Schlaganfall-Warnzeichen erkennen: FAST-Test, TIA und Zeitfenster

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Bei jedem Verdacht auf einen Schlaganfall gilt: sofort 112 rufen – auch nachts, auch am Wochenende und auch dann, wenn die Beschwerden schon wieder verschwunden sind. Die wichtigsten Warnzeichen sind plötzliche einseitige Lähmung oder Taubheit, eine plötzliche Sprach- oder Sehstörung und ein hängender Mundwinkel. Der FAST-Test prüft das in unter einer Minute. Warten Sie nicht ab, ob es besser wird, fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus und rufen Sie nicht zuerst die Hausarztpraxis an. Jede Minute entscheidet darüber, wie viel Hirngewebe gerettet werden kann.

  • FAST: Face, Arms, Speech, Time
  • Immer 112, nicht 116117
  • Auch die TIA ist ein Notfall
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Kurz gesagt: Prüfen Sie Gesicht, Arme und Sprache. Wenn eines davon auffällig ist, rufen Sie sofort den Notruf 112 und merken Sie sich, wann die Beschwerden begonnen haben. Nicht selbst fahren, nichts zu essen oder zu trinken geben, keine Medikamente auf eigene Faust geben. Und: Auch wenn die Symptome nach wenigen Minuten wieder verschwinden, bleibt es ein Notfall – dann handelt es sich um eine TIA, und das Risiko für einen echten Schlaganfall ist in den Tagen danach besonders hoch.

Der FAST-Test: drei Prüfungen in unter einer Minute

FAST steht für Face, Arms, Speech, Time – Gesicht, Arme, Sprache, Zeit. Der Test wurde bewusst so einfach gehalten, dass ihn jede Person ohne medizinische Ausbildung durchführen kann. Sie brauchen dafür nichts außer einer Minute Aufmerksamkeit. Wichtig ist: Ein einziges auffälliges Zeichen genügt für den Notruf. Sie müssen nicht alle drei finden, und Sie müssen sich nicht sicher sein.

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Schritt Was Sie bitten Auffällig, wenn
F – Face (Gesicht) „Bitte lächeln Sie einmal.“ Ein Mundwinkel hängt, das Lächeln ist einseitig verzogen oder eine Gesichtshälfte bewegt sich nicht mit.
A – Arms (Arme) „Bitte heben Sie beide Arme nach vorn, Handflächen nach oben, und halten Sie sie.“ Ein Arm sinkt ab, dreht sich nach innen oder kann gar nicht gehoben werden.
S – Speech (Sprache) „Bitte sprechen Sie mir einen einfachen Satz nach.“ Die Sprache ist verwaschen, Worte fehlen oder werden vertauscht, oder der Satz wird nicht verstanden.
T – Time (Zeit) Uhrzeit merken und 112 wählen. Immer, sobald einer der drei Punkte auffällig ist. Notieren Sie, wann die Person zuletzt beschwerdefrei war.

Der Zeitpunkt ist keine Nebensache. Er entscheidet in der Klinik darüber, welche Behandlung noch möglich ist. Wenn jemand mit Beschwerden aufgewacht ist, zählt der letzte Moment, in dem er nachweislich beschwerdefrei war – also meist der Abend zuvor. Sagen Sie das dem Rettungsdienst genau so.

Warnzeichen, die nicht in FAST stecken

FAST deckt die häufigsten Bilder ab, aber nicht alle. Ein Schlaganfall im hinteren Hirnkreislauf zeigt sich oft anders und wird deshalb häufiger übersehen. Auch die folgenden Zeichen sind Grund für den sofortigen Notruf, wenn sie plötzlich auftreten:

Auf einen Blick

  • Plötzliche Sehstörung auf einem Auge, in einer Gesichtsfeldhälfte oder plötzliche Doppelbilder.
  • Plötzlicher heftiger Schwindel zusammen mit Gangunsicherheit, Sturzneigung oder Doppelbildern.
  • Plötzliche Schluckstörung, Verschlucken oder eine plötzlich unsichere, lallende Aussprache.
  • Schlagartiger heftigster Kopfschmerz, der anders ist als alles bisher Bekannte – gegebenenfalls mit Übelkeit oder Nackensteifigkeit.
  • Plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung ohne erkennbare andere Ursache.

Ein wichtiger Punkt zur Einordnung: Schlaganfallzeichen tun in aller Regel nicht weh. Viele Menschen zögern deshalb, weil sie „nur“ ein taubes Gefühl oder ein schwaches Bein bemerken. Genau dieses Zögern kostet die Zeit, die für die Behandlung gebraucht wird.

Sofort 112 – und was jetzt zu tun ist

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist der Rettungsdienst der richtige und einzige Weg. Nicht die Hausarztpraxis, nicht der Bereitschaftsdienst 116117, nicht das eigene Auto. Der Rettungsdienst kann bereits unterwegs untersuchen, meldet die Zielklinik vor und fährt gezielt ein Krankenhaus mit einer geeigneten Station an.

  • 112 wählen und dranbleiben. Sagen Sie klar: Verdacht auf Schlaganfall. Nennen Sie den Beginn der Beschwerden und den genauen Ort.
  • Nicht selbst fahren und die betroffene Person auch nicht privat fahren lassen – unterwegs kann sich der Zustand verschlechtern, und die Klinik ist nicht vorbereitet.
  • Nicht abwarten, ob es von allein besser wird. Auch eine Besserung nach Minuten ändert nichts am Notruf.
  • Nichts zu essen und zu trinken geben und keine Medikamente auf eigene Faust verabreichen – auch keine Kopfschmerz- oder Blutdruckmittel.
  • Die Person nicht allein lassen, mit erhöhtem Oberkörper lagern, beengende Kleidung öffnen und ruhig ansprechen.
  • Vorbereiten für den Rettungsdienst: Haustür entriegeln, Medikamentenliste, Allergiepass und Ausweis bereitlegen, eine Telefonnummer für Rückfragen notieren.

Falls die Person bewusstlos wird und nicht normal atmet, beginnen Sie mit der Wiederbelebung und folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle am Telefon.

Wenn die Symptome wieder weggehen: die TIA

Manchmal verschwinden Lähmung, Sprachstörung oder Sehstörung nach wenigen Minuten von selbst. Das fühlt sich wie Entwarnung an, ist aber das Gegenteil. Man spricht dann von einer transitorischen ischämischen Attacke, kurz TIA. Die Ursache ist dieselbe wie beim Schlaganfall: Ein Gefäß im Gehirn war vorübergehend verschlossen. Nur der Verlauf war günstiger.

Entscheidend ist, was danach kommt. Das Risiko, in den Stunden und Tagen nach einer TIA einen bleibenden Schlaganfall zu erleiden, ist deutlich erhöht und unmittelbar nach dem Ereignis am größten. Genau deshalb ist die TIA ein Notfall und wird sofort abgeklärt – mit Bildgebung, Gefäßdarstellung, Herzrhythmus- und Blutdruckuntersuchung. Diese Abklärung findet ihre Ursache und ermöglicht einen gezielten Schutz. Ein Termin „nächste Woche“ in der Praxis ist dafür der falsche Weg.

Kurz gesagt: Auch bei vollständig zurückgegangenen Beschwerden rufen Sie 112. Berichten Sie genau, was Sie bemerkt haben, wann es begann und wie lange es dauerte – auch wenn gerade nichts mehr zu sehen ist.

Warum die Zeit zählt

Beim häufigsten Schlaganfalltyp verschließt ein Blutgerinnsel ein Hirngefäß. Das dahinterliegende Gewebe wird nicht mehr versorgt. Ein Teil davon ist zunächst nur unterversorgt und noch zu retten – aber nur, solange die Durchblutung rasch wiederhergestellt wird. Deshalb gibt es Behandlungen, die an ein Zeitfenster gebunden sind: die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels und, bei Verschluss eines großen Gefäßes, die Entfernung des Gerinnsels mit einem Katheter.

Wie viel Zeit im Einzelfall bleibt, entscheidet die Klinik anhand der Bildgebung. Ihre Aufgabe ist eine andere und einfachere: den Zeitpunkt des Beginns festhalten und den Notruf ohne Verzögerung absetzen. Ein zweiter Grund für die Eile ist, dass zuerst unterschieden werden muss, ob eine Durchblutungsstörung oder eine Hirnblutung vorliegt. Von außen ist das nicht zu erkennen, und die Behandlung unterscheidet sich grundlegend – auch das ist ein Grund, keine Medikamente auf Verdacht zu geben.

Nach dem Ereignis: Ursachensuche und Schutz

Nach einem Schlaganfall oder einer TIA folgt die Suche nach der Ursache, denn davon hängt der Schutz vor einem erneuten Ereignis ab. Untersucht werden unter anderem der Herzrhythmus über längere Zeit, die hirnversorgenden Gefäße, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette. Häufige Ursachen sind Vorhofflimmern, eine Verengung der Halsschlagader und langjähriger Bluthochdruck.

Vorhofflimmern verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, weil es oft ohne spürbare Beschwerden verläuft und trotzdem Gerinnsel entstehen lässt. Wird es gefunden, geht es um einen dauerhaften Schutz, der auch dann fortgeführt wird, wenn man sich beschwerdefrei fühlt. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber Vorhofflimmern verständlich erklärt und auf der Seite Vorhofflimmern und Blutverdünnung.

Zur Nachsorge gehören außerdem die regelmäßige Blutdruckkontrolle, die Behandlung eines Diabetes, Rauchstopp, Bewegung und die zuverlässige Einnahme der verordneten Medikamente. Welche Maßnahme im Einzelfall sinnvoll ist, legt das behandelnde Team fest – diese Seite ersetzt diese Festlegung nicht.

Passende Materialien

Unsere Patientenratgeber vertiefen die Themen dieser Seite – vom Erkennen der Warnzeichen über die Ursachensuche nach dem Ereignis bis zur Abgrenzung gegenüber Beschwerden, die einem Schlaganfall nur ähneln.

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Häufige Fragen

Was ist der FAST-Test?

Ein einfacher Test mit drei Prüfungen: lächeln lassen (hängt ein Mundwinkel?), beide Arme heben lassen (sinkt einer ab?) und einen Satz nachsprechen lassen (ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?). Ist einer dieser Punkte auffällig, rufen Sie sofort 112 und merken sich den Zeitpunkt.

Muss ich 112 rufen, wenn die Symptome schon wieder weg sind?

Ja. Zurückgegangene Beschwerden sprechen für eine TIA, eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn. Das Risiko für einen bleibenden Schlaganfall ist in den Stunden und Tagen danach besonders hoch. Eine TIA wird deshalb sofort abgeklärt und ist ein Notfall.

Darf ich bei Schlaganfallverdacht selbst ins Krankenhaus fahren?

Nein. Fahren Sie nicht selbst und lassen Sie die betroffene Person auch nicht privat fahren. Der Zustand kann sich unterwegs verschlechtern, und die Klinik ist nicht vorbereitet. Der Rettungsdienst beginnt die Versorgung sofort und meldet eine geeignete Klinik vor.

Soll ich stattdessen 116117 anrufen?

Nein. 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für dringliche, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden. Beim Verdacht auf einen Schlaganfall gilt ausnahmslos 112. Auch die Hausarztpraxis ist hier nicht der richtige erste Anruf.

Was soll ich bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes tun?

Bei der Person bleiben, Oberkörper leicht erhöht lagern, beengende Kleidung öffnen und ruhig ansprechen. Nichts zu essen oder zu trinken geben und keine Medikamente verabreichen. Haustür entriegeln sowie Medikamentenliste und Ausweis bereitlegen. Bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung mit der Wiederbelebung beginnen.

Kann ein Schlaganfall auch ohne Schmerzen auftreten?

Ja, das ist sogar die Regel. Die meisten Schlaganfallzeichen tun nicht weh. Ein taubes Gefühl, ein schwacher Arm oder eine veränderte Sprache ohne jeden Schmerz sind trotzdem ein Notfall.

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Warnzeichen eines Schlaganfalls wählen Sie sofort den Notruf 112 – auch bei bereits zurückgegangenen Beschwerden. Bei dringlichen, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden erreichen Sie in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.