Antikörperklassen IgM, IgG, IgA, IgE und IgD: Aufbau, Funktion und Serologie
Kurz gesagt: Alle Antikörper bestehen aus zwei schweren und zwei leichten Ketten. Die variable Region der Fab-Arme bindet das Antigen, die konstante Region des Fc-Teils bestimmt die Effektorfunktion und damit die Klasse. IgM kommt in der frühen Antwort zuerst, IgG ist im Serum am häufigsten und gelangt über die Plazenta zum Kind, IgA schützt Schleimhäute, IgE bindet an Mastzellen, IgD sitzt vor allem als Rezeptor auf naiven B-Zellen.
Fünf Klassen
Module 12 und 13 im Lernheft
Fab bindet, Fc wirkt
Lernheft Immunologie verstehen18 Module von der Barriere bis zum Immundefekt. Zum passenden Material
Antikörperklassen werden im Physikum gern als Tabelle abgefragt, in der Klinik begegnen sie dir als Serologie. Wer bei einem Röteln- oder Hepatitis-Befund sofort weiß, was ein isoliertes IgM oder ein positives IgG bedeutet, hat das Thema verstanden. Diese Seite verbindet Aufbau, Funktion und Befundinterpretation.
Wie ist ein Antikörper aufgebaut?
Ein monomerer Antikörper hat Y-Form. Zwei identische schwere und zwei identische leichte Ketten sind über Disulfidbrücken verbunden. An den Spitzen der beiden Arme liegen die variablen Regionen beider Ketten, die zusammen die Antigenbindungsstelle bilden. Ein monomerer Antikörper kann deshalb zwei gleiche Epitope binden. Der Stamm, das Fc-Fragment, besteht aus konstanten Abschnitten der schweren Ketten. Er bindet an Fc-Rezeptoren auf Immunzellen oder an Komplement und bestimmt, was nach der Antigenbindung passiert.
Fab: antigenbindendes Fragment mit variabler Region
Fc: konstantes Fragment, legt die Effektorfunktion fest
Klasse: durch die konstante Region der schweren Kette bestimmt
Produzent und Produkt trennen: Plasmazellen bilden Antikörper, Antikörper sind lösliche Proteine und keine Zellen
Welche Aufgaben haben die einzelnen Klassen?
Klasse
Form und Vorkommen
Hauptfunktion
Prüfungsdetail
IgM
Sezerniert als Pentamer, als Monomer auf B-Zellen
Frühe Antwort, starke Komplementaktivierung
Nicht plazentagängig, Isohämagglutinine des AB0-Systems
Plazentagängig über den neonatalen Fc-Rezeptor, Nestschutz
IgA
Im Serum meist Monomer, an Schleimhäuten Dimer mit sekretorischer Komponente
Schutz der Schleimhäute durch Neutralisation
In Muttermilch, IgA-Mangel häufigster primärer Immundefekt
IgE
Monomer, im Serum nur in Spuren, gebunden an Mastzellen und Basophile
Abwehr von Helminthen, Sofortreaktion
Typ-I-Überempfindlichkeit, Anaphylaxie
IgD
Monomer, vor allem auf naiven B-Zellen
Antigenrezeptor neben IgM
Im Serum kaum relevant
Die häufige Verwechslung aus dem Lernheft lautet: Eine Klasse ist nicht ausschließlich einer Krankheit zugeordnet. IgE ist nicht nur Allergie, IgA nicht nur Darm. Entscheidend ist die Effektorfunktion, die der Fc-Teil vermittelt.
Was bedeutet der Klassenwechsel?
Jede B-Zelle beginnt mit IgM und IgD. Mit T-Zell-Hilfe und je nach Zytokinmilieu kann sie die konstante Region ihrer schweren Kette wechseln, etwa zu IgG unter Interferon-γ, zu IgE unter IL-4 oder zu IgA unter TGF-β an Schleimhäuten. Die variable Region bleibt dabei erhalten, die Antigenspezifität also auch. Der Klassenwechsel ändert die Funktion, ohne das Ziel zu wechseln.
Wie liest du IgM und IgG in der Serologie?
Als Faustregel gilt: Spezifisches IgM spricht für eine frische oder kürzlich abgelaufene Infektion, spezifisches IgG für eine durchgemachte Infektion oder eine Impfung, sofern es nicht im Verlauf deutlich ansteigt. Diese Regel hat Grenzen. IgM kann länger nachweisbar bleiben und unspezifisch positiv sein, und bei manchen Fragestellungen hilft die Avidität des IgG, also die Bindungsstärke, um eine frische von einer älteren Infektion zu trennen. Niedrige Avidität spricht für eine jüngere Infektion, weil die Affinitätsreifung noch nicht abgeschlossen ist.
Typische Kreuzfalle
Bei einem selektiven IgA-Mangel können Antikörper gegen IgA vorliegen. Bluttransfusionen mit IgA-haltigem Plasma können dann schwere anaphylaktische Reaktionen auslösen. In Fragen zu Transfusionszwischenfällen ist das ein bekannter Distraktor.
Wie lernst du die Klassen in einer Reihenfolge?
Lerne die Klassen in der Reihenfolge, in der sie in einer Immunantwort auftauchen. Zuerst die naive B-Zelle mit IgM und IgD als Rezeptoren. Dann die Primärantwort mit sezerniertem IgM. Dann der Klassenwechsel mit T-Zell-Hilfe zu IgG, IgA oder IgE je nach Ort und Zytokin. Zum Schluss die Sekundärantwort, die schneller einsetzt und vor allem hochaffines IgG liefert. So passt jede Tabellenzeile an eine Stelle im Ablauf.
Lernheft 14
Immunologie verstehen
Humorale Abwehr von der B-Zelle bis zur Impfung, jeweils mit Fallfrage, Auflösung und Abrufcheck.
B-Zellen, Plasmazellen und Antikörper
Antikörperklassen und Keimzentrum
Impfprinzip mit aktiver und passiver Immunisierung
IgG. Es wird über den neonatalen Fc-Rezeptor aktiv von der Mutter zum Kind transportiert und sorgt für den Nestschutz in den ersten Lebensmonaten.
2. Welcher Antikörper wird zuerst gebildet?
IgM. Es dominiert die Primärantwort, bevor nach dem Klassenwechsel IgG und andere Klassen folgen.
3. Wo kommt IgA vor?
Vor allem an Schleimhäuten und in Sekreten wie Speichel, Tränen und Muttermilch, dort als Dimer mit sekretorischer Komponente.
4. Was bestimmt die Antikörperklasse?
Die konstante Region der schweren Kette. Sie legt fest, an welche Fc-Rezeptoren oder Komplementfaktoren der Antikörper bindet.
5. Was bedeutet ein positives IgG in der Serologie?
Meist eine durchgemachte Infektion oder eine Impfung. Ein deutlicher Titeranstieg im Verlauf oder eine niedrige Avidität können dagegen auf eine jüngere Infektion hinweisen.
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