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Darmrotation und Malrotation: von der physiologischen Nabelhernie zum Volvulus

Warum der Mitteldarm vorübergehend in die Nabelschnur ausweicht, wie er sich dabei dreht und weshalb eine gestörte Drehung beim Neugeborenen zum Notfall werden kann. Embryologie mit direktem Bezug zu Pädiatrie und Kinderchirurgie.

Medizin-Helden Redaktion
Medizinische Lerninhalte, Kurse und Prüfungsvorbereitung
Lernheft Embryologie und Entwicklung von Medizin Helden

Kurz gesagt: In der sechsten Entwicklungswoche weicht der rasch wachsende Mitteldarm vorübergehend in die Nabelschnur aus. Während dieser physiologischen Herniation und bei der Rückkehr in die Bauchhöhle dreht er sich insgesamt um 270 Grad um die Achse der Arteria mesenterica superior. Danach werden Teile des Darms an der hinteren Bauchwand fixiert. Ist die Drehung unvollständig, bleibt eine schmale, verdrehbare Mesenterialwurzel zurück, und es kann ein lebensbedrohlicher Volvulus entstehen.

Die Darmrotation ist eines der Embryologie-Themen, die man auf der Station unmittelbar wiedertrifft. Ein Neugeborenes, das grün erbricht, ist in der Kinderchirurgie ein Notfall, und die Begründung dafür liegt in der sechsten bis zwölften Entwicklungswoche. Wer den Ablauf verstanden hat, versteht auch, warum die Lage der Flexura duodenojejunalis im Kontrastbild so wichtig ist. Dieser Artikel führt dich durch die normale Entwicklung, die Fehlformen und ihre klinischen Folgen.

Warum verlässt der Darm vorübergehend die Bauchhöhle?

Der Mitteldarm wächst in der Embryonalzeit besonders schnell in die Länge. Gleichzeitig beanspruchen die große Leber und die Urnieren viel Platz im Bauchraum. Der Darm bildet deshalb eine Schlinge, die in das Zölom der Nabelschnur ausweicht. An ihrem Scheitel hängt der Dottergang, die Achse bildet die Arteria mesenterica superior. Der obere Schenkel der Schlinge wird zum größten Teil des Dünndarms, der untere zum unteren Ileum, Zäkum, Colon ascendens und den proximalen zwei Dritteln des Colon transversum. Dieser Vorgang ist normal und wird physiologische Nabelhernie genannt.

Wie dreht sich der Darm?

Von ventral betrachtet dreht sich die Darmschlinge insgesamt um 270 Grad gegen den Uhrzeigersinn. Die ersten 90 Grad erfolgen während der Herniation. Bei der Rückkehr in die Bauchhöhle etwa am Ende des dritten Monats folgen weitere 180 Grad. Zuerst kehren die Dünndarmschlingen zurück und legen sich nach links, zuletzt das Zäkum. Es liegt zunächst unter der Leber im rechten Oberbauch und steigt dann in den rechten Unterbauch ab. Anschließend werden Duodenum, Colon ascendens und Colon descendens durch Verwachsung mit der hinteren Bauchwand sekundär retroperitoneal.

Schritt Etwa wann Was passiert Folge bei Störung
Wachstum Ab Woche 5 Mitteldarm verlängert sich stark Ausgangspunkt aller Fehlformen
Herniation Ab Woche 6 Schlinge weicht in die Nabelschnur aus, erste 90 Grad Drehung Physiologisch, kein Befund
Rückkehr Bis etwa Woche 10 bis 12 Weitere 180 Grad, Dünndarm zuerst, Zäkum zuletzt Ausbleibende Rückkehr: Omphalozele
Abstieg des Zäkums Danach Zäkum gelangt in den rechten Unterbauch Hochstehendes Zäkum, atypische Appendixlage
Fixation Folgende Wochen Breite Mesenterialwurzel von links oben nach rechts unten Schmale Wurzel, Volvulusgefahr, Ladd-Bänder

Eine Zeichnung der Rotation muss immer den Blickwinkel nennen. Von ventral betrachtet verläuft die Drehung gegen den Uhrzeigersinn, von der anderen Seite betrachtet im Uhrzeigersinn. Ohne diese Angabe ist eine Prüfungsfrage zur Drehrichtung missverständlich. Im Lernheft Embryologie & Entwicklung steht genau dieser Hinweis als häufige Verwechslung im Modul Darmrotation.

Was ist eine Malrotation?

Unter Malrotation versteht man alle Formen einer unvollständigen oder fehlerhaften Drehung und Fixation. Bei der Nonrotation hat sich der Darm nur um die ersten 90 Grad gedreht. Der Dünndarm liegt dann überwiegend rechts, das Kolon links. Bei der unvollständigen Rotation bleibt das Zäkum im Oberbauch liegen. Von ihm ziehen bindegewebige Stränge, die Ladd-Bänder, über das Duodenum zur rechten Bauchwand und können es einengen.

Das eigentliche Risiko entsteht durch die Mesenterialwurzel. Normalerweise zieht sie breit von der Flexura duodenojejunalis links oben bis zur Ileozäkalregion rechts unten. Bei einer Malrotation liegen beide Punkte nah beieinander. Das Mesenterium hängt dann an einem schmalen Stiel, um den sich der gesamte Mitteldarm verdrehen kann. Dabei wird die Arteria mesenterica superior abgedrückt, und der Darm wird nicht mehr durchblutet.

Probefrage im Prüfungsstil

Ein vier Tage altes, zuvor unauffälliges Neugeborenes trinkt schlecht und erbricht plötzlich wiederholt grünlich. Das Abdomen ist anfangs kaum gebläht. In der Sonographie verläuft die Vena mesenterica superior links der Arteria mesenterica superior, und um die Arterie zeigt sich ein spiralig gewundenes Muster. Welche Erklärung und welches Vorgehen passen am besten?

  • AHypertrophe Pylorusstenose, elektive Operation in einigen Tagen
  • BGastroösophagealer Reflux, Andicken der Nahrung
  • CVolvulus bei Malrotation, notfallmäßige operative Abklärung
  • DMeckel-Divertikel, Szintigraphie im Verlauf
  • EMorbus Hirschsprung, Rektumbiopsie in einigen Wochen
Lösung zeigen
Richtig ist C. Galliges Erbrechen beim Neugeborenen gilt bis zum Beweis des Gegenteils als Hinweis auf einen Volvulus bei Malrotation. Die vertauschte Lage von Vene und Arterie und das Wirbelzeichen um die Arterie stützen den Verdacht. Weil die Durchblutung des gesamten Mitteldarms gefährdet ist, wird sofort kinderchirurgisch gehandelt. Eine Pylorusstenose (A) führt zu nicht galligem Erbrechen, meist einige Wochen nach der Geburt. Reflux (B) und Meckel-Divertikel (D) erklären das akute Bild nicht, und ein Morbus Hirschsprung (E) zeigt sich vor allem durch verzögerten Mekoniumabgang und aufgetriebenen Bauch.

Woran erkennt man eine Malrotation in der Klinik?

Das Leitsymptom beim Neugeborenen ist galliges, also grünes Erbrechen. Es zeigt ein Hindernis unterhalb der Papille an. Das Abdomen kann anfangs weich und flach sein, weil das Hindernis hoch liegt. Erst mit zunehmender Ischämie treten Abwehrspannung, Blut im Stuhl und Schockzeichen auf. In der Diagnostik helfen die Sonographie mit Blick auf die Lage der Mesenterialgefäße und die obere Magen-Darm-Passage mit Kontrastmittel. Normalerweise liegt die Flexura duodenojejunalis links der Wirbelsäule auf Höhe des Bulbus duodeni. Liegt sie rechts oder tiefer, spricht das für eine Malrotation.

Die Behandlung ist operativ. Bei der Ladd-Operation wird der Volvulus zurückgedreht, die Ladd-Bänder werden durchtrennt und die Mesenterialwurzel verbreitert. Der Dünndarm wird nach rechts, das Kolon nach links gelegt, und die Appendix wird meist entfernt, weil sie danach atypisch läge. Malrotationen können auch erst später auffallen, etwa durch wiederkehrende Bauchschmerzen bei Kindern und Erwachsenen oder als Zufallsbefund in der Bildgebung.

Was solltest du für Famulatur und Prüfung mitnehmen?

Befund Embryologischer Hintergrund Was du tun oder sagen solltest
Galliges Erbrechen beim Neugeborenen Hindernis distal der Papille, Volvulus möglich Notfall, sofort ärztlich melden
Flexura duodenojejunalis rechts der Wirbelsäule Unvollständige Rotation Hinweis auf Malrotation
Darm in einem Sack an der Nabelschnur Ausbleibende Rückkehr nach physiologischer Herniation Omphalozele, nach Begleitfehlbildungen suchen
Atypischer Appendixschmerz im Oberbauch Hochstehendes Zäkum An Lagevarianten denken

In der Famulatur in Pädiatrie oder Kinderchirurgie wirst du solche Kinder selten allein beurteilen. Es hilft aber, die Dringlichkeit zu erkennen und die Entwicklung erklären zu können, wenn du in der Visite gefragt wirst.

Häufige Fragen

Um wie viel Grad dreht sich der Darm?

Insgesamt um 270 Grad gegen den Uhrzeigersinn, von ventral betrachtet. Etwa 90 Grad entfallen auf die Phase der physiologischen Nabelhernie, die übrigen 180 Grad auf die Rückkehr in die Bauchhöhle.

Welche Arterie bildet die Drehachse?

Die Arteria mesenterica superior. Sie versorgt den Mitteldarm und wird bei einem Volvulus abgedrückt.

Warum ist galliges Erbrechen beim Neugeborenen ein Notfall?

Weil es auf ein Hindernis unterhalb der Papille hinweist und ein Volvulus bei Malrotation die Durchblutung des gesamten Mitteldarms innerhalb kurzer Zeit gefährden kann.

Was sind Ladd-Bänder?

Bindegewebige Stränge, die bei einer Malrotation vom hochstehenden Zäkum über das Duodenum zur Bauchwand ziehen und es einengen können.

Kann eine Malrotation unbemerkt bleiben?

Ja. Manche Malrotationen fallen erst im Kindes- oder Erwachsenenalter durch Bauchschmerzen oder zufällig in der Bildgebung auf.

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Dieser Artikel dient der Prüfungsvorbereitung im Medizinstudium und ersetzt keine ärztliche Beurteilung oder Therapieentscheidung. Maßgeblich sind die aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften für Kinderchirurgie und Neonatologie sowie die Gegenstandskataloge des IMPP. Stand: November 2026, ohne Gewähr.

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