter 92 % (bei COPD gelten oft niedrigere Zielwerte)
Blutdruck systolisch unter 140, diastolisch unter 90 mmHg systolisch unter 90 mmHg oder sehr hohe Werte mit Symptomen
Blutzucker nüchtern etwa 70 bis 100 mg/dl (3,9 bis 5,6 mmol/l) unter 70 mg/dl oder deutlich über 250 mg/dl
Temperatur etwa 36,5 bis 37,5 °C unter 35 °C oder über 38,5 °C
Rekapillarisierungszeit unter 2 Sekunden verlängert, vor allem mit kalter Haut
GCS 15 Punkte jede Verschlechterung, 8 oder weniger

Die Werte in der rechten Spalte sind Orientierungswerte für die Ausbildung, keine starren Grenzen. Ein Sportler mit Ruhepuls 48 ist anders zu bewerten als eine 80-jährige Patientin mit Schwindel und Puls 48.

Welche Normwerte gelten bei Kindern?

Kinder haben höhere Herz- und Atemfrequenzen und niedrigere Blutdruckwerte, je jünger sie sind. Die Tabelle zeigt gerundete Bereiche nach den Referenzwerten des Royal Children's Hospital Melbourne:

Alter Herzfrequenz/min Atemfrequenz/min Blutdruck systolisch (mmHg)
Neugeborenes 120 bis 170 25 bis 60 60 bis 95
6 Monate 110 bis 170 20 bis 55 75 bis 105
1 Jahr 105 bis 150 20 bis 45 70 bis 105
2 Jahre 95 bis 150 20 bis 40 70 bis 105
4 Jahre 80 bis 150 17 bis 30 75 bis 110
6 bis 8 Jahre 70 bis 140 16 bis 30 80 bis 115
10 bis 12 Jahre 60 bis 130 15 bis 25 85 bis 120
ab 14 Jahre 60 bis 115 14 bis 25 90 bis 130

Andere Quellen, etwa die Kinderreanimationskurse, nennen leicht abweichende Bereiche. Lerne die Werte, die deine Schule vorgibt, und merk dir vor allem die Richtung: Je jünger, desto schneller Puls und Atmung.

Woran erkennst du bei Kindern früh, dass es kritisch wird?

Bei Kindern ist der Blutdruck ein spätes Zeichen, weil sie einen Volumenmangel lange über die Herzfrequenz ausgleichen. Fällt der Blutdruck, ist das Kind oft schon kritisch. Achte deshalb früher auf andere Zeichen:

  • steigende Herzfrequenz ohne Fieber oder Aufregung
  • verlängerte Rekapillarisierungszeit und kühle, marmorierte Haut
  • erhöhte Atemarbeit mit Einziehungen, Nasenflügeln oder Stöhnen
  • auffallend ruhiges, schlaffes oder nicht tröstbares Kind

Ein grober Merkwert für die untere Grenze des systolischen Blutdrucks bei Kindern von 1 bis 10 Jahren ist 70 plus zweimal das Alter in Jahren. Mehr zu kindlichen Notfällen findest du auf der Seite pädiatrische Notfälle im Rettungsdienst.

Wie merkst du dir die Vitalwerte für die Prüfung?

Vitalwerte merkst du dir am leichtesten, wenn du sie mit Bildern und Faustregeln verknüpfst. Drei Strategien, die sich in Lehrgängen bewährt haben:

  1. Ankerwerte: Für Erwachsene reichen fünf Zahlenpaare: 60 bis 100, 12 bis 20, 94 bis 98, unter 140/90, 70 bis 100.
  2. Richtung bei Kindern: Statt jede Altersstufe auswendig zu lernen, merkst du dir Neugeborenes, Kleinkind und Schulkind als drei Stufen.
  3. Fälle statt Listen: Lies einen Fall, nenne die Werte laut und bewerte sie sofort als normal, grenzwertig oder kritisch.

Strukturierte Übungen und Lernkarten zu Vitalwerten findest du in Modul 1: Medizinische Grundlagen und Vitalwerte.

Warum zählt im Einsatz der Verlauf mehr als der Einzelwert?

Ein einzelner Wert sagt wenig, der Verlauf sagt viel. Deshalb misst du bei kritischen Patienten regelmäßig erneut und dokumentierst Uhrzeit und Wert, damit die Klinik die Entwicklung sieht.

Ein Beispiel: Eine Patientin hat bei Ankunft einen Puls von 95, zehn Minuten später 115 und dann 130, während der Blutdruck noch normal ist. Das ist ein Warnsignal für einen beginnenden Schock, auch wenn jeder Einzelwert für sich noch erklärbar wäre. Frühwarnscores wie NEWS2 bündeln genau diese Überlegung in Punkten, sie werden in manchen Rettungsdienstbereichen und Kliniken eingesetzt.

Wer Werte nur abhakt, übersieht solche Trends. Sag deine Werte im Team laut an und vergleiche sie mit der letzten Messung.

Wie bereitest du dich auf die Messung im Praktikum vor?

Die Normwerte selbst lernst du am besten zu Hause, die Messung und Bewertung im Einsatz nur in der Praxis. Viele Fehler entstehen nicht beim Wissen, sondern beim Messen: eine zu kleine Blutdruckmanschette, ein Pulsoxymeter an kalten Fingern oder eine Atemfrequenz, die nur 10 Sekunden lang gezählt und hochgerechnet wird.

Zähle die Atemfrequenz deshalb möglichst eine volle Minute, ohne dass der Patient es merkt, zum Beispiel während du scheinbar noch den Puls tastest. Wähle die Manschette passend zum Oberarmumfang und prüfe bei unplausiblen Sättigungswerten zuerst die Pulskurve am Gerät. Gerade bei Kindern ist es hilfreich, sich vor dem Wachenpraktikum eine eigene kleine Übersicht für die Jackentasche zu schreiben.

Was du online vorbereiten kannst und wo die Grenzen liegen, steht auf unserer Seite Rettungssanitäter-Theorie online lernen. Im Zweifel gilt immer die Kitteltaschenkarte oder Verfahrensanweisung deines Rettungsdienstbereichs.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erwachsene in Ruhe: Puls 60 bis 100, Atmung 12 bis 20, SpO2 94 bis 98 %, Blutdruck unter 140/90 mmHg.
  • Blutzucker nüchtern etwa 70 bis 100 mg/dl, unter 70 mg/dl spricht man von Hypoglykämie.
  • Kinder haben je jünger, desto höhere Herz- und Atemfrequenzen.
  • Ein fallender Blutdruck ist bei Kindern ein spätes Warnzeichen.
  • Der Verlauf der Werte ist aussagekräftiger als ein Einzelwert.

Häufig gestellte Fragen

1. Was ist ein normaler Puls bei Erwachsenen?

In Ruhe 60 bis 100 Schläge pro Minute. Trainierte Menschen können darunter liegen, ohne krank zu sein.

2. Wie hoch ist die normale Atemfrequenz?

Bei Erwachsenen 12 bis 20 Atemzüge pro Minute. Bei Säuglingen liegt sie deutlich höher, je nach Quelle bis etwa 50 bis 60 pro Minute.

3. Welche Sauerstoffsättigung ist normal?

Bei gesunden Erwachsenen 94 bis 98 Prozent. Bei Patienten mit COPD legt der Notarzt oft niedrigere Zielwerte fest.

4. Welcher Blutdruck ist bei Kindern zu niedrig?

Als grobe Untergrenze gilt bei Kindern von 1 bis 10 Jahren 70 plus zweimal das Alter in Jahren. Ein fallender Blutdruck ist bei Kindern ein spätes Zeichen.

5. Ab welchem Blutzucker spricht man von Hypoglykämie?

Ab Werten unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l. Entscheidend sind zusätzlich die Symptome des Patienten.

6. Warum unterscheiden sich Normwerte je nach Lehrbuch?

Weil sie aus unterschiedlichen Studien und Leitlinien stammen und gerundet werden. Lerne die Werte deiner Schule und achte im Einsatz auf den Verlauf.

Weiterlesen

Vitalzeichen richtig messen · ABCDE-Schema · Pädiatrische Notfälle · Schock im Rettungsdienst · Rettungssanitäter-Theorie online lernen

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