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Intrazerebrale Blutung & Subarachnoidalblutung – Diagnostik und Therapie

Fallvignette: Eine 47-jährige Patientin stellt sich mit plötzlich einsetzendem, vernichtendem Kopfschmerz vor – „der schlimmste Kopfschmerz meines Lebens“, wie sie angibt. Der Schmerz habe innerhalb von Sekunden sein Maximum erreicht. Sie war kurz bewusstlos, jetzt somnolent, mit Nackensteifigkeit und Photophobie. Der Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung liegt nahe – ein Notfall, bei dem jede Minute zählt, um ein Rezidivblutung durch ein rupturiertes Aneurysma zu verhindern.

Was sind intrazerebrale Blutung und Subarachnoidalblutung – und warum prüfungsrelevant?

Die intrazerebrale Blutung (ICB) ist eine Blutung in das Hirnparenchym, die Subarachnoidalblutung (SAB) eine Blutung in den Subarachnoidalraum, meist durch Ruptur eines Hirnbasisaneurysmas. Beide zählen zu den hämorrhagischen Schlaganfallformen und sind im IMPP-Gegenstandskatalog fest verankert: Die Abgrenzung von der ischämischen Genese, die Grading-Systeme (Hunt & Hess, ICH-Score) sowie die Akutversorgung sind klassische Prüfungsthemen.

Definitionen

Begriff Definition
Intrazerebrale Blutung (ICB) Blutung direkt in das Hirnparenchym, häufig hypertensiv bedingt
Subarachnoidalblutung (SAB) Blutung in den Subarachnoidalraum, meist durch rupturiertes Aneurysma
Aneurysma Sackförmige Gefäßausweitung, bevorzugt am Circulus arteriosus Willisii
Vasospasmus Verzögerte, blutabbauproduktbedingte Gefäßverengung nach SAB mit Risiko einer sekundären Ischämie

Ätiologie

Die ICB entsteht überwiegend hypertensiv-bedingt durch Ruptur kleiner perforierender Arterien (typische Lokalisation: Basalganglien, Thalamus, Pons, Kleinhirn) oder – v.a. bei älteren, lobar gelegenen Blutungen – im Rahmen einer zerebralen Amyloidangiopathie. Sekundäre Ursachen sind Antikoagulation, Gerinnungsstörungen, Tumoren oder Gefäßmalformationen. Die SAB entsteht in etwa 85% der Fälle durch Ruptur eines sakkulären Aneurysmas, seltener durch eine perimesenzephale (nicht-aneurysmatische) Blutung oder eine arteriovenose Malformation.

Klinik

Die ICB imponiert klassischerweise durch ein akut auftretendes fokal-neurologisches Defizit (Hemiparese, Aphasie) mit begleitendem Kopfschmerz und häufig progredienter Vigilanzminderung, abhängig von Blutungsgröße und -lokalisation. Die SAB präsentiert sich typischerweise mit dem plotzlichen Vernichtungskopfschmerz („thunderclap headache“), Meningismus, Photophobie, Übelkeit/Erbrechen und häufig kurzzeitiger Bewusstlosigkeit im Ruptur-Moment.

Diagnostik und Schweregrad-Einteilung

Diagnostisches Mittel der ersten Wahl ist bei beiden Entitäten die native craniale CT, die Blut sehr sensitiv darstellt. Bei klinischem SAB-Verdacht und unauffälligem CCT (v.a. bei später Vorstellung) erfolgt ergänzend eine Liquorpunktion mit Nachweis von Xanthochromie. Zur Klärung der Blutungsquelle dient die CT-Angiographie beziehungsweise die digitale Subtraktionsangiographie (DSA). Zur klinischen Schweregradeinteilung der SAB wird die Hunt-&-Hess-Klassifikation herangezogen:

Grad Klinisches Bild
I Asymptomatisch oder leichter Kopfschmerz, leichter Meningismus
II Mäßiger bis starker Kopfschmerz, Meningismus, kein neurologisches Defizit außer ggf. Hirnnervenparese
III Somnolenz, Verwirrtheit, leichtes fokal-neurologisches Defizit
IV Sopor, mäßige bis schwere Hemiparese
V Koma, Strecksynergien

Therapie

Bei der ICB stehen die rasche, kontrollierte Blutdrucksenkung, die Aufhebung einer bestehenden Antikoagulation (Reversal) sowie bei raumfordernden, insbesondere infratentoriellen Blutungen mit Vigilanzminderung die neurochirurgische Hämatomausräumung im Vordergrund. Bei der SAB hat die möglichst frühzeitige Versorgung des rupturierten Aneurysmas oberste Priorität, um eine Rezidivblutung zu verhindern – interventionell durch endovaskuläres Coiling oder operativ durch mikrochirurgisches Clipping, je nach Aneurysmakonfiguration und Klinikstandard. Zur Vasospasmusprophylaxe wird der Calciumantagonist Nimodipin eingesetzt. Ein begleitender Hydrocephalus wird durch externe Liquordrainage behandelt.

Key Takeaways

  • ICB = Blutung in das Hirnparenchym, meist hypertensiv bedingt; SAB = Blutung in den Subarachnoidalraum, meist aneurysmatisch.
  • Leitsymptom der SAB ist der plötzliche Vernichtungskopfschmerz mit Meningismus.
  • Native CCT ist diagnostischer erster Schritt; bei SAB-Verdacht und negativem CCT Liquorpunktion (Xanthochromie).
  • Hunt-&-Hess-Klassifikation dient der klinischen Schweregradeinteilung der SAB.
  • Aneurysmaversorgung (Coiling/Clipping) so früh wie möglich, Nimodipin zur Vasospasmusprophylaxe.

Einordnung: IMPP, Leitlinien und Approbationsordnung

Intrazerebrale und subarachnoidale Blutungen sind im IMPP-Gegenstandskatalog als hämorrhagische Schlaganfallformen gelistet und prüfungsrelevant sowohl in schriftlicher als auch mündlich-praktischer Form. Fachliche Grundlage bilden die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sowie die entsprechenden AWMF-Leitlinien zur Behandlung spontaner intrazerebraler Blutungen und aneurysmatischer Subarachnoidalblutungen, die auch die in der Ärztlichen Approbationsordnung geforderten praktischen Fertigkeiten der Klinik-Phase prägen.

Häufige Fragen (FAQ)

1. Wie unterscheidet sich die SAB klinisch von der ICB?

Die SAB zeigt typischerweise einen plötzlichen Vernichtungskopfschmerz mit Meningismus, während die ICB eher durch ein fokal-neurologisches Defizit mit Kopfschmerz imponiert.

2. Was ist die häufigste Ursache einer SAB?

In etwa 85% der Fälle die Ruptur eines sakkulären Hirnbasisaneurysmas.

3. Welche Bildgebung erfolgt zuerst?

Die native craniale CT, da sie frisches Blut sehr sensitiv nachweist.

4. Was bedeutet Xanthochromie?

Eine Gelbfärbung des Liquors durch Hämoglobinabbauprodukte, die auf eine zurückliegende Subarachnoidalblutung hinweist, wenn die CT unauffällig war.

5. Was ist ein Vasospasmus?

Eine verzögert nach SAB auftretende Gefäßverengung mit Risiko einer sekundären zerebralen Ischämie, prophylaktisch behandelt mit Nimodipin.

6. Coiling oder Clipping – was ist der Unterschied?

Coiling ist die endovaskuläre Verschließung des Aneurysmas mit Platinspiralen, Clipping die mikrochirurgische Ausschaltung mittels Gefäßclip.

7. Was ist die häufigste Ursache einer ICB?

Die chronische arterielle Hypertonie mit Ruptur kleiner perforierender Arterien.

8. Wofür steht die Hunt-&-Hess-Klassifikation?

Sie klassifiziert den klinischen Schweregrad einer SAB von Grad I (asymptomatisch) bis Grad V (Koma).

9. Warum ist die frühe Aneurysmaversorgung so wichtig?

Weil das Risiko einer frühen Rezidivblutung nach SAB hoch und mit einer deutlich schlechteren Prognose verbunden ist.

Weiterlesen im Klinikkompass

Passend dazu: Akuter ischämischer Schlaganfall – Pathophysiologie, Lysetherapie & Thrombektomie und Status epilepticus – Diagnosekriterien und Stufentherapie.

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Über den Autor
Luca
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