Folatweg oder Gyrase: Antibiotika an den Nukleinsäuren

Kurz gesagt: Sulfonamide und Trimethoprim hemmen zwei aufeinanderfolgende Schritte der bakteriellen Folatsynthese. Dadurch werden Nukleotidvorstufen knapp, die DNA kann nicht ausreichend aufgebaut werden. Fluorchinolone greifen dagegen direkt an der Replikation an: Sie hemmen die bakteriellen Topoisomerasen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV, beim Kopieren entstehen DNA-Schäden. Beide Wege enden an der DNA, der Ausgangspunkt ist aber verschieden.

  • Pharmakologie und M2
  • Module Replikation und Nukleinsäuren
  • Bausteine fehlen oder DNA beschädigt?
Lernheft Antibiotika & Bakterien von Medizin Helden
Lernheft Antibiotika & Bakterien18 Module von Zellwand und Ribosom bis Antibiogramm und Therapieprüfung. Zum passenden Material

Antibiotika, die an den Nukleinsäuren ansetzen, werden in Prüfungen gern gegeneinander ausgespielt. Eine Frage beschreibt knappe DNA-Vorstufen bei intakter Topoisomerase, eine andere DNA-Brüche trotz normalem Bausteinangebot. Wer weiß, an welcher Stelle der DNA-Synthese die Substanz eingreift, löst beide Varianten. Die Grundlage dafür ist die Replikation, die du aus der Biochemie kennst.

Was brauchen Bakterien, um DNA zu kopieren?

Die bakterielle Replikation ist wie beim Menschen semikonservativ. Die Helikase öffnet den Doppelstrang, Primer liefern den Startpunkt, die Polymerase verlängert in 5'-3'-Richtung, die Ligase verbindet die Okazaki-Fragmente des Folgestrangs. Damit die Helix sich öffnen lässt, ohne sich davor zu verdrillen, müssen Topoisomerasen Spannung abbauen. Gleichzeitig braucht die Zelle genug Nukleotide. Für die Synthese von Purinen und Thymidin ist Tetrahydrofolat als Überträger von C1-Gruppen nötig.

  • Bausteine: Nukleotide, deren Synthese von Tetrahydrofolat abhängt
  • Entdrillung: DNA-Gyrase und Topoisomerase IV lösen Spannung und trennen Tochterchromosomen
  • Synthese: Polymerase und Ligase bauen den neuen Strang auf
  • Transkription: bakterielle RNA-Polymerase, Ziel von Rifampicin

Welche Wirkstoffe greifen an welchem Schritt an?

Wirkstoff Angriffspunkt Prüfungsrelevanter Zusatz
Sulfonamide (Sulfamethoxazol) Dihydropteroat-Synthase, Konkurrenz mit para-Aminobenzoesäure Menschen nehmen Folat mit der Nahrung auf, daher selektiv
Trimethoprim Bakterielle Dihydrofolatreduktase Kann Kalium und Kreatinin erhöhen, ohne dass die GFR fällt
Cotrimoxazol Beide Schritte nacheinander (sequenzielle Blockade) Mittel der Wahl bei Pneumocystis jirovecii
Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin) DNA-Gyrase und Topoisomerase IV Sehnenschäden, QT-Verlängerung, Chelatbildung mit Magnesium und Kalzium
Metronidazol DNA-Schädigung nach reduktiver Aktivierung Wirkt auf Anaerobier und einige Protozoen
Rifampicin Bakterielle RNA-Polymerase Starker Enzyminduktor, orange Verfärbung von Körperflüssigkeiten

Warum kombiniert man Sulfamethoxazol mit Trimethoprim?

Die beiden Wirkstoffe blockieren zwei Enzyme derselben Synthesekette. Die Dihydropteroat-Synthase steht früh im Weg, die Dihydrofolatreduktase später. Die Kombination wirkt stärker als jede Einzelsubstanz und erschwert die Resistenzentwicklung. Klinisch kennst du Cotrimoxazol als Option bei bestimmten Harnwegsinfekten nach lokaler Resistenzlage, als Mittel der Wahl bei Pneumocystis-Pneumonie und als Prophylaxe bei Immunsuppression. Typische Prüfungsthemen sind Hautreaktionen bis zum Stevens-Johnson-Syndrom, Hyperkaliämie durch eine amiloridähnliche Wirkung von Trimethoprim im Sammelrohr und ein Kreatininanstieg durch gehemmte tubuläre Sekretion.

Kreatinin steigt, GFR nicht unbedingt

Trimethoprim hemmt die tubuläre Sekretion von Kreatinin. Der Serumwert kann leicht steigen, obwohl die glomeruläre Filtration unverändert ist. Diese Verwechslung mit einem akuten Nierenschaden wird gern geprüft und ist auch auf Station relevant.

Was macht Fluorchinolone besonders?

Fluorchinolone hemmen die DNA-Gyrase, die negative Superspiralen einführt, und die Topoisomerase IV, die verkettete Tochterchromosomen trennt. Bei vielen gramnegativen Erregern steht die Gyrase im Vordergrund, bei vielen grampositiven die Topoisomerase IV. Die Hemmung stabilisiert Enzym-DNA-Komplexe, beim Kopieren entstehen Strangbrüche, die Wirkung ist bakterizid. Resistenz entsteht häufig durch Punktmutationen in den Zielenzymen, außerdem über Efflux und Porinverlust.

Wegen schwerer, teils lang anhaltender Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nervensystem sind Fluorchinolone in der EU seit 2019 in ihrer Anwendung eingeschränkt. Sie sollen bei leichten Infektionen nicht eingesetzt werden, wenn Alternativen bestehen. Für das M2 ist dieser Hinweis ebenso wichtig wie der Mechanismus.

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Wie lernst du die Nukleinsäure-Angriffe am schnellsten?

Zeichne die Kette von der para-Aminobenzoesäure über Dihydrofolat und Tetrahydrofolat bis zu den Nukleotiden und daneben die Replikationsgabel mit Helikase, Gyrase und Polymerase. Trage dann die Wirkstoffe an ihrem Platz ein. Ergänze Rifampicin an der RNA-Polymerase und Metronidazol als direkten DNA-Schädiger bei Anaerobiern. Mit diesem Bild beantwortest du die meisten Mechanismusfragen, und die Nebenwirkungen lassen sich als Zusatzinformation an jede Station hängen.

Häufig gestellte Fragen

1. Wo greifen Sulfonamide an?

An der Dihydropteroat-Synthase. Sie konkurrieren mit para-Aminobenzoesäure und hemmen so einen frühen Schritt der bakteriellen Folatsynthese.

2. Warum schadet Trimethoprim menschlichen Zellen kaum?

Trimethoprim bindet die bakterielle Dihydrofolatreduktase deutlich stärker als das menschliche Enzym. Außerdem können menschliche Zellen Folat aus der Nahrung aufnehmen.

3. Was hemmen Fluorchinolone genau?

Die bakterielle DNA-Gyrase und die Topoisomerase IV. Dadurch entstehen bei der Replikation DNA-Strangbrüche.

4. Warum steigt Kalium unter Cotrimoxazol?

Trimethoprim blockiert ähnlich wie Amilorid den epithelialen Natriumkanal im Sammelrohr. Dadurch sinkt die Kaliumsekretion.

5. Welche Rolle spielt Rifampicin in dieser Gruppe?

Rifampicin hemmt die bakterielle RNA-Polymerase und damit die Transkription. Es ist ein starker Enzyminduktor und deshalb für Interaktionen wichtig.

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