Komplementsystem: drei Aktivierungswege, C3 als Knoten und klinische Defekte

Kurz gesagt: Das Komplementsystem ist eine Kaskade von Plasmaproteinen mit drei Aufgaben: Es markiert Ziele für Phagozyten (Opsonierung durch C3b), verstärkt die Entzündung (C3a und C5a) und kann Membranen durchlöchern (Membranangriffskomplex C5b-9). Drei Wege führen dorthin, der klassische, der Lektin- und der alternative Weg. Alle laufen bei C3 zusammen. Regulatorproteine schützen körpereigene Zellen, und ihr Ausfall erklärt mehrere Prüfungsklassiker.

  • Drei Wege, ein Knoten
  • Modul 06 im Lernheft
  • Opsonierung oder Lyse
Lernheft Immunologie verstehen von Medizin Helden – Titelseite
Lernheft Immunologie verstehen18 Module von der Barriere bis zum Immundefekt. Zum passenden Material

Das Komplementsystem schreckt viele wegen der Nummern ab. Dabei musst du für Physikum und Klinik nicht jede Spaltung kennen, sondern drei Startpunkte, einen Knoten, drei Wirkungen und eine Handvoll Regulatoren. Daraus lassen sich die typischen Fragen zu Infektanfälligkeit, Angioödem und Hämolyse ableiten.

Wie wird das Komplement aktiviert?

Weg Auslöser Startmolekül Merkmal
Klassisch Antigen-Antikörper-Komplexe mit IgM oder IgG, auch CRP C1q mit C1r und C1s, danach C4 und C2 Verbindung zur adaptiven Abwehr
Lektinweg Mannosereiche Zuckermuster auf Mikroorganismen Mannose-bindendes Lektin mit assoziierten Proteasen Mustererkennung ohne Antikörper
Alternativ Spontane C3-Aktivierung auf Oberflächen ohne Schutzproteine C3 mit Faktor B, Faktor D und Properdin Verstärkungsschleife für alle Wege

Alle drei Wege bilden eine C3-Konvertase, die C3 in C3a und C3b spaltet. C3b lagert sich auf Oberflächen ab, bildet mit weiteren Faktoren die C5-Konvertase, und aus C5 entstehen C5a und C5b. C5b startet den Membranangriffskomplex aus C5b bis C9. Merke: C3 ist der zentrale Knoten, und Kaskade bedeutet nicht unbegrenzte Aktivierung, sondern kontrollierte Verstärkung.

Welche Wirkungen haben die Spaltprodukte?

  • C3b: Opsonin, erleichtert die Aufnahme durch Phagozyten, hilft beim Abtransport von Immunkomplexen
  • C3a und C5a: Anaphylatoxine, fördern Gefäßdurchlässigkeit und Mastzellaktivierung
  • C5a: starkes Chemotaxin für Neutrophile
  • C5b-9: Membranangriffskomplex, wichtig vor allem gegen Neisserien

Im Lernheft steht der Vergleich, der hier am meisten hilft: Opsonierung erleichtert die Aufnahme, Lyse greift die Membran an. Für die meisten Bakterien ist die Opsonierung der wichtigere Mechanismus. Die Lyse ist vor allem bei Neisserien unverzichtbar, und das erklärt die Folgen bestimmter Defekte.

Warum braucht Komplement Hemmmechanismen?

Der alternative Weg läuft ständig auf niedrigem Niveau. Ohne Bremsen würde C3b auch auf körpereigenen Zellen landen und dort die Kaskade verstärken. Körpereigene Zellen tragen deshalb Regulatorproteine wie DAF (CD55) und CD59, im Plasma wirken Faktor H und Faktor I, und der C1-Esterase-Inhibitor begrenzt den klassischen Weg. Fällt einer dieser Regulatoren aus, entstehen Krankheitsbilder, die nicht durch zu wenig, sondern durch zu viel Komplement entstehen.

Defekt Leitbild
Frühe klassische Komponenten (C1q, C2, C4) Lupusähnliche Erkrankungen durch gestörten Abtransport von Immunkomplexen
C3 Schwere wiederkehrende Infektionen mit bekapselten Bakterien
Terminale Komponenten (C5 bis C9) Wiederholte Neisserien-Infektionen
C1-Esterase-Inhibitor Hereditäres Angioödem, vermittelt über Bradykinin, kaum Ansprechen auf Antihistaminika
GPI-verankerte Proteine CD55 und CD59 Paroxüsmale nächtliche Hämoglobinurie mit komplementvermittelter Hämolyse
Faktor H Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom

Klinischer Merksatz

Wer Medikamente erhält, die C5 blockieren, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Meningokokken-Infektionen. Deshalb gehört vor Therapiebeginn die Meningokokken-Impfung dazu. Die Logik ist dieselbe wie beim angeborenen terminalen Defekt.

Lernheft 14

Immunologie verstehen

Angeborene Abwehr von der Barriere bis zum Komplement, jeweils mit Fallfrage, Auflösung und Abrufcheck.

  • Barrieren und Mustererkennung
  • Neutrophile, Makrophagen und dendritische Zellen
  • Komplement mit Aktivierung und Regulation

29,90 €

Lernheft ansehen

Häufig gestellte Fragen

1. Welche drei Aktivierungswege hat das Komplement?

Den klassischen Weg über Antigen-Antikörper-Komplexe, den Lektinweg über Zuckermuster auf Mikroorganismen und den alternativen Weg über spontane C3-Aktivierung auf ungeschützten Oberflächen.

2. Was ist die Funktion von C3b?

C3b ist das wichtigste Opsonin. Es markiert Erreger für die Phagozytose und ist Bestandteil der C5-Konvertase.

3. Was sind Anaphylatoxine?

Die kleinen Spaltprodukte C3a und C5a. Sie fördern Entzündung, Gefäßdurchlässigkeit und Mastzellaktivierung; C5a lockt zusätzlich Neutrophile an.

4. Warum führen terminale Komplementdefekte zu Neisserien-Infektionen?

Weil der Membranangriffskomplex für die Abwehr von Neisserien besonders wichtig ist. Fehlt er, können Meningokokken und Gonokokken wiederholt invasive Infektionen verursachen.

5. Was passiert beim Mangel an C1-Esterase-Inhibitor?

Es kommt zum hereditären Angioödem mit wiederkehrenden Schwellungen von Haut und Schleimhäuten. Vermittelt wird es über Bradykinin, nicht über Histamin.

Weiterlesen

Passendes Material

  • Immunologie verstehen

    Wenn du Komplement und angeborene Abwehr mit Fallfragen sicher lernen willst.

    • 18 Module
    • Merkskizzen zum Nachzeichnen
    • Zwei Selbsttests

    29,90 €

    Lernheft ansehen
  • Mikrobiologie Klinikkurs

    Wenn Neisserien und bekapselte Erreger klinisch dazukommen sollen.

    • Klinikkurs fürs M2
    • Erreger, Diagnostik und Therapie
    • Für Prüfung und Station
  • Pathologie Klinikkurs

    Wenn Entzündung, Immunkomplexe und Gewebeschäden dazukommen sollen.

    • Klinikkurs für M2
    • Allgemeine und spezielle Pathologie
    • Modulprüfung und Examen

Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Verbindlich sind die Veröffentlichungen des IMPP, die Approbationsordnung und die Auskünfte deiner Fakultät oder deines Landesprüfungsamts.