Kurz gesagt: Guedel-Tubus, Wendl-Tubus und Larynxtubus halten den Atemweg offen, aber keiner schützt sicher vor Aspiration. Den Guedel nimmst du nur bei tief Bewusstlosen ohne Schutzreflexe, den Wendl bei erhaltenen Reflexen und ohne Mittelgesichtsverletzung. Den Larynxtubus setzt du als supraglottische Atemwegshilfe ein, wenn die Beutel-Masken-Beatmung nicht ausreicht, und nur, soweit dein Rettungsdienstbereich ihn für Rettungssanitäter freigibt.
Im Lehrgang hast du die Tuben schon in der Hand gehabt, aber in der Prüfung fragt dich jemand: Welche Größe, wie rum und woran merkst du, dass er falsch liegt? Die Stufenlogik vom Handgriff bis zur supraglottischen Atemwegshilfe steht in unserem Beitrag Atemwegsmanagement im Rettungsdienst. Hier geht es um die drei Hilfsmittel selbst: Einführen Schritt für Schritt, Kontrolle und die Fehler, die in Prüfung und Einsatz am häufigsten passieren.
Was unterscheidet Guedel, Wendl und Larynxtubus?
Die drei Hilfsmittel unterscheiden sich vor allem darin, wo sie liegen und wie wach dein Patient sein darf. Die Übersicht hilft dir, im Einsatz schnell zu entscheiden:
| Guedel-Tubus | Wendl-Tubus | Larynxtubus | |
|---|---|---|---|
| Lage | Mund bis Oropharynx | Nase bis Hypopharynx | Hypopharynx, Spitze im oberen Ösophagus |
| Patient | tief bewusstlos, keine Schutzreflexe | eingetrübt, Reflexe teilweise erhalten | bewusstlos, meist bei Reanimation oder insuffizienter Maskenbeatmung |
| Größe | Mundwinkel bis Ohrläppchen oder Kieferwinkel | Nasenspitze bis Ohrläppchen | nach Körpergröße laut Herstellerangabe |
| Beatmung | nur zusätzlich mit Maske | nur zusätzlich mit Maske | direkt über den Tubus |
| Aspirationsschutz | nein | nein | nur eingeschränkt |
Allen gemeinsam ist: Sie ersetzen nicht das Freimachen des Atemwegs mit Handgriffen und nicht die Kontrolle danach. Ein Hilfsmittel ist nur so gut wie die Lagerung des Kopfes, in der es liegt.
Wie legst du einen Guedel-Tubus richtig ein?
Den Guedel-Tubus legst du nur ein, wenn der Patient tief bewusstlos ist und keinen Würgereflex hat. Würgt er beim Einführen, nimmst du den Tubus sofort wieder heraus, sonst drohen Erbrechen und Laryngospasmus.
- Atemweg mit Kopfüberstreckung oder Esmarch-Handgriff freimachen, Mund inspizieren und bei Bedarf absaugen.
- Größe am Patienten messen: vom Mundwinkel bis zum Ohrläppchen oder Kieferwinkel.
- Beim Erwachsenen mit der Öffnung zum Gaumen einführen und kurz vor dem weichen Gaumen um 180 Grad drehen.
- Bei Kindern ohne Drehung einführen, die Zunge dabei mit einem Spatel nach unten halten.
- Lage kontrollieren: Der Beißblock liegt zwischen den Zähnen, die Atmung wird leiser und freier.
Ein zu kurzer Guedel drückt die Zunge zusätzlich nach hinten, ein zu langer reizt den Kehldeckel. Deshalb gilt in Prüfungen immer: erst messen, dann einführen.
Wann und wie setzt du einen Wendl-Tubus ein?
Der Wendl-Tubus ist die bessere Wahl, wenn dein Patient eingetrübt ist, aber noch Schutzreflexe hat oder den Mund nicht öffnet, etwa nach einem Krampfanfall. Er wird über die Nase eingeführt und ist deshalb besser toleriert.
- Kontraindikationen ausschließen: Verdacht auf Mittelgesichts- oder Schädelbasisverletzung, bekannte schwere Gerinnungsstörung.
- Größe von der Nasenspitze bis zum Ohrläppchen messen und den Tubus mit Gleitmittel versehen.
- Meist über das rechte Nasenloch mit der abgeschrägten Seite zum Septum einführen.
- Den Tubus entlang des Nasenbodens nach hinten schieben, nicht nach oben, und dabei leicht drehen.
- Bei Widerstand nicht drücken, sondern das andere Nasenloch versuchen.
Die häufigste Komplikation ist Nasenbluten. Deshalb immer die Absaugung bereithalten und den Patienten danach engmaschig beobachten.
Wann setzt du den Larynxtubus ein?
Den Larynxtubus setzt du ein, wenn die Beutel-Masken-Beatmung nicht ausreicht oder im Rahmen der Reanimation eine Atemwegshilfe gewünscht ist. Ob Rettungssanitäter ihn selbstständig anwenden dürfen, regelt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst in deinem Bereich. In manchen Bereichen ist das auf die Reanimation beschränkt, in anderen Notfallsanitätern vorbehalten.
- Größe nach Körpergröße wählen, wie auf der Verpackung angegeben, und den Cuff vorher auf Dichtigkeit prüfen.
- Kopf in Neutral- bis leichte Schnüffelposition bringen, Tubus mit Gleitmittel versehen.
- Mittig am harten Gaumen entlang einführen, bis die Markierung an den Zähnen liegt.
- Cuff blocken. Der Cuffdruck soll nach Herstellerangabe 60 cm H2O nicht überschreiten, deshalb mit Cuffdruckmesser kontrollieren.
- Beatmen und die Lage dreifach kontrollieren: Thoraxhebung, Auskultation, Kapnographie.
Für Kinder unter 10 kg gilt der Larynxtubus laut einer interdisziplinären Stellungnahme zu supraglottischen Atemwegshilfen als nicht sicher, dort ist die Larynxmaske das Mittel der Wahl. Dieselbe Stellungnahme verweist auf mindestens zehn Anwendungen unter Aufsicht, bevor jemand eine supraglottische Atemwegshilfe präklinisch einsetzt.
Woran erkennst du eine Fehllage und was tust du dann?
Eine Fehllage erkennst du daran, dass trotz Beatmung keine Kapnographiekurve erscheint, sich der Brustkorb nicht hebt oder es über dem Magen gluckert. Auch eine fallende Sauerstoffsättigung oder ein sich aufblähender Oberbauch sind Warnzeichen.
Dann gehst du eine Stufe zurück: Tubus entblocken und entfernen, wieder mit Beutel und Maske beatmen und Hilfe nachfordern. Ein schlecht liegender Larynxtubus ist gefährlicher als eine gute Maskenbeatmung. Diese Rückfallregel kennen Prüfer und fragen sie gern ab.
Typische Fehler im Überblick:
- Guedel bei erhaltenem Würgereflex erzwingen
- Wendl nach oben statt entlang des Nasenbodens schieben
- Larynxtubus ohne Cuffdruckkontrolle blocken
- Keine Kapnographie anschließen oder sie nach Lagewechsel nicht neu beurteilen
- Zu große Beatmungsvolumina, die den Magen aufblähen
Wie übst du Atemwegshilfen für Prüfung und Einsatz?
Am besten lernst du die Tuben, indem du jeden Schritt am Phantom laut ansagst. Theorie, Kontraindikationen und Größenregeln kannst du vorher zu Hause sichern, zum Beispiel mit Modul 2: Notfallmedizin und Einsatzlehre.
Die Handgriffe selbst brauchen Präsenztraining. Was du online vorbereiten kannst und was du nur in Lehrgang und Wache lernst, steht auf unserer Seite Rettungssanitäter-Theorie online lernen. Frag auf der Lehrrettungswache nach, welche Hilfsmittel in eurem Bereich vorgehalten werden und welche Verfahrensanweisung gilt.
Ein guter Trainingsablauf am Phantom: zuerst eine Minute Beutel-Masken-Beatmung zu zweit, dann Guedel messen und einlegen, danach Wendl am Kopfmodell und zum Schluss den Larynxtubus mit Cuffdruckmessung und Kapnographie. Lass eine Mitschülerin dabei absichtlich Fehler einbauen, etwa einen falsch großen Tubus auf dem Tablett. So trainierst du, nicht nur Handgriffe abzuspulen, sondern jeden Schritt zu prüfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Guedel nur bei tief Bewusstlosen ohne Würgereflex, Größe Mundwinkel bis Ohrläppchen.
- Wendl bei erhaltenen Reflexen, nicht bei Verdacht auf Mittelgesichts- oder Schädelbasisverletzung.
- Larynxtubus nur im freigegebenen Kompetenzrahmen, Cuffdruck maximal 60 cm H2O.
- Lagekontrolle immer mit Thoraxhebung, Auskultation und Kapnographie.
- Bei Zweifel zurück zur Beutel-Masken-Beatmung und Hilfe nachfordern.
Häufig gestellte Fragen
1. Wie bestimme ich die Größe des Guedel-Tubus?
Du misst vom Mundwinkel bis zum Ohrläppchen oder bis zum Kieferwinkel. Schätzen reicht nicht, weil falsche Größen den Atemweg zusätzlich verlegen können.
2. Wann ist der Wendl-Tubus kontraindiziert?
Bei Verdacht auf Mittelgesichts- oder Schädelbasisverletzung und bei schwerer Gerinnungsstörung. Dann bleibt es bei Handgriffen, Guedel oder Maskenbeatmung.
3. Darf ein Rettungssanitäter einen Larynxtubus legen?
Das regelt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst in deinem Bereich. In manchen Bereichen ist es Rettungssanitätern bei der Reanimation erlaubt, in anderen nicht.
4. Wie hoch darf der Cuffdruck beim Larynxtubus sein?
Laut Herstellerangabe höchstens 60 cm H2O. Kontrolliere ihn mit einem Cuffdruckmesser statt nach Gefühl.
5. Schützt ein Larynxtubus vor Aspiration?
Nur eingeschränkt. Er dichtet oberhalb der Stimmbänder ab, ersetzt aber keinen geblockten Endotrachealtubus.
6. Was mache ich, wenn der Larynxtubus nicht richtig liegt?
Entblocken, entfernen und wieder mit Beutel und Maske beatmen. Danach Hilfe nachfordern und die Maskenbeatmung optimieren.
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ABCDE-Schema · Reanimation im Rettungsdienst · Respiratorische Notfälle · Atemwegsmanagement im Rettungsdienst: die Stufenlogik · Rettungssanitäter-Theorie online lernen
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