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Grampositive Kokken: Staphylokokken und Streptokokken sicher unterscheiden

Katalase, Koagulase, Hämolyse, Lancefield: Der komplette Entscheidungsbaum für grampositive Kokken – mit den passenden Krankheitsbildern und Toxinen.

Kurz gesagt: Grampositive Kokken trennt man in zwei Schritten: Der Katalase-Test unterscheidet Staphylokokken (positiv) von Streptokokken und Enterokokken (negativ). Innerhalb der Staphylokokken trennt die Koagulase Staphylococcus aureus von den koagulasenegativen Arten, innerhalb der Streptokokken das Hämolyseverhalten auf Blutagar sowie Lancefield-Gruppen, Optochin- und Bacitracin-Empfindlichkeit.

In der Mikrobiologie-Prüfung steht selten die Frage „Welcher Erreger?“ am Anfang, sondern eine Befundkette: grampositive Haufenkokken, katalasepositiv, koagulasepositiv. Wer den Entscheidungsbaum im Kopf hat, kommt in drei Schritten zur Diagnose – und weiß sofort, welche Krankheitsbilder dazugehören.

Was sind grampositive Kokken – und warum ist das Thema prüfungsrelevant?

Was zeichnet sie aus? Grampositive Kokken besitzen eine dicke Mureinschicht, die den Kristallviolett-Komplex festhält und sie im Gram-Präparat blau-violett erscheinen lässt. Schon die Lagerung im Präparat trägt Information: Staphylokokken liegen in traubenartigen Haufen, Streptokokken in Ketten, Pneumokokken typischerweise als lanzettförmige Diplokokken.

Warum ist das examensrelevant? Weil diese Erregergruppe die häufigsten bakteriellen Infektionen von Haut, Atemwegen, Herzklappen und Blutstrom verursacht. Die Zuordnung entscheidet über die kalkulierte Antibiotikatherapie – und damit über eine der meistgeprüften klinischen Entscheidungen überhaupt.

Der Entscheidungsbaum in drei Schritten

Schritt eins ist die Katalase. Staphylokokken bilden das Enzym und lassen Wasserstoffperoxid sichtbar aufschäumen, Streptokokken und Enterokokken nicht. Schritt zwei bei Staphylokokken ist die Koagulase: Nur S. aureus ist koagulasepositiv, alle anderen relevanten Arten sind koagulasenegativ. Schritt zwei bei Streptokokken ist das Hämolyseverhalten auf Blutagar – alpha-Hämolyse mit grünlichem Hof durch Hämoglobinabbau, beta-Hämolyse mit vollständiger klarer Aufhellung, gamma-Hämolyse als fehlende Hämolyse.

Schritt drei differenziert weiter: Beta-hämolysierende Streptokokken ordnet man über die Lancefield-Gruppen anhand ihrer C-Polysaccharide zu, wobei Gruppe A für S. pyogenes und Gruppe B für S. agalactiae steht; Gruppe-A-Streptokokken sind bacitracinempfindlich. Bei den alpha-hämolysierenden trennt der Optochin-Test: Pneumokokken sind optochinempfindlich, vergrünende Streptokokken der Viridans-Gruppe nicht.

Erreger Differenzierung Typische Krankheitsbilder
S. aureus Katalase +, Koagulase + Furunkel, Abszess, Osteomyelitis, akute Endokarditis, Sepsis
S. epidermidis Katalase +, Koagulase − Fremdkörperinfektionen an Kathetern, Prothesen, Shunts
S. saprophyticus Katalase +, Koagulase − Harnwegsinfekt junger, sexuell aktiver Frauen
S. pyogenes (Gruppe A) beta-Hämolyse, bacitracinempfindlich Tonsillopharyngitis, Scharlach, Erysipel, nekrotisierende Fasziitis
S. agalactiae (Gruppe B) beta-Hämolyse, bacitracinresistent Neugeborenensepsis und -meningitis
S. pneumoniae alpha-Hämolyse, optochinempfindlich Lobärpneumonie, Otitis media, Meningitis
Enterokokken Katalase −, gamma-Hämolyse, galletolerant Harnwegsinfekt, Endokarditis, intraabdominelle Infektionen

Staphylokokken: aureus gegen den Rest

S. aureus ist der klassische Eitererreger und besiedelt bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung asymptomatisch die Nasenvorhöfe. Er verursacht lokale Pyodermien ebenso wie tiefe Abszesse, Osteomyelitiden, Pneumonien und die akut verlaufende Endokarditis, häufig an der Trikuspidalklappe bei intravenösem Drogenkonsum. Beim Nachweis in der Blutkultur ist er nie als Kontamination abzutun.

S. epidermidis ist dagegen physiologischer Hautkeim und wird vor allem dann pathogen, wenn Fremdmaterial im Spiel ist: Er bildet einen Biofilm auf Kathetern, Gelenkprothesen und Schrittmacherelektroden, der Antibiotika und Immunzellen abschirmt. S. saprophyticus ist der zweithäufigste Erreger unkomplizierter Harnwegsinfekte junger Frauen. Die Resistenzlage – Stichwort MRSA – behandelt der Beitrag zu MRSA, VRE, ESBL und Carbapenemasen.

Streptococcus pyogenes und seine Folgeerkrankungen

S. pyogenes verursacht Tonsillopharyngitis, Impetigo contagiosa, Erysipel und die lebensbedrohliche nekrotisierende Fasziitis. Bildet der Stamm erythrogene Toxine, entsteht das Bild des Scharlachs mit Exanthem, Erdbeerzunge und periorale Blässe.

Prüfungsrelevant sind vor allem die immunologisch vermittelten Folgeerkrankungen. Das akute rheumatische Fieber tritt Wochen nach einer Racheninfektion auf und betrifft Herz, Gelenke, Haut und Basalganglien; Grundlage ist eine Kreuzreaktion von Antikörpern gegen Streptokokkenantigene mit körpereigenem Gewebe. Die akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis folgt einer Rachen- oder Hautinfektion und beruht auf Immunkomplexablagerungen in den Glomeruli. Wichtig für die Prüfung: Eine konsequente antibiotische Behandlung senkt das Risiko des rheumatischen Fiebers, die Glomerulonephritis lässt sich dadurch nicht sicher verhindern.

Pneumokokken, Enterokokken und Toxine

S. pneumoniae ist der häufigste Erreger der ambulant erworbenen Lobärpneumonie und einer der wichtigsten Erreger der bakteriellen Meningitis. Sein entscheidender Virulenzfaktor ist die Polysaccharidkapsel, die die Phagozytose verhindert – deshalb sind Menschen ohne funktionsfähige Milz besonders gefährdet, und deshalb richtet sich die Impfung gegen Kapselantigene.

Enterokokken sind Teil der Darmflora, gegenüber vielen Antibiotika intrinsisch unempfindlich und typische Erreger nosokomialer Harnwegsinfekte, intraabdomineller Infektionen und der subakuten Endokarditis. Bei den Toxinen gehören drei Konstellationen ins Repertoire: das Toxic-Shock-Syndrom-Toxin von S. aureus als Superantigen mit massiver, unspezifischer T-Zell-Aktivierung, die hitzestabilen Enterotoxine, die eine Lebensmittelvergiftung mit sehr kurzer Inkubationszeit auslösen, und die Exfoliativtoxine des Staphylococcal Scalded Skin Syndrome. Superantigen-vermittelte Verläufe können rasch in eine Sepsis mit septischem Schock münden. Welche Substanzklasse anschließend greift, ordnet der Beitrag zu Antibiotika-Klassen und Wirkmechanismen ein; die komplette Systematik der Erreger findest du im Kurs Mikrobiologie – Dein Komplettkurs für Prüfung & Klinikalltag.

Definition auf einen Blick

Begriff Definition
Katalase-Test Nachweis des Enzyms Katalase; trennt Staphylokokken (positiv) von Streptokokken (negativ)
Koagulase Enzym, das Fibrinogen umwandelt; Nachweis kennzeichnet S. aureus
Beta-Hämolyse Vollständige Auflösung der Erythrozyten mit klarem Hof um die Kolonie
Lancefield-Gruppen Einteilung beta-hämolysierender Streptokokken nach C-Polysaccharid-Antigenen
Superantigen Toxin, das T-Zellen unspezifisch massenhaft aktiviert und einen Zytokinsturm auslöst

Key Takeaways

  • Katalase trennt Staphylokokken von Streptokokken und Enterokokken.
  • Koagulase identifiziert S. aureus; koagulasenegative Arten sind typische Fremdkörperkeime.
  • Hämolyseverhalten, Lancefield-Gruppe, Optochin und Bacitracin differenzieren die Streptokokken.
  • Rheumatisches Fieber und Poststreptokokken-Glomerulonephritis sind immunologische Folgekrankheiten von S. pyogenes.
  • Die Pneumokokkenkapsel ist der zentrale Virulenzfaktor und Ziel der Impfung.

Einordnung

Die dargestellte Systematik entspricht den mikrobiologischen Grundlagen des IMPP-Gegenstandskatalogs für den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Empfehlungen zu Impfungen richten sich nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, Aussagen zur Therapie nach den einschlägigen AWMF-Leitlinien der Fachgesellschaften. Für die Bewertung von Resistenzbefunden gelten die jeweils aktuellen Vorgaben zur Empfindlichkeitsprüfung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wie unterscheidet man Staphylokokken von Streptokokken?

Über den Katalase-Test: Staphylokokken sind katalasepositiv, Streptokokken und Enterokokken katalasenegativ.

2. Wofür ist der Koagulase-Test wichtig?

Er identifiziert Staphylococcus aureus als einzigen koagulasepositiven Vertreter der medizinisch relevanten Staphylokokken.

3. Was bedeuten alpha-, beta- und gamma-Hämolyse?

Alpha steht für unvollständige Hämolyse mit grünlichem Hof, beta für vollständige Hämolyse mit klarem Hof, gamma für fehlende Hämolyse.

4. Wie erkennt man Pneumokokken im Labor?

Als alpha-hämolysierende, lanzettförmige Diplokokken, die im Gegensatz zu Viridans-Streptokokken optochinempfindlich sind.

5. Welche Erkrankungen verursacht S. pyogenes?

Tonsillopharyngitis, Scharlach, Impetigo, Erysipel und nekrotisierende Fasziitis sowie die immunologischen Folgeerkrankungen.

6. Was ist der Unterschied zwischen rheumatischem Fieber und Poststreptokokken-Glomerulonephritis?

Das rheumatische Fieber beruht auf Kreuzreaktivität von Antikörpern mit körpereigenem Gewebe, die Glomerulonephritis auf Immunkomplexablagerungen in den Glomeruli.

7. Warum ist S. epidermidis bei Fremdmaterial gefährlich?

Weil er auf Kathetern und Prothesen einen Biofilm bildet, der Antibiotika und Immunzellen abschirmt.

8. Welche Rolle spielt die Pneumokokkenkapsel?

Sie verhindert die Phagozytose und ist damit der wichtigste Virulenzfaktor sowie das Ziel der Impfung.

9. Was ist ein Superantigen?

Ein Toxin, das T-Zellen unspezifisch massenhaft aktiviert und dadurch einen Zytokinsturm auslöst, etwa beim Toxic-Shock-Syndrom.

Weiterlesen …

Das mikrobiologische Cluster wird komplett mit Gramnegative Stäbchen: Enterobakterien, Pseudomonas und ihre klinische Bedeutung als Gegenstück, Antibiotika-Klassen und Wirkmechanismen im Überblick für die Therapie, Antibiotikaresistenzen: MRSA, VRE, ESBL und Carbapenemasen verstehen für die Resistenzlage und Sepsis & septischer Schock – Diagnosekriterien und Akutmanagement für den Notfall.

Erregerdiagnostik ohne Auswendiglernen

Wer den Entscheidungsbaum einmal verstanden hat, ordnet jeden Befund in Sekunden zu:

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