Glykogenspeicherkrankheiten: von Gierke, Pompe und McArdle biochemisch verstehen
Kurz gesagt: Glykogenspeicherkrankheiten (Glykogenosen) entstehen durch Defekte einzelner Enzyme des Glykogenstoffwechsels. Ob vor allem die Leber oder der Muskel betroffen ist, hängt davon ab, wo das Enzym gebraucht wird. Leberformen wie Typ I (von Gierke) zeigen Nüchternhypoglykämie und Hepatomegalie. Muskelformen wie Typ V (McArdle) zeigen Belastungsintoleranz und Muskelkrämpfe. Typ II (Pompe) ist ein lysosomaler Defekt mit Kardiomyopathie und Muskelschwäche.
Physikum und M2
Enzym und Organ zuordnen
Modul 5 im Lernheft
Lernheft Fasten & Nahrung18 Module von Insulin bis Harnstoffzyklus mit Fallfragen und Selbsttest. Zum passenden Material
Glykogenosen sind selten, aber im Physikum und im zweiten Staatsexamen erstaunlich häufig. Der Grund: Sie eignen sich perfekt, um Biochemie mit Klinik zu verbinden. Mit Auswendiglernen der Typennummern kommst du dabei nicht weit. Viel besser funktioniert die Frage, die das Lernheft in Modul 5 stellt: Warum fällt ein Glykogenspeicherdefekt je nach Enzym verschieden aus? Die Antwort: Unterschiedliche Schritte und Organe werden funktionell beeinträchtigt.
Die Glucose-6-Phosphatase ist der letzte gemeinsame Schritt von Glykogenabbau und Gluconeogenese in der Leber. Fällt sie aus, kann die Leber auf keinem Weg freie Glucose abgeben. Nach wenigen Stunden Fasten fällt der Blutzucker deshalb stark ab. Das gestaute Glucose-6-phosphat wird in andere Wege umgeleitet: vermehrte Glykolyse mit Laktat, vermehrter Pentosephosphatweg mit Purinsynthese und Harnsäure, vermehrte Fettsäuresynthese mit Hypertriglyceridämie. Bei Typ VI fehlt nur die Phosphorylase. Die Gluconeogenese bleibt intakt und kann die Hypoglykämie weitgehend abfangen.
Leberform: Leitsymptom Hypoglykämie im Fasten und große Leber
Muskelform: Leitsymptom Schwäche und Krämpfe bei Belastung
Lysosomale Form: Speicherung in Lysosomen, Blutzucker normal, Herz und Muskel betroffen
Merkhilfe: Je näher der Defekt an der freien Glucose der Leber liegt, desto schwerer die Hypoglykämie
Lernheft 12
Biochemie: Fasten & Nahrung
Der Intermediärstoffwechsel in 18 Modulen, jeweils mit Erklärseite, Fallfrage und Auflösung mit Abrufcheck.
Im Physikum steht der Mechanismus im Vordergrund: Welches Enzym fehlt, welches Produkt staut sich, warum steigt die Harnsäure? Im M2 kommt die klinische Konstellation hinzu: ein Säugling mit Krampfanfall im Nüchternzustand und großer Leber, ein junger Mensch mit Myoglobinurie nach dem Sport, ein Kind mit Herzinsuffizienz und Muskelhypotonie. Die Diagnostik erfolgt heute vor allem genetisch und über Enzymbestimmung. Bei Morbus Pompe gibt es eine Enzymersatztherapie, deren Einsatz Spezialzentren nach den Leitlinien steuern.
Häufige Verwechslung
Ein Speicherbefund beschreibt nicht den genauen Defekt. Vermehrtes Glykogen in der Leberbiopsie passt zu mehreren Typen. Erst Enzym, Organverteilung und Begleitbefunde ordnen den Typ zu. Pompe ist zudem keine Leberkrankheit, obwohl Glykogen gespeichert wird.
Häufig gestellte Fragen
1. Welches Enzym fehlt bei Morbus von Gierke?
Die Glucose-6-Phosphatase oder ihr Transporter ins endoplasmatische Retikulum. Die Leber kann dadurch keine freie Glucose abgeben.
2. Warum haben Patienten mit Typ I eine Hyperurikämie?
Gestautes Glucose-6-phosphat fließt vermehrt in den Pentosephosphatweg und die Purinsynthese. Zusätzlich hemmt Laktat die renale Harnsäureausscheidung.
3. Was ist das Second-Wind-Phänomen?
Bei McArdle bessert sich die Belastbarkeit nach einigen Minuten, weil Blutglucose und Fettsäuren den fehlenden Glykogenabbau teilweise ersetzen.
4. Ist Morbus Pompe eine Leberglykogenose?
Nein. Es ist ein lysosomaler Defekt, der vor allem Herz und Skelettmuskel betrifft. Der Blutzucker bleibt normal.
5. Warum ist der Laktatanstieg bei McArdle vermindert?
Ohne Glykogenabbau im Muskel fehlt das Substrat für die Glykolyse, also entsteht bei Belastung kaum Laktat.
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