Den Krebsbefund verstehen: TNM, Grading und Biomarker in Alltagssprache

StartseiteKrebs verstehen › Den Krebsbefund verstehen

  • Für Betroffene
  • Onkologie
  • Befunde lesen

Ein Krebsbefund ist kein Urteil, sondern eine Beschreibung: Er hält fest, was in der Gewebeprobe zu sehen war. Die wichtigsten Bausteine sind schnell erklärt. TNM beschreibt die Ausdehnung des Tumors, den Befall der benachbarten Lymphknoten und mögliche Absiedlungen in anderen Organen. Das Grading sagt, wie stark sich die Zellen vom normalen Gewebe unterscheiden. Biomarker benennen Eigenschaften, die als Angriffspunkt für bestimmte Behandlungen dienen können. Diese Angaben ordnen den Befund ein – sie sagen nichts über den persönlichen Verlauf voraus.

  • T, N, M getrennt lesen
  • Grading beschreibt die Zellen
  • Biomarker als Angriffspunkt
  • PDF sofort nach dem Kauf

Kurz gesagt: Lesen Sie den Befund nicht als Ganzes, sondern Baustein für Baustein. T, N und M beschreiben drei verschiedene Dinge und werden erst am Ende zu einem Stadium zusammengefasst. Grading und Biomarker beschreiben die Zellen selbst. Was daraus für die Behandlung folgt, legt niemand allein am Schreibtisch fest: Die Empfehlung entsteht im Tumorboard und wird gemeinsam mit Ihnen entschieden.

Wie ein pathologischer Befund aufgebaut ist

Der Befund entsteht in der Pathologie, nachdem Gewebe entnommen wurde – bei einer Biopsie oder bei einer Operation. Er ist bewusst knapp und in Fachsprache geschrieben, weil er für die Behandlungsplanung gedacht ist, nicht zum Vorlesen. Deshalb wirkt er beim ersten Lesen härter, als er gemeint ist.

Fast immer folgt er derselben Gliederung. Zuerst wird beschrieben, was mit bloßem Auge zu sehen war: Art, Größe und Zahl der eingesandten Gewebestücke. Danach folgt die mikroskopische Beschreibung der Zellen und des Gewebeaufbaus. Es schließen sich die Zusatzuntersuchungen an, mit denen bestimmte Eiweiße oder genetische Veränderungen nachgewiesen werden. Ganz am Ende steht die zusammenfassende Beurteilung mit der Diagnose und den Kürzeln, die für die weitere Planung wichtig sind.

Wenn Sie nur begrenzte Kraft für den Text haben, lesen Sie zuerst diese letzte Zusammenfassung. Alles davor ist Herleitung.

Auf einen Blick

  • Makroskopie: Was mit bloßem Auge am eingesandten Gewebe zu sehen war.
  • Mikroskopie: Wie die Zellen und der Gewebeaufbau unter dem Mikroskop aussehen.
  • Zusatzuntersuchungen: Nachweis bestimmter Eiweiße oder genetischer Veränderungen im Gewebe.
  • Beurteilung: Die zusammenfassende Diagnose mit den Kürzeln für die weitere Planung.
  • Wichtig: Der Befund beschreibt Gewebe. Er beschreibt nicht Ihren persönlichen Verlauf.

T, N und M: drei getrennte Fragen

Das TNM-System ist international einheitlich und beantwortet drei Fragen unabhängig voneinander. Erst danach werden die drei Angaben zu einem Stadium zusammengefasst, meist mit römischen Ziffern. Die Zahlen hinter den Buchstaben bedeuten je nach Organ Unterschiedliches – ein T2 an einer Stelle des Körpers ist nicht dasselbe wie ein T2 an einer anderen. Ein Vergleich mit Befunden anderer Menschen führt deshalb regelmäßig in die Irre.

Tabelle seitlich scrollbar →

Angabe Was sie beschreibt Was Sie dazu wissen sollten
T Die Ausdehnung des Tumors an seinem Entstehungsort – je nach Organ über die Größe oder darüber, welche Gewebeschichten erreicht sind. Die Skala ist organabhängig festgelegt. Zahlen verschiedener Tumorarten lassen sich nicht miteinander vergleichen.
N Ob benachbarte Lymphknoten Tumorzellen enthalten und wie viele betroffen sind. N0 bedeutet, dass in den untersuchten Lymphknoten keine Tumorzellen gefunden wurden – bezogen auf das, was entnommen wurde.
M Ob sich Tumorzellen in entfernteren Organen angesiedelt haben. M0 heißt: mit den durchgeführten Untersuchungen wurde nichts nachgewiesen. M1 verändert die Behandlungsstrategie grundlegend.
Vorangestelltes c oder p c steht für die Einschätzung anhand von Untersuchung und Bildgebung, p für die Beurteilung am tatsächlich entnommenen Gewebe. Ein p-Befund ist die genauere Angabe. Deshalb können sich Angaben vor und nach einer Operation unterscheiden.
Vorangestelltes y Der Befund wurde nach einer bereits erfolgten Behandlung erhoben, etwa nach Chemotherapie oder Bestrahlung. Ein solcher Befund beschreibt den Zustand nach Behandlung und ist mit einem unbehandelten Befund nicht vergleichbar.
Stadium Die Zusammenfassung von T, N und M zu einer Gruppe, meist in römischen Ziffern. Das Stadium ordnet ein und steuert die Planung. Es ist keine Aussage über den Verlauf bei einem einzelnen Menschen.

Grading: wie sehr die Zellen vom Gewohnten abweichen

Das Grading, im Befund meist als G1 bis G3 oder G4 angegeben, beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen unter dem Mikroskop von den normalen Zellen des Ursprungsgewebes unterscheiden. G1 bedeutet, dass die Zellen dem Ausgangsgewebe noch sehr ähnlich sind; bei höheren Graden ist die Ähnlichkeit geringer. Bei manchen Tumorarten wird statt der G-Skala ein eigenes, organspezifisches System verwendet.

Das Grading ist unabhängig von T, N und M. Ein kleiner Tumor kann ein höheres Grading haben und ein größerer ein niedrigeres. Beides zusammen ergibt erst ein Bild – und beides zusammen ist trotzdem nur ein Teil dessen, was in die Behandlungsplanung eingeht. Alter, Begleiterkrankungen, die Lage des Tumors und Ihre eigenen Prioritäten gehören ebenso dazu.

Biomarker: Eigenschaften, die Behandlungswege eröffnen

Neben dem Aussehen der Zellen wird das Gewebe auf bestimmte Merkmale untersucht. Das können Eiweiße auf oder in den Zellen sein, etwa Hormonrezeptoren, oder Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen. Solche Merkmale heißen Biomarker. Sie sind keine Bewertung des Tumors, sondern eine Information darüber, ob eine gezielt wirkende Behandlung überhaupt in Frage kommt.

Zwei Punkte sorgen häufig für Verwirrung. Erstens dauern manche dieser Untersuchungen länger als die eigentliche Gewebebeurteilung; ein Befund kann deshalb zunächst unvollständig wirken und später ergänzt werden. Zweitens beziehen sich die nachgewiesenen Veränderungen fast immer auf die Tumorzellen selbst und sind nicht vererbbar. Nur ein kleinerer Teil der Krebserkrankungen hängt mit einer vererbbaren Veranlagung zusammen – ob das im Einzelfall zu prüfen ist, klärt eine humangenetische Beratung, die Ihr Behandlungsteam veranlassen kann.

R-Status: der Rand des entfernten Gewebes

Wurde operiert, findet sich im Befund häufig eine Angabe zum Resektionsrand. R0 bedeutet, dass am Rand des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop keine Tumorzellen mehr nachweisbar waren. R1 bedeutet, dass mikroskopisch noch Tumorzellen bis an den Rand reichten, R2, dass sichtbar Tumorgewebe verblieben ist. Diese Angabe beeinflusst, ob eine weitere Behandlung empfohlen wird – zum Beispiel eine Nachoperation oder eine Bestrahlung.

Manche Befunde nennen zusätzlich, ob Tumorzellen in kleinen Blut- oder Lymphgefäßen oder entlang von Nervenscheiden gefunden wurden. Auch das sind Beschreibungen, die in die Planung eingehen, und keine Aussagen über Ihren weiteren Weg.

Das Gespräch über den Befund vorbereiten

Befunde sind dafür gemacht, besprochen zu werden. Ein vorbereitetes Gespräch bringt in zwanzig Minuten mehr als stundenlanges Nachschlagen – vor allem, weil Ihr Behandlungsteam den vollständigen Zusammenhang kennt.

  • Befund mitbringen – am besten in Kopie, damit Sie mitlesen und markieren können.
  • Fragen vorher notieren – die drei wichtigsten zuerst, damit sie sicher drankommen.
  • Nach den Kürzeln fragen – lassen Sie sich T, N, M, das Grading und den R-Status am eigenen Befund erklären.
  • Nach dem Tumorboard fragen – ob Ihr Fall dort besprochen wird oder wurde und was dort empfohlen wurde.
  • Eine Begleitperson mitnehmen – zwei Menschen behalten deutlich mehr, und Sie können sich hinterher abgleichen.
  • Um schriftliche Zusammenfassung bitten – oder um Erlaubnis, sich Notizen zu machen.

Passende Materialien

Die Ratgeber gehen die Befundbausteine noch einmal am Beispiel einzelner Erkrankungen durch – mit den Untersuchungen, die dort üblich sind, und den Begriffen, die dort auftauchen.

Karten seitlich scrollbar →

  • Sofortiger Download
  • PDF für Handy, Tablet, Laptop
  • Sichere Zahlung
  • Kein Abo

Alle Patientenratgeber Krebs ansehen

Häufige Fragen

Was bedeutet TNM im Krebsbefund?

T beschreibt die Ausdehnung des Tumors an seinem Entstehungsort, N den Befall benachbarter Lymphknoten und M mögliche Absiedlungen in anderen Organen. Die drei Angaben werden anschließend zu einem Stadium zusammengefasst. Die Zahlen sind je nach Organ unterschiedlich definiert.

Was sagt das Grading aus?

Es beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen unter dem Mikroskop vom normalen Gewebe unterscheiden. Es ist unabhängig von der Größe und der Ausbreitung: Ein kleiner Tumor kann ein höheres Grading haben als ein größerer.

Sagt das Stadium etwas über meinen Verlauf aus?

Nein. Das Stadium ordnet einen Befund ein und hilft bei der Planung der Behandlung. Es beschreibt keinen persönlichen Verlauf. Eine Einschätzung zu Ihrer Situation kann nur Ihr Behandlungsteam geben, das alle Befunde und Ihre Vorgeschichte kennt.

Was heißt R0 nach einer Operation?

R0 bedeutet, dass am Rand des entfernten Gewebes unter dem Mikroskop keine Tumorzellen mehr nachweisbar waren. R1 heißt, dass mikroskopisch noch Tumorzellen bis an den Rand reichten, R2, dass sichtbar Gewebe verblieben ist. Diese Angabe beeinflusst, ob weitere Schritte empfohlen werden.

Sind Biomarker im Befund erblich?

In aller Regel nicht. Die untersuchten Veränderungen betreffen fast immer nur die Tumorzellen und werden nicht weitergegeben. Ob bei Ihnen zusätzlich eine vererbbare Veranlagung geprüft werden sollte, klärt eine humangenetische Beratung, die Ihr Behandlungsteam veranlassen kann.

Warum weicht der Befund nach der Operation vom ersten Befund ab?

Weil zwei verschiedene Grundlagen beurteilt wurden. Vor der Operation stützt sich die Einschätzung auf Untersuchung und Bildgebung, danach auf das tatsächlich entnommene Gewebe. Der Befund am Gewebe ist genauer, deshalb kann er die vorherige Einschätzung korrigieren.

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ihren eigenen Befund kann nur Ihr Behandlungsteam einordnen. Bei akuten Warnzeichen wählen Sie 112, bei dringlichen, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden in Deutschland 116117.