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HFpEF verstehen: Herzschwäche trotz normaler Pumpfunktion

Warum das Herz schwach sein kann, obwohl der Ultraschall eine normale Auswurffraktion zeigt – und was bei HFpEF in Diagnostik, Alltag und Verlaufskontrolle wirklich zählt.

Kurz gesagt: HFpEF steht für Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion. Das Herz wirft pro Schlag noch genug Blut aus, kann sich in der Füllungsphase aber nicht mehr gut entspannen. Typisch sind Luftnot bei Belastung, rasche Erschöpfung und geschwollene Beine – bei normaler oder fast normaler Auswurffraktion im Ultraschall. Diagnose, Behandlung und Kontrollen legt immer das Behandlungsteam individuell fest.

Eine Patientin, 71 Jahre alt, kommt seit Monaten die Treppe zum zweiten Stock nicht mehr ohne Pause hinauf. Die Beine sind abends dick, nachts braucht sie ein zweites Kissen. Der Hausarzt überweist zum Herzultraschall – und der Befund lautet: Pumpfunktion normal. Für viele Betroffene ist das der verwirrendste Moment der ganzen Abklärung. Das Herz sei doch in Ordnung, heißt es dann oft. Genau hier setzt das Verständnis von HFpEF an: Eine normale Auswurffraktion schließt eine Herzschwäche nicht aus. Sie sagt nur etwas über die Auswurfphase aus – nicht über die Füllungsphase.

Was bedeutet HFpEF genau?

Die Abkürzung kommt aus dem Englischen: heart failure with preserved ejection fraction, also Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion. Die Auswurffraktion beschreibt, welcher Anteil des Blutes aus der linken Herzkammer bei einem Schlag ausgeworfen wird. Bei der klassischen Herzschwäche – HFrEF, mit reduzierter Auswurffraktion – ist dieser Anteil vermindert. Bei HFpEF ist er normal, und trotzdem liegt eine Herzinsuffizienz vor.

Der Grund liegt in der Entspannungsphase, der Diastole. Der Herzmuskel ist verdickt und versteift, oft nach vielen Jahren mit erhöhtem Blutdruck. Ein steifer Muskel füllt sich schlechter. Um dieselbe Blutmenge aufzunehmen, muss der Druck in der Kammer steigen. Dieser Druck staut sich zurück in die Lungengefäße – und genau das spüren Betroffene als Luftnot, besonders unter Belastung, im Liegen oder nachts. Die Pumpe ist nicht schwach, aber der Behälter lässt sich nicht mehr locker füllen.

HFpEF kommt selten allein. Sehr häufig bestehen gleichzeitig Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Vorhofflimmern, eine Nierenfunktionsstörung oder eine Schlafapnoe. Diese Begleiterkrankungen sind keine Nebensache, sondern ein zentraler Teil des Krankheitsbildes. Wer HFpEF behandeln will, behandelt in erster Linie diese Treiber mit.

Woran erkennt man eine Herzschwäche mit normaler Pumpfunktion?

Die Beschwerden unterscheiden sich im Alltag kaum von denen anderer Formen der Herzschwäche. Auffällig ist vor allem, dass die Belastbarkeit über Wochen und Monate schleichend abnimmt und die Erklärung oft dem Alter zugeschrieben wird. Typische Hinweise sind:

  • Luftnot bei Anstrengung, die früher nicht auftrat – Treppen, Steigungen, Tragen von Einkäufen.
  • Kurzatmigkeit im Liegen oder nächtliches Aufwachen mit Lufthunger.
  • Wassereinlagerungen an Knöcheln und Unterschenkeln, die abends zunehmen.
  • Ungewöhnlich rasche Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage.
  • Erschöpfung, Leistungsknick, das Gefühl, ständig einen Gang zurückschalten zu müssen.

Zur Abklärung gehören eine gründliche körperliche Untersuchung, ein EKG, Laborwerte einschließlich der herzspezifischen natriuretischen Peptide und vor allem die Echokardiografie. Der Ultraschall zeigt bei HFpEF eine normale Auswurffraktion, häufig aber eine verdickte Herzwand, einen vergrößerten linken Vorhof und Zeichen einer gestörten Füllung. Ergänzend kommen je nach Situation Belastungsuntersuchungen, ein Langzeit-EKG, eine Kardio-MRT oder eine Rechtsherzkatheteruntersuchung infrage. Wie ein EKG dabei systematisch gelesen wird, erklärt der Beitrag EKG systematisch lesen.

HFpEF und HFrEF im Vergleich

Beide Formen führen zu ähnlichen Beschwerden, unterscheiden sich aber im Mechanismus, in der Ursachenverteilung und im Schwerpunkt der Behandlung. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Unterschiede ein.

Merkmal HFpEF – erhaltene Pumpfunktion HFrEF – reduzierte Pumpfunktion
Grundproblem Füllung: steifer, schlecht entspannender Herzmuskel Auswurf: geschwächte Kontraktion der linken Kammer
Echobefund Auswurffraktion normal, oft Wandverdickung und großer Vorhof Auswurffraktion vermindert, Kammer meist erweitert
Häufige Vorgeschichte Langjähriger Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Vorhofflimmern Herzinfarkt, Durchblutungsstörung, Kardiomyopathie, Myokarditis
Schwerpunkt der Behandlung Begleiterkrankungen konsequent mitbehandeln, Stauung entlasten Etablierte Wirkstoffsäulen der Herzinsuffizienztherapie
Rolle der Bewegung Sehr hoch, gezieltes Ausdauer- und Krafttraining nach Absprache Hoch, meist im Rahmen strukturierter Herzsportangebote

Wie wird HFpEF behandelt?

Die Behandlung ruht auf zwei Beinen. Das erste ist die Entlastung: Wenn Wasser eingelagert ist, wird entwässert, damit Luftnot und Schwellungen zurückgehen. Das zweite – und langfristig entscheidende – Bein ist die konsequente Behandlung der Begleiterkrankungen. Ein gut eingestellter Blutdruck entlastet den steifen Muskel. Eine behandelte Schlafapnoe verbessert den nächtlichen Sauerstoffhaushalt. Ein kontrollierter Herzrhythmus verlängert die Füllungszeit. Gewichtsreduktion, wenn Übergewicht besteht, wirkt auf mehrere dieser Stellschrauben gleichzeitig.

In den vergangenen Jahren sind zusätzlich Wirkstoffgruppen hinzugekommen, die auch bei erhaltener Pumpfunktion einen Nutzen zeigen. Welche davon im Einzelfall passen, hängt von Nierenfunktion, Blutdruck, Begleitmedikation und Verträglichkeit ab. Diese Auswahl trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt – Dosierungen, Zielwerte und Kombinationen werden individuell festgelegt und angepasst. Setzen Sie eine Herzmedikation niemals eigenmächtig ab oder verändern Sie sie eigenständig, auch dann nicht, wenn es Ihnen besser geht. Genau das Bessergehen ist häufig die Wirkung der Behandlung. Welche Bausteine bei der Herzschwäche insgesamt eine Rolle spielen, beschreibt der Beitrag zu den vier Wirkstoffsäulen bei Herzinsuffizienz. Wer den Alltag strukturieren möchte, findet im Ratgeber Herzinsuffizienz im Alltag eine Anleitung für Selbstkontrolle und Verlaufsbeobachtung.

Was können Sie selbst im Alltag tun?

HFpEF ist eine Erkrankung, bei der die eigene Beobachtung außergewöhnlich viel Wert hat. Ein tägliches Wiegen zur gleichen Tageszeit, am besten morgens nach dem Toilettengang, macht eine beginnende Wassereinlagerung sichtbar, lange bevor die Luftnot deutlich wird. Notieren Sie das Gewicht, damit ein Trend erkennbar wird, und besprechen Sie mit Ihrer Praxis vorab, ab welcher Veränderung Sie sich melden sollen. Ausführlich beschreibt das der Beitrag Herzschwäche im Alltag: Gewicht und Trinkmenge.

Ebenso wichtig ist regelmäßige Bewegung. Schonung verschlechtert die Belastbarkeit zusätzlich, weil auch die Skelettmuskulatur abbaut. Sinnvoll ist ein langsam gesteigertes Ausdauertraining in einem Bereich, in dem Sie sich noch unterhalten können, ergänzt um leichtes Krafttraining. Herzsportgruppen bieten dafür einen sicheren Rahmen. Salzbewusste Ernährung, ein regelmäßiger Schlafrhythmus, Rauchverzicht und ein aufmerksamer Umgang mit dem Blutdruck runden das Bild ab. Wie Blutdruckmessungen zu Hause aussagekräftig werden, erklärt die Seite Blutdruck richtig messen.

Warnzeichen: wann Sie sofort handeln müssen

Es gibt Situationen, in denen Abwarten gefährlich ist. Wählen Sie sofort den Notruf 112 bei plötzlicher schwerer Luftnot, bei Luftnot in Ruhe, bei anhaltendem oder drückendem Brustschmerz, bei einer Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht sowie bei plötzlicher Schwäche einer Körperhälfte, hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörung. Diese Beschwerden können auf einen Herzinfarkt, eine akute Lungenstauung oder einen Schlaganfall hinweisen und sind immer 112-Situationen.

Nicht lebensbedrohlich, aber dringlich sind eine rasche Gewichtszunahme über wenige Tage, deutlich zunehmende Beinschwellung, neu aufgetretenes Herzrasen oder Herzstolpern und eine Verschlechterung der Belastbarkeit ohne erkennbaren Anlass. Melden Sie sich dann zeitnah in Ihrer Praxis; außerhalb der Sprechzeiten hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 weiter.

Key Takeaways

  • HFpEF ist eine echte Herzschwäche – trotz normaler Auswurffraktion im Herzultraschall.
  • Das Problem liegt in der Füllungsphase: Ein versteifter Herzmuskel braucht höheren Druck, um sich zu füllen.
  • Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Vorhofflimmern und Schlafapnoe sind zentrale Treiber und werden konsequent mitbehandelt.
  • Tägliches Wiegen, dokumentierte Werte und regelmäßige Bewegung sind wirksame Bausteine der Selbstkontrolle.
  • Luftnot in Ruhe, Brustschmerz, Ohnmacht und Schlaganfallzeichen sind immer ein Fall für den Notruf 112.

Einordnung

Die Darstellung orientiert sich an der Nationalen VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, der Nationalen VersorgungsLeitlinie Hypertonie, den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sowie den Patienteninformationen von gesund.bund.de. Auf Prozentangaben, Grenzwerte und Zielwerte wird bewusst verzichtet: Solche Zahlen schwanken zwischen Leitlinienversionen und gelten immer nur im Kontext der einzelnen Person. Welcher Blutdruckbereich, welche Medikation und welche Kontrollabstände für Sie sinnvoll sind, legt ausschließlich Ihr Behandlungsteam fest. Bei akuten Warnzeichen wie Brustschmerz, Luftnot, Ohnmacht oder Schlaganfallzeichen gilt der Notruf 112; bei dringlichen, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden erreichen Sie in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Kann man Herzschwäche haben, wenn die Pumpfunktion normal ist?

Ja. Bei HFpEF ist die Auswurffraktion normal, der Herzmuskel aber zu steif, um sich gut zu füllen. Der Rückstau in die Lunge verursacht Luftnot und Erschöpfung. Die Diagnose stützt sich auf Beschwerden, Laborwerte und den Echobefund im Zusammenhang.

2. Was ist der Unterschied zwischen HFpEF und HFrEF?

HFrEF beschreibt eine verminderte Auswurffraktion, das Herz pumpt zu schwach. Bei HFpEF ist der Auswurf normal, die Entspannung und Füllung sind gestört. Beide führen zu ähnlichen Beschwerden, unterscheiden sich aber im Behandlungsschwerpunkt deutlich.

3. Welche Untersuchungen sind bei Verdacht auf HFpEF nötig?

Üblich sind körperliche Untersuchung, EKG, Blutabnahme mit natriuretischen Peptiden und eine Echokardiografie. Je nach Befund folgen Belastungstests, Langzeit-EKG, Kardio-MRT oder eine Katheteruntersuchung. Den Umfang legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt individuell fest.

4. Ist HFpEF heilbar?

Die Versteifung des Herzmuskels bildet sich in der Regel nicht vollständig zurück. Beschwerden und Belastbarkeit lassen sich jedoch oft deutlich verbessern, wenn Blutdruck, Gewicht, Rhythmus, Schlafapnoe und Zuckerstoffwechsel konsequent mitbehandelt werden.

5. Darf ich mit HFpEF Sport treiben?

Bewegung ist ausdrücklich erwünscht, sofern sie ärztlich abgestimmt ist. Sinnvoll sind moderates Ausdauertraining und leichtes Krafttraining, langsam gesteigert. Herzsportgruppen bieten einen betreuten Rahmen. Bei neuer Luftnot oder Brustschmerz unter Belastung wird das Training sofort beendet.

6. Wie viel darf ich bei HFpEF trinken?

Eine pauschale Trinkmenge gibt es nicht. Sie hängt von Nierenfunktion, Entwässerungsmedikation, Jahreszeit und Gewichtsverlauf ab und wird individuell besprochen. Aussagekräftiger als eine feste Literzahl ist das tägliche Wiegen und dessen Dokumentation.

7. Warum ist Vorhofflimmern bei HFpEF so wichtig?

Ein schneller oder unregelmäßiger Rhythmus verkürzt die Füllungszeit der steifen Kammer, was Beschwerden verstärkt. Zusätzlich erhöht Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko. Rhythmus- und Gerinnungsfragen werden deshalb immer ärztlich mitbetrachtet.

8. Wann muss ich mit HFpEF sofort den Notruf wählen?

Bei plötzlicher schwerer Luftnot, Luftnot in Ruhe, anhaltendem Brustschmerz, Ohnmacht oder Zeichen eines Schlaganfalls wählen Sie sofort die 112. Bei dringlichen, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Weiterlesen und vertiefen

Wenn Sie das Thema weiter einordnen möchten, hilft die Übersichtsseite Kardiologie als Einstieg in alle Herzthemen. Für den Alltag mit Herzschwäche lohnt der Beitrag Gewicht und Trinkmenge bei Herzschwäche, für die Blutdruckseite die Seite Blutdruck richtig messen. Gebündelte Ratgeber finden Sie in der Sammlung Herzgesundheit – Patientenratgeber.

Herzschwäche im Alltag sicher begleiten

Diese Ratgeber übersetzen Befunde, Kontrollen und Alltagsfragen rund um Herz und Kreislauf in verständliche Sprache.

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