Leberhistologie: Portalfeld, Zentralvene und Läppchenmodelle
Kurz gesagt: In der Leber orientierst du dich an zwei Landmarken. Das Portalfeld enthält mehrere Strukturen in Bindegewebe: einen Ast der Pfortader, einen Ast der Leberarterie und einen Gallengang. Die Zentralvene ist ein einzelnes, dünnwandiges Gefäß, in das die Sinusoide münden. Blut fließt vom Portalfeld zur Zentralvene, Galle in die Gegenrichtung.
Modul 13 im Lernheft
Physikum und Pathologie
Blut und Galle gegenläufig
Lernheft Histologie erkennenLeber und Pankreas mit Fallfragen zu Portalfeld, Azini und Inseln. Zum passenden Material
Die Leber sieht im Präparat zunächst wie eine gleichförmige Fläche aus Hepatozyten aus. Sobald du die Portalfelder und Zentralvenen gefunden hast, ordnet sich das Bild. Diese Orientierung brauchst du nicht nur im Testat: In der Pathologie beschreibt man Nekrosen, Verfettung oder Stauung danach, ob sie periportal oder perizentral liegen. Hier lernst du die Landmarken, die drei Läppchenmodelle und ihren klinischen Sinn.
Woran erkennst du Portalfeld und Zentralvene?
Das Portalfeld ist ein dreieckiges Bindegewebsfeld an der Ecke mehrerer Läppchen. Darin liegen typischerweise ein weitlumiger, dünnwandiger Ast der Pfortader, ein kleinerer Ast der Leberarterie mit muskulärer Wand und ein Gallengang mit kubischem Epithel. Diese Kombination wird als Glisson-Trias bezeichnet, dazu kommen Lymphgefäße und Nerven. Die Zentralvene liegt dagegen allein, hat kaum Bindegewebe um sich und erhält sternförmig einmündende Sinusoide.
Merkmal
Portalfeld
Zentralvene
Inhalt
Pfortaderast, Arterienast, Gallengang, Lymphgefäß
Ein einzelnes venöses Gefäß
Bindegewebe
Deutliches Bindegewebsfeld
Kaum Bindegewebe
Sinusoide
Beginnen hier
Münden hier sternförmig
Flussrichtung Blut
Zufluss
Abfluss über Lebervenen
Flussrichtung Galle
Sammelt Galle aus den Kanälchen
Keine Galle
Was bedeuten die drei Läppchenmodelle?
Die Leber hat keine scharf begrenzten Funktionseinheiten. Deshalb gibt es drei Modelle, die jeweils einen anderen Aspekt betonen. Das klassische Leberläppchen ist ein Sechseck mit der Zentralvene in der Mitte und Portalfeldern an den Ecken. Es beschreibt den Blutabfluss. Beim Schwein ist es durch Bindegewebssepten gut abgegrenzt, beim Menschen nicht. Das Portalläppchen ist ein Dreieck mit einem Portalfeld in der Mitte und drei Zentralvenen an den Ecken. Es beschreibt den Gallenabfluss. Der Leberazinus nach Rappaport ist eine rautenförmige Einheit zwischen zwei Portalfeldern und zwei Zentralvenen. Er beschreibt die Blutversorgung und teilt das Gewebe in drei Zonen.
Zone 1, periportal: sauerstoff- und nährstoffreich, viel Glukoneogenese.
Zone 2, intermediär: Übergangsbereich.
Zone 3, perizentral: sauerstoffarm, empfindlich für Hypoxie und bestimmte Toxine.
Was liegt zwischen Hepatozyt und Blut?
Die Sinusoide sind weite Kapillaren mit gefenstertem Endothel und lückenhafter Basalmembran. Zwischen Endothel und Hepatozyten liegt ein schmaler Spaltraum, der Disse-Raum. Dort ragen Mikrovilli der Hepatozyten hinein und tauschen Stoffe mit dem Plasma aus. Im Disse-Raum sitzen außerdem die Ito-Zellen, die Vitamin A speichern und bei chronischer Schädigung zu kollagenbildenden Zellen werden. Sie sind damit zentral für die Entstehung der Leberfibrose. Im Lumen der Sinusoide liegen Kupffer-Zellen, die als ortsständige Makrophagen Partikel und alte Erythrozyten aufnehmen.
Lehrbuchläppchen sind beim Menschen unscharf
Viele Atlanten zeigen Schweineleber, weil die Läppchen dort durch Bindegewebe schön umrandet sind. Im menschlichen Präparat fehlen diese Grenzen. Suche deshalb zuerst die Portalfelder und denke dir die Läppchen um die Zentralvenen herum.
Lernheft
Histologie erkennen
Die Organhistologie der Bauchorgane mit Fallfragen, die genau diese Orientierung trainieren.
Portalfeld, Sinusoide, Zentralvene und Gallenkanälchen
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