Mehrreihig oder mehrschichtig? Epithelien im Präparat sicher bestimmen
Kurz gesagt: Ein Epithel benennst du nach zwei Kriterien: Wie viele Zelllagen gibt es, und welche Form haben die Zellen an der freien Oberfläche? Mehrreihig heißt, dass jede Zelle die Basalmembran berührt, obwohl die Kerne auf verschiedenen Höhen liegen. Mehrschichtig heißt, dass nur die unterste Lage Kontakt zur Basalmembran hat. Kernlagen sind also nicht automatisch Zelllagen.
Modul 3 im Lernheft
Histo-Testat und Physikum
Lagen zählen, Form benennen
Lernheft Histologie erkennen18 Module vom Epithel bis zu den lymphatischen Organen, mit Fallfragen und Selbsttests. Zum passenden Material
Epithelien sind das erste große Thema im Histologiekurs und tauchen danach in fast jedem Organpräparat wieder auf. Wer die Benennung einmal sauber gelernt hat, spart sich später viel Rätselraten bei Trachea, Ösophagus, Harnblase oder Darm. Diese Seite zeigt dir die Systematik, die typischen Beispielorgane und die Stelle, an der die meisten im Testat stolpern: die Verwechslung von mehrreihig und mehrschichtig.
Nach welchen Kriterien wird ein Epithel benannt?
Der Name eines Oberflächenepithels setzt sich aus wenigen Bausteinen zusammen. Zuerst zählst du die Zelllagen: einschichtig, mehrreihig oder mehrschichtig. Danach bestimmst du die Form der Zellen an der freien Oberfläche: platt, kubisch oder hochprismatisch. Bei mehrschichtigen Epithelien zählt nur die oberste Lage für die Formbezeichnung. Am Ende ergänzt du Besonderheiten wie Verhornung, Kinozilien, Mikrovilli oder Becherzellen.
Zelllagen: Berühren alle Zellen die Basalmembran, ist das Epithel einschichtig oder mehrreihig.
Apikale Zellform: Vergleiche Zellhöhe und Zellbreite der obersten Zellen, nicht der basalen.
Polarität: Apikal liegt die freie Oberfläche, basal die Verankerung an der Basalmembran.
Zusatzmerkmale: Verhornung, Oberflächenspezialisierungen und eingestreute Becherzellen gehören zur vollständigen Diagnose.
Welche Epithelarten musst du mit Beispielorgan kennen?
Im Testat wird selten nur die Bezeichnung abgefragt. Meist sollst du zum Epithel ein typisches Organ nennen oder umgekehrt. Die folgende Tabelle enthält die Kombinationen, die in Kurs und Physikum immer wieder vorkommen.
Epithel
Typische Orte
Woran du es erkennst
Einschichtiges Plattenepithel
Endothel, Mesothel, Alveolarepithel Typ I
Sehr flache Zellen, abgeplattete Kerne, oft nur als Kernschatten sichtbar
Einschichtiges kubisches Epithel
Schilddrüsenfollikel, Nierentubuli, kleine Ausführungsgänge
Zellen etwa so hoch wie breit, runde Kerne in einer Reihe
Einschichtiges hochprismatisches Epithel
Magen, Dünn- und Dickdarm, Gallenblase
Hohe Zellen, längliche Kerne basal in einer Reihe, im Darm mit Becherzellen
Mehrreihiges hochprismatisches Epithel
Trachea und Bronchien, Ductus epididymidis
Kerne auf mehreren Höhen, alle Zellen an der Basalmembran, Kinozilien oder Stereozilien
Mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel
Mundhöhle, Ösophagus, Vagina, Kornea
Viele Lagen, oberste Zellen flach und noch kernhaltig
Mehrschichtiges verhorntes Plattenepithel
Epidermis
Kernlose Hornschicht an der Oberfläche, darunter Körner- und Stachelzellschicht
Urothel
Nierenbecken, Ureter, Harnblase
Große, teils zweikernige Deckzellen mit verdichtetem apikalem Zytoplasma
Das respiratorische Epithel von Trachea und Bronchien besteht aus Flimmerzellen, Becherzellen und niedrigen Basalzellen. Die Basalzellen erreichen die Oberfläche nicht, ihre Kerne liegen also tief. Die Kerne der hohen Zellen liegen weiter oben. Im Schnitt entsteht so ein Bild mit mehreren Kernreihen, das wie eine Schichtung aussieht. Entscheidend ist aber: Jede dieser Zellen sitzt mit ihrem Fuß auf der Basalmembran. Deshalb heißt das Epithel mehrreihig und nicht mehrschichtig.
Im Lichtmikroskop siehst du die einzelnen schlanken Zellausläufer zur Basalmembran oft nicht. Du schließt deshalb aus dem Gesamtbild: Kinozilien an der Oberfläche, eingestreute Becherzellen, Kerne auf verschiedenen Höhen und darunter seromuköse Drüsen und gegebenenfalls Knorpel sprechen für einen Atemweg mit mehrreihigem Epithel.
Wie gehst du am Mikroskop Schritt für Schritt vor?
Beginne bei kleiner Vergrößerung und suche die Grenze zwischen Epithel und Bindegewebe. Erst wenn du weißt, wo die Basalmembran verläuft, kannst du Lagen zählen. Danach wechselst du zur mittleren Vergrößerung und schaust dir die oberste Zelllage an. Am Ende prüfst du die Oberfläche bei starker Vergrößerung auf Zilien, Bürstensaum oder Hornschicht.
Schritt 1
Übersicht
Organ und Lage des Epithels einordnen, Basalmembran als Grenze finden.
Schritt 2
Lagen
Zelllagen zählen und prüfen, ob die oberen Zellen die Basalmembran noch erreichen können.
Schritt 3
Form
Höhe und Breite der apikalen Zellen vergleichen: platt, kubisch oder hochprismatisch.
Schritt 4
Oberfläche
Verhornung, Kinozilien, Mikrovilli und Becherzellen ergänzen und die Diagnose vollständig formulieren.
Schräger Anschnitt täuscht Schichten vor
Wird ein einschichtiges Epithel tangential geschnitten, liegen Kerne scheinbar übereinander. Suche deshalb eine Stelle, an der das Epithel senkrecht getroffen ist, bevor du Lagen zählst. Im Testat lohnt sich ein kurzer Satz dazu, weil er zeigt, dass du Schnittebene und Gewebebau trennst.
Lernheft
Histologie erkennen
Vom Epithel bis zu Niere und Milz: 18 Module, in denen du jedes Präparat erst erklärt bekommst, dann als Fall löst und zuletzt aus dem Gedächtnis beschriftest.
Epithel klassifizieren und Oberflächenspezialisierungen
Grundgewebe und Organhistologie mit Verwechslungspaaren
Der häufigste Fehler ist die Formbezeichnung nach den basalen Zellen. Ein mehrschichtiges Plattenepithel hat basal kubische bis hochprismatische Zellen, benannt wird es trotzdem nach den flachen Zellen an der Oberfläche. Der zweite Klassiker ist das Urothel: Die Deckzellen sind groß und gewölbt, im gedehnten Zustand flacher. Wer es einfach als mehrschichtiges Plattenepithel bezeichnet, verliert den Punkt. Drittens wird die Verhornung übersehen, wenn das Präparat die Hornschicht beim Schneiden verloren hat. Hier hilft der Blick auf die Körnerzellschicht.
Häufig gestellte Fragen
1. Was ist der Unterschied zwischen mehrreihig und mehrschichtig?
Beim mehrreihigen Epithel berühren alle Zellen die Basalmembran, die Kerne liegen nur auf verschiedenen Höhen. Beim mehrschichtigen Epithel hat nur die unterste Zelllage Kontakt zur Basalmembran.
2. Nach welcher Zellschicht wird ein mehrschichtiges Epithel benannt?
Nach der obersten Zelllage an der freien Oberfläche. Ein Epithel mit flachen oberen Zellen heißt mehrschichtiges Plattenepithel, auch wenn die basalen Zellen kubisch oder hochprismatisch sind.
3. Wo kommt mehrreihiges Epithel vor?
Typisch sind die Atemwege von der Nasenhöhle bis zu den Bronchien mit Kinozilien und Becherzellen sowie der Ductus epididymidis mit Stereozilien.
4. Woran erkenne ich Urothel?
An großen, teils zweikernigen Deckzellen mit verdichtetem apikalem Zytoplasma und am Organkontext von Nierenbecken, Ureter oder Harnblase. Die Höhe des Epithels ändert sich mit dem Füllungszustand.
5. Ist das Lernheft auch für Zahnmedizin geeignet?
Die Grundgewebe und die Organhistologie im Heft entsprechen dem allgemeinen Histologiekurs der Vorklinik und eignen sich deshalb auch für Studierende der Zahnmedizin. Zahnspezifische Präparate sind nicht enthalten.
Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Verbindlich sind die Gegenstandskataloge des IMPP, die Approbationsordnung und die Vorgaben deiner Fakultät.