Präeklampsie ist eine schwangerschaftsassoziierte Multisystemerkrankung, definiert durch eine neu aufgetretene Hypertonie ab der 20. Schwangerschaftswoche zusammen mit Proteinurie oder einer anderen Organbeteiligung. Eklampsie bezeichnet den tonisch-klonischen Krampfanfall bei Präeklampsie, der sich nicht anders erklären lässt. Für dich heißt das in der Klausur wie am Bett: Du suchst systematisch nach Blutdruck, Proteinurie sowie neurologischen, hepatischen und hämatologischen Zeichen – und stabilisierst parallel, statt erst vollständig zu diagnostizieren. Kausal wirkt nur die Entbindung.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Hypertonie ab 20+0 SSW plus Proteinurie oder Organbeteiligung ergibt die Diagnose Präeklampsie.
- Proteinurie ist kein Muss mehr – Leber, Niere, Gerinnung, ZNS und Plazenta zählen gleichwertig.
- Kopfschmerz, Sehstörungen, Oberbauchschmerz rechts und Hyperreflexie sind prodromale Warnzeichen.
- Eklampsie ist eine klinische Diagnose: Anfall bei Präeklampsie ohne andere Erklärung.
- Therapieprinzipien: Blutdruckkontrolle, Krampfprophylaxe, Kreißsaal-Monitoring, geplante Entbindung.
Definitionen, die du in der Prüfung sauber trennen musst
Die Systematik der hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen wird gern geprüft, weil sie sich mit wenigen Merkmalen ordnen lässt.
Die vier Grundbilder
- Chronische Hypertonie: bereits vor der Schwangerschaft oder vor 20+0 SSW bekannt.
- Gestationshypertonie: neue Hypertonie ab 20+0 SSW ohne Proteinurie und ohne Organbeteiligung.
- Präeklampsie: neue Hypertonie ab 20+0 SSW mit Proteinurie oder Organbeteiligung.
- Pfropfpräeklampsie: Präeklampsie auf dem Boden einer vorbestehenden Hypertonie.
Das HELLP-Syndrom ordnest du als schwere Verlaufsform ein: Hämolyse, erhöhte Transaminasen und Thrombozytopenie. Wichtig für Fallvignetten: Beim HELLP-Syndrom kann der Blutdruck vergleichsweise unauffällig sein, während der rechtsseitige Oberbauchschmerz führt. Wer nur auf den Blutdruck schaut, verpasst diese Fälle.
Merke dir zudem, dass Eklampsie auch postpartal auftreten kann. Ein Anfall im Wöchnerinnenbett bei vorbestehender Präeklampsie ist keine Ausnahme, sondern ein typisches Prüfungsdetail.
Klinik und Diagnostik strukturiert erfassen
Geh in Anamnese und Untersuchung organbezogen vor, dann verlierst du nichts.
Anamnese und Risikoprofil
Frag nach Erstgravidität, Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, Mehrlingsschwangerschaft, vorbestehender Hypertonie, Nierenerkrankung, Diabetes und Autoimmunerkrankungen. Diese Punkte tauchen in SBA-Fragen regelmäßig als Verteiler zwischen zwei plausiblen Antworten auf.
Warnsymptome
- ZNS: neu aufgetretener, anhaltender Kopfschmerz, Flimmerskotome, Sehunschärfe, Hyperreflexie, Klonus
- Leber: rechtsseitiger Oberbauch- oder epigastrischer Schmerz, Übelkeit, Erbrechen
- Niere: Oligurie, rasch steigendes Kreatinin
- Lunge: Dyspnoe als Hinweis auf ein Lungenödem
- Fetal: Wachstumsrestriktion, auffälliges CTG, pathologische Dopplerbefunde
Basisdiagnostik
Standardisierte Blutdruckmessung mit passender Manschette und Wiederholung, Urinuntersuchung auf Protein mit Quantifizierung, Blutbild mit Thrombozyten, Transaminasen, LDH, Kreatinin und Gerinnung. Dazu gehören Sonografie mit Biometrie, Fruchtwasserbeurteilung, Doppler und CTG. Bei rascher Verschlechterung wiederholst du die Labore im kurzen Intervall – ein einzelner Normalbefund schließt nichts aus.
Handeln: Prioritäten im Kreißsaal
Beim eklamptischen Anfall gilt die gleiche Reihenfolge wie bei jedem Krampfanfall: Eigenschutz, Verletzungsschutz, Seitenlagerung nach links, Atemwege sichern, Sauerstoffgabe, Zugang, Monitoring, Hilfe alarmieren. Parallel läuft die geburtshilfliche Alarmierung, weil das Kind mitbetroffen ist.
Therapeutisch verfolgst du drei Linien: Krampfprophylaxe beziehungsweise Anfallsbehandlung nach lokaler SOP, kontrollierte Blutdrucksenkung ohne abrupten Abfall der uteroplazentaren Perfusion und die Entscheidung über den Entbindungszeitpunkt. Bei frühen Schwangerschaftswochen wird eine Lungenreifeförderung erwogen, sofern die mütterliche Situation Zeit erlaubt. Bilanzierung ist wichtig, weil sowohl Oligurie als auch Überinfusion mit Lungenödem Probleme bereiten.
Für die mündliche Prüfung solltest du klar sagen können, dass die Entbindung die einzige kausale Maßnahme ist, alle anderen Schritte die Mutter stabilisieren und Zeit gewinnen, und dass die Überwachung postpartal weitergeht.
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Häufige Fragen
Braucht es für die Diagnose Präeklampsie zwingend eine Proteinurie?
Nein. Nach aktueller Systematik genügt eine neue Hypertonie ab 20+0 SSW zusammen mit einer relevanten Organbeteiligung. Dazu zählen Nieren-, Leber-, hämatologische, neurologische und uteroplazentare Manifestationen. Die fehlende Proteinurie darf dich also nicht in Sicherheit wiegen.
Wie grenzt du HELLP von anderen Ursachen des Oberbauchschmerzes ab?
Entscheidend ist die Kombination aus Schwangerschaft, Laborkonstellation und Klinik. Hämolysezeichen, erhöhte Transaminasen und fallende Thrombozyten lenken zum HELLP-Syndrom. Differenzialdiagnostisch bedenkst du Cholezystitis, Gastritis, Pankreatitis und die akute Schwangerschaftsfettleber.
Was ist der häufigste Fehler in Fallvignetten zur Eklampsie?
Zu lange diagnostizieren, bevor gehandelt wird. In der Musterlösung stehen Anfallsmanagement, Alarmierung und Monitoring vor der weiteren Abklärung. Ein zweiter typischer Fehler ist, die postpartale Phase als sicher zu betrachten.
Wie lernst du das Thema effizient fürs M2?
Arbeite mit einer Tabelle der vier Grundbilder, einer Warnsymptomliste nach Organsystem und einer kurzen Handlungskette. Danach rechnest du Fälle, statt weiterzulesen. Die Prüfung testet Zuordnung und Reihenfolge, nicht Detailwissen.
Welche Rolle spielt die Nachsorge?
Eine durchgemachte Präeklampsie ist ein Marker für das spätere kardiovaskuläre Risiko. In OSCE-Stationen zum Abschlussgespräch wird erwartet, dass du Blutdruckkontrollen nach der Entbindung und die Beratung für eine Folgeschwangerschaft ansprichst.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der medizinischen Aus- und Weiterbildung. Vor klinischer Anwendung sind aktuelle Leitlinien, lokale SOPs und Fachinformationen zu prüfen.
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