Kurz gesagt: Der gesamte Verdauungstrakt hat denselben Grundbau aus Mukosa, Submukosa, Muskularis und Serosa oder Adventitia. Die Abschnitte unterscheidest du an der Schleimhaut: Magen mit Foveolen und Drüsen, Dünndarm mit Zotten, Kolon ohne Zotten mit geraden Krypten und vielen Becherzellen. Zusatzmerkmale wie Brunner-Drüsen im Duodenum oder Peyer-Plaques im Ileum sichern die Diagnose.
Modul 12 im Lernheft
Organhistologie
Zotten oder Krypten
Lernheft Histologie erkennenMagen und Darm, Leber und Pankreas als eigene Module mit Verwechslungspaaren. Zum passenden Material
Im Histologiekurs liegen Magen und Darm oft in mehreren Präparaten nebeneinander, und im Testat bekommst du eines davon ohne Beschriftung. Die Wandschichten sehen auf den ersten Blick überall gleich aus. Den Unterschied macht die Schleimhaut, und zwar ihr Relief, ihre Drüsen und ihre Zelltypen. Diese Seite führt dich vom gemeinsamen Grundbau zu den Merkmalen, die jeden Abschnitt eindeutig machen.
Wie ist die Wand des Verdauungstrakts aufgebaut?
Von innen nach außen folgen vier Schichten. Die Mukosa besteht aus Epithel, Lamina propria und Lamina muscularis mucosae. Die Submukosa ist lockeres Bindegewebe mit Gefäßen und dem Plexus submucosus. Die Muskularis hat meist eine innere Ring- und eine äußere Längsschicht, dazwischen liegt der Plexus myentericus. Außen schließt eine Serosa an, wo das Organ intraperitoneal liegt, sonst eine Adventitia.
Mukosa: Oberfläche, Drüsen und dünne eigene Muskelschicht.
Submukosa: Bindegewebe, in Duodenum und Ösophagus mit eigenen Drüsen.
Muskularis: Transport durch Peristaltik, im Kolon mit Taenien.
Serosa oder Adventitia: Abschluss nach außen, abhängig von der Lage zum Peritoneum.
Welche Merkmale kennzeichnen die einzelnen Abschnitte?
Abschnitt
Schleimhaut
Leitmerkmal
Ösophagus
Mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel
Muköse Drüsen in der Submukosa, Muskulatur oben quergestreift
Magen Korpus und Fundus
Einschichtiges hochprismatisches Epithel, flache Foveolen, lange Drüsenschläuche
Eosinophile Belegzellen und basophile Hauptzellen in den Drüsen
Magen Antrum
Tiefe Foveolen, kurze muköse Drüsen
Kaum Belegzellen, gastrinbildende G-Zellen
Duodenum
Zotten und Krypten
Brunner-Drüsen in der Submukosa
Jejunum
Hohe, schlanke Zotten auf Kerckring-Falten
Ausgeprägte Falten, wenig lymphatisches Gewebe
Ileum
Kürzere Zotten, mehr Becherzellen
Peyer-Plaques bis in die Submukosa
Kolon
Keine Zotten, gerade, tiefe Krypten
Sehr viele Becherzellen, Taenien in der Längsmuskulatur
Wie unterscheidest du Dünndarm und Kolon zuverlässig?
Die Zotten sind das stärkste Merkmal. Der Dünndarm vergrößert seine Oberfläche dreifach: durch Kerckring-Falten, durch Zotten und durch den Mikrovillisaum der Enterozyten. Das Kolon resorbiert vor allem Wasser und Elektrolyte und hat keine normalen Zotten. Seine Krypten stehen dicht und parallel wie Reagenzgläser in einem Ständer, ihre Wand ist voller Becherzellen. Am Grund der Dünndarmkrypten findest du außerdem Paneth-Zellen mit eosinophilen Granula, die im gesunden Kolon fehlen.
Vorsicht bei schrägen Anschnitten. Wird eine Dünndarmschleimhaut tangential getroffen, erscheinen Zotten als isolierte Inseln, die man für Krypten halten kann. Umgekehrt können Schleimhautfalten im Kolon zottenartig wirken. Kombiniere deshalb immer mehrere Merkmale.
Was macht die Magenschleimhaut besonders?
In Korpus und Fundus liegen lange, gerade Drüsenschläuche dicht an dicht. Die großen, rosa gefärbten Belegzellen bilden Salzsäure und Intrinsic Factor, die kleineren, blau-violetten Hauptzellen sitzen eher am Drüsengrund und bilden Pepsinogen. Die Oberfläche ist mit schleimbildendem Epithel bedeckt, das die Wand vor der Säure schützt. Im Antrum sind die Foveolen tiefer und die Drüsen kurz und mukös. Wer im Testat Magen erkennt, sollte also noch sagen, ob es sich um Korpus oder Antrum handelt.
Klinischer Bezug
Bei der Zöliakie flachen die Dünndarmzotten ab, die Krypten werden tiefer. Ein solches Bild kann dann kolonähnlich wirken. Im Normalpräparat des Kurses gilt trotzdem: Zotten sprechen für Dünndarm, ihr Fehlen bei geraden Krypten für Kolon. In der Pathologie wird diese Unterscheidung wieder wichtig.
Lernheft
Histologie erkennen
Organhistologie mit klaren Unterscheidungspaaren: Magen und Darm, Leber, Pankreas, Lunge, Niere und lymphatische Organe.
Mukosa, Submukosa, Muskularis und Serosa
Dünndarm gegen Kolon als Fallfrage
Beschriftung aus dem Gedächtnis mit Selbstkontrolle
An Zotten in der Schleimhaut und an den Brunner-Drüsen in der Submukosa. Diese mukösen Drüsen kommen in keinem anderen Darmabschnitt in dieser Form vor.
2. Was sind Peyer-Plaques?
Ansammlungen von Lymphfollikeln in der Schleimhaut und Submukosa des Ileums. Sie gehören zum darmassoziierten lymphatischen Gewebe.
3. Hat das Kolon Zotten?
Nein, normales Kolon hat keine Zotten. Es besitzt gerade, tiefe Krypten mit sehr vielen Becherzellen.
4. Wie unterscheide ich Haupt- und Belegzellen?
Belegzellen sind groß, rundlich und eosinophil, Hauptzellen kleiner und basophil. Belegzellen liegen eher im oberen und mittleren, Hauptzellen eher im unteren Drüsenabschnitt.
5. Wozu dienen Paneth-Zellen?
Sie liegen am Grund der Dünndarmkrypten und geben antimikrobielle Proteine wie Lysozym und Defensine ab. Ihre Granula färben sich eosinophil.
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