Gastrulation verstehen: von der zweiblättrigen zur dreiblättrigen Keimscheibe
Kurz gesagt: In der zweiten Entwicklungswoche besteht die Keimscheibe aus zwei Blättern, Epiblast und Hypoblast. In der dritten Woche bildet sich am Epiblast der Primitivstreifen. Epiblastzellen wandern dort ein, ersetzen den Hypoblast als definitives Endoderm und bilden dazwischen das Mesoderm. Was an der Oberfläche bleibt, wird Ektoderm. Gleichzeitig werden die Körperachsen festgelegt.
Modul 5 im Lernheft
Dritte Entwicklungswoche
Alles kommt aus dem Epiblast
Lernheft Embryologie & Entwicklung18 Module von der Befruchtung bis zur Plazenta, mit Fallfragen und Selbsttests. Zum passenden Material
Die Gastrulation ist der Moment, in dem aus einer flachen Zellscheibe ein Bauplan wird. Sie wirkt im Lehrbuch oft wie eine Abfolge von Fachbegriffen: Primitivstreifen, Primitivknoten, Chordafortsatz, Prächordalplatte. Wenn du verstehst, dass fast alles durch Zellwanderung aus dem Epiblast entsteht, fügen sich die Begriffe zu einem Ablauf zusammen. Diese Seite erklärt die Schritte, ihre zeitliche Einordnung und die Bezüge, nach denen im Physikum gefragt wird.
Wie sieht die Keimscheibe vor der Gastrulation aus?
In der zweiten Woche differenziert sich der Embryoblast in zwei Zellschichten. Der Epiblast liegt zur Amnionhöhle hin, der Hypoblast zum primären Dottersack. Zusammen bilden sie die zweiblättrige Keimscheibe. Gleichzeitig nistet sich die Blastozyste weiter im Endometrium ein, und der Trophoblast teilt sich in Zyto- und Synzytiotrophoblast. Die Keimscheibe hat jetzt eine Ober- und eine Unterseite, aber noch keine Kopf-Schwanz-Richtung und keine Seiten.
Was passiert in der dritten Woche?
Am kaudalen Ende des Epiblasten entsteht eine Verdickung, der Primitivstreifen. Er wächst nach kranial und endet im Primitivknoten. In der Mitte liegt eine Rinne, die Primitivgrube. Epiblastzellen bewegen sich auf den Streifen zu, lösen sich aus dem Zellverband und wandern in die Tiefe. Die ersten verdrängen den Hypoblast und bilden das definitive Endoderm. Die folgenden breiten sich zwischen Epiblast und Endoderm aus und werden zum Mesoderm. Die Zellen, die an der Oberfläche bleiben, bilden das Ektoderm.
Struktur
Lage
Bedeutung
Epiblast
Obere Schicht zur Amnionhöhle
Ausgangszellen aller drei Keimblätter
Hypoblast
Untere Schicht zum Dottersack
Wird vom definitiven Endoderm verdrängt, trägt zu extraembryonalen Strukturen bei
Primitivstreifen
Kaudal in der Mittellinie
Ort der Einwanderung, legt die Längsachse fest
Primitivknoten
Kraniales Ende des Primitivstreifens
Ursprung des Chordafortsatzes, beteiligt an der Links-rechts-Festlegung
Chorda dorsalis
Mittellinie unter dem Ektoderm
Induziert die Neuralplatte, Rest im Nucleus pulposus
Oropharyngeal- und Kloakenmembran
Kranial und kaudal
Stellen ohne Mesoderm, spätere Mund- und Kloakenöffnung
Warum ist Gastrulation mehr als Dickenwachstum?
Bei der Gastrulation wird nicht einfach eine Schicht hinzugefügt. Zellen verändern ihre Position, ihre Nachbarn und ihr Schicksal. Wo eine Zelle durch den Primitivstreifen tritt und wohin sie wandert, bestimmt mit, ob sie zu Darmepithel, Somit, Herzanlage oder Seitenplatte wird. Gleichzeitig entstehen die Achsen: Der Primitivstreifen markiert kaudal und kranial, die Lage von Amnion und Dottersack dorsal und ventral. Die Links-rechts-Asymmetrie wird über gerichtete Flüssigkeitsströmungen am Primitivknoten eingeleitet, die von beweglichen Zilien erzeugt werden.
Zellschicksal: Herkunftsort und Wanderweg entscheiden über das spätere Gewebe.
Achsen: kraniokaudal, dorsoventral und links-rechts werden in dieser Phase angelegt.
Induktion: Die Chorda dorsalis sendet Signale, die die Neuralplatte entstehen lassen.
Keimblätter: sind Herkunftskategorien, keine fertigen Organe.
In welcher Reihenfolge solltest du den Ablauf lernen?
Woche 2
Zweiblättrig
Epiblast und Hypoblast, Amnionhöhle oben, Dottersack unten.
Frühe Woche 3
Primitivstreifen
Streifen, Grube und Knoten entstehen, die Längsachse ist sichtbar.
Woche 3
Einwanderung
Definitives Endoderm, dann Mesoderm, Ektoderm bleibt oben.
Ende Woche 3
ChordaNeuralplatte
Chorda dorsalis induziert die Neuralplatte, die Neurulation beginnt.
Wochenangaben mit Bezugssystem
Die Wochen auf dieser Seite beziehen sich auf das Alter ab Befruchtung. Klinische Schwangerschaftswochen werden ab der letzten Menstruation gezählt und liegen etwa zwei Wochen höher. In Prüfungsfragen lohnt es sich, genau darauf zu achten.
Lernheft
Embryologie & Entwicklung
Von Befruchtung und Gastrulation bis zu Herz, Darm, Niere und Plazenta: 18 Module mit Erklärseite, Fallfrage und Auflösung.
In der dritten Entwicklungswoche, gerechnet ab der Befruchtung. Das entspricht etwa der fünften Schwangerschaftswoche nach letzter Menstruation.
2. Aus welcher Schicht stammen alle drei Keimblätter?
Aus dem Epiblast. Seine Zellen bilden durch Einwanderung Endoderm und Mesoderm, die an der Oberfläche verbleibenden Zellen werden zum Ektoderm.
3. Was wird aus der Chorda dorsalis?
Sie bildet die Achse, um die sich die Wirbelkörper anlegen, und induziert die Neuralplatte. Beim Erwachsenen bleibt ein Rest im Nucleus pulposus der Bandscheiben.
4. Warum gibt es an Oropharyngeal- und Kloakenmembran kein Mesoderm?
Dort liegen Ektoderm und Endoderm direkt aufeinander. Diese Stellen reißen später ein und bilden die Verbindung des Darmrohrs nach außen.
5. Was ist ein Steifbeinteratom?
Ein Keimzelltumor in der Sakrokokzygealregion mit Gewebe aller drei Keimblätter, der auf Reste des Primitivstreifens zurückgeführt wird. Er wird meist bei Neugeborenen entdeckt.
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