Keimblatt-Derivate: was aus Ektoderm, Mesoderm und Endoderm wird
Kurz gesagt: Das Ektoderm bildet Epidermis und Nervensystem, das Mesoderm Muskulatur, Bindegewebe, Gefäße, Herz und große Teile des Urogenitalsystems, das Endoderm das Epithel von Verdauungs- und Atemwegen samt Leber und Pankreas. Viele Organe stammen aber aus mehreren Keimblättern: Epithel und Stroma, Rinde und Mark können verschiedene Herkunft haben. Genau dort setzen die Prüfungsfragen an.
Module 6 bis 8 im Lernheft
Physikum-Klassiker
Herkunft ist nicht Lage
Lernheft Embryologie & EntwicklungEktoderm, Mesoderm und Endoderm als drei eigene Module mit Fallfragen. Zum passenden Material
Derivatlisten gehören zu den Inhalten, die viele im Physikum einfach auswendig lernen. Das funktioniert bis zur ersten Frage, die ein Organ in seine Teile zerlegt: Ist die Darmwand endodermal? Stammt die ganze Haut aus dem Ektoderm? Woher kommt das Nebennierenmark? Diese Seite ordnet die Derivate nach Keimblatt und Unterkompartiment und zeigt dir die Zuordnungen, bei denen die meisten Fehler passieren.
Spinal- und vegetative Ganglien, Schwann-Zellen, Melanozyten, Nebennierenmark, C-Zellen der Schilddrüse, Odontoblasten, große Teile des Kopfmesenchyms
Paraxiales Mesoderm
Somiten mit Wirbelsäule, Skelettmuskulatur von Rumpf und Extremitäten, Dermis des Rückens
Intermediäres Mesoderm
Niere, Harnleiter, Gonaden, Genitalgänge
Seitenplattenmesoderm
Herz, Gefäße, Blutzellen, Milz, Nebennierenrinde, Extremitätenskelett, glatte Muskulatur und Bindegewebe der Darmwand, seröse Häute
Endoderm
Epithel von Darm und Atemwegen, Leber, Pankreas, Gallenblase, Follikelzellen der Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Thymusepithel, Epithel von Harnblase und Paukenhöhle
Wo liegen die typischen Zuordnungsfallen?
Die meisten Fehler entstehen, wenn ein Organ als Ganzes einem Keimblatt zugeordnet wird. Prüfungsfragen fragen aber oft nach einem Teil. Die folgenden Paare solltest du sicher trennen.
Nebenniere: Rinde aus dem Mesoderm, Mark aus der Neuralleiste.
Hypophyse: Adenohypophyse aus dem Oberflächenektoderm der Rathke-Tasche, Neurohypophyse aus dem Neuroektoderm des Zwischenhirns.
Schilddrüse: Follikelzellen aus dem Endoderm, C-Zellen nach klassischer Lehrmeinung aus der Neuralleiste.
Haut: Epidermis aus dem Ektoderm, Dermis aus dem Mesoderm und im Gesicht teilweise aus der Neuralleiste.
Zahn: Schmelz aus dem Ektoderm, Dentin und Pulpa aus Neuralleisten-Mesenchym.
Darmwand: Epithel und Drüsen aus dem Endoderm, Muskulatur und Bindegewebe aus dem Mesoderm, Darmnervensystem aus der Neuralleiste.
Wie unterteilt sich das Mesoderm?
Das Mesoderm gliedert sich von der Mittellinie nach außen in drei Abschnitte. Neben der Chorda liegt das paraxiale Mesoderm, das sich in Somiten gliedert. Daran schließt das intermediäre Mesoderm an, aus dem Niere und Gonaden hervorgehen. Ganz lateral liegt das Seitenplattenmesoderm, das sich in ein somatisches Blatt an der Körperwand und ein splanchnisches Blatt am Darm teilt. Zwischen beiden entsteht die Leibeshöhle. Wer diese Anordnung im Kopf hat, kann viele Derivate ableiten: Die Herzanlage stammt aus dem splanchnischen Mesoderm, das Extremitätenskelett aus dem somatischen.
Herkunft nicht mit Lage verwechseln
Die Leber liegt im Bauchraum zwischen mesodermalen Strukturen, ihr Parenchym ist aber endodermal. Das Bindegewebe und die Gefäße in ihr sind mesodermal. Frage dich bei jeder Zuordnung, welcher Gewebeanteil gemeint ist.
Wie lernst du die Derivate so, dass sie bleiben?
Beginne nicht mit einer langen Liste, sondern mit der Lage der Blätter in der Keimscheibe. Ektoderm außen und oben, Endoderm innen als späteres Darmrohr, Mesoderm dazwischen. Danach ordnest du die Organe nach dem Prinzip „Epithel aus dem Rohr, Wand aus dem Mesoderm“. Zuletzt lernst du die Ausnahmen der Neuralleiste, weil sie gegen die Lage-Logik verstößt: Ihre Zellen wandern weit und landen in Kopf, Herz, Darm und Nebenniere. Skizziere die Keimscheibe einmal aus dem Gedächtnis und trage die Derivate ein.
Lernheft
Embryologie & Entwicklung
Keimblätter als Herkunftskarte mit Fallfragen, die genau die Teilstrukturen abfragen, an denen Derivatlisten scheitern.
Nein. Nur die Epidermis mit Haaren, Nägeln und Drüsen ist ektodermal. Die Dermis stammt überwiegend aus dem Mesoderm, im Gesicht teilweise aus der Neuralleiste.
2. Ist die Darmwand endodermal?
Nur ihr Epithel mit den Drüsen. Muskulatur und Bindegewebe stammen aus dem splanchnischen Mesoderm, die Nervenzellen des Darmnervensystems aus der Neuralleiste.
3. Woher stammt die Adenohypophyse?
Aus der Rathke-Tasche, einer Ausstülpung des Oberflächenektoderms im Dach der Mundbucht. Die Neurohypophyse entsteht dagegen aus dem Neuroektoderm des Zwischenhirns.
4. Welche Organe enthalten Anteile aus der Neuralleiste?
Unter anderem das periphere Nervensystem, das Nebennierenmark, die Haut über Melanozyten, die Zähne über die Odontoblasten und das Herz über das Septum der Ausflussbahn.
5. Woher stammt das Herz?
Aus dem splanchnischen Seitenplattenmesoderm. Die Neuralleiste trägt zur Septierung der Ausflussbahn bei.
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