Niere als endokrines Organ: Renin, Erythropoetin und Calcitriol
Kurz gesagt: Die Niere bildet drei Hormone oder Hormonvorstufen mit Fernwirkung. Renin aus den juxtaglomerulären Zellen startet das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System. Erythropoetin aus peritubulären Fibroblasten der Rinde steuert die Erythrozytenbildung. Die 1-alpha-Hydroxylase im proximalen Tubulus aktiviert Vitamin D zu Calcitriol. Bei chronischer Nierenkrankheit fallen EPO und Calcitriol aus, daraus entstehen renale Anämie und Störungen des Mineral- und Knochenstoffwechsels.
Drei Hormonachsen
Physikum und CKD
Systemische Folgen
Lernheft Akutes Nierenversagen & Elektrolyte18 Module mit Fallfragen, Merkskizzen und Selbsttest. Zum passenden Material
Die Niere wird im Studium zuerst als Filter- und Ausscheidungsorgan gelernt. Ihre endokrine Seite taucht oft verstreut auf: Renin in der Blutdruckregulation, Erythropoetin in der Hämatologie, Calcitriol im Kalziumhaushalt. Für Prüfungen lohnt es sich, die drei Achsen zusammen zu lernen, weil sie bei chronischer Nierenkrankheit gleichzeitig gestört sind. Das erklärt, warum ein Dialysepatient Anämie, Hypertonie, Knochenveränderungen und Gefäßverkalkungen zusammen haben kann.
Wo werden die Hormone gebildet und was löst sie aus?
Hormon
Bildungsort
Reiz
Wirkung
Renin
juxtaglomeruläre Zellen im Vas afferens
sinkender Perfusionsdruck, wenig NaCl an der Macula densa, Sympathikus über Beta-1-Rezeptoren
spaltet Angiotensinogen, startet Angiotensin II und Aldosteron
Erythropoetin
peritubuläre interstitielle Fibroblasten der Nierenrinde
Gewebehypoxie, vermittelt über HIF
fördert Überleben und Reifung erythroider Vorläuferzellen im Knochenmark
Calcitriol
proximaler Tubulus durch 1-alpha-Hydroxylase
Parathormon und niedriges Phosphat steigern, FGF23 hemmt
steigert Kalzium- und Phosphataufnahme im Darm und hemmt die PTH-Bildung
Warum entsteht bei chronischer Nierenkrankheit eine Anämie?
Mit dem Verlust funktionsfähigen Nierengewebes wird zu wenig Erythropoetin gebildet, gemessen am Grad der Anämie. Die Erythropoese sinkt, typischerweise entsteht eine normochrome, normozytäre Anämie mit niedriger Retikulozytenzahl. Daneben tragen weitere Faktoren bei: Eisenmangel durch Blutverluste und gestörte Aufnahme, ein erhöhter Hepcidinspiegel bei Entzündung, eine verkürzte Erythrozytenlebensdauer und Mangel an Folat oder Vitamin B12. In Prüfungen lautet der Fehler deshalb oft: Die Anämie wird automatisch als renal eingeordnet, ohne Eisenstatus und andere Ursachen zu prüfen.
Morphologie: meist normochrom und normozytär, eine Mikrozytose lenkt an Eisenmangel
Retikulozyten: niedrig im Verhältnis zur Anämie, weil der Antrieb fehlt
Eisenstatus: Ferritin und Transferrinsättigung vor einer Therapie mit erythropoesestimulierenden Mitteln klären
Andere Ursachen: Blutung, Hämolyse, Vitaminmangel und Knochenmarkerkrankungen nicht übersehen
Lernheft 23
Akutes Nierenversagen & Elektrolyte
Exokrine und endokrine Nierenfunktion mit Fallfragen und Beschriftungsübung.
Renin, Erythropoetin, Calcitriol und systemische Folgen
Kalzium, Albumin und ionisierte Fraktion
Zeitverlauf: akute Schädigung gegen chronische Erkrankung
Sinkt der Perfusionsdruck im Vas afferens oder meldet die Macula densa zu wenig Salz, setzen die juxtaglomerulären Zellen Renin frei. Renin spaltet Angiotensinogen aus der Leber zu Angiotensin I, das Angiotensin-Converting-Enzym vor allem in der Lunge bildet daraus Angiotensin II. Angiotensin II verengt Gefäße, verengt bevorzugt das Vas efferens, setzt Aldosteron und ADH frei und steigert den Durst. Bei einer Nierenarterienstenose ist die betroffene Niere minderdurchblutet und setzt vermehrt Renin frei, es entsteht eine renovaskuläre Hypertonie. Hier wird verständlich, warum ACE-Hemmer bei beidseitiger Stenose die Filtration stark senken können.
Akut oder chronisch?
Kleine, schmale Nieren in der Sonografie, eine bekannte renale Anämie und ein sekundärer Hyperparathyreoidismus sprechen für eine länger bestehende Nierenerkrankung. Eine chronische Einschränkung schützt aber nicht vor einer zusätzlichen akuten Verschlechterung, die gegen den eigenen Ausgangswert beurteilt wird.
Häufig gestellte Fragen
1. Welche Zellen bilden Erythropoetin?
Peritubuläre interstitielle Fibroblasten in der Nierenrinde. Sie reagieren auf Gewebehypoxie, die über den Transkriptionsfaktor HIF die EPO-Bildung steigert. Ein kleiner Anteil stammt aus der Leber.
2. Wo wird Vitamin D aktiviert?
In zwei Schritten: Die Leber bildet 25-Hydroxy-Vitamin-D, der proximale Tubulus der Niere daraus mit der 1-alpha-Hydroxylase das aktive 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D, also Calcitriol.
3. Ist jede Anämie bei Nierenkranken renal bedingt?
Nein. Eisenmangel, Blutverluste, Entzündung, Vitaminmangel und Hämolyse kommen häufig hinzu oder sind die eigentliche Ursache. Sie werden vor der Diagnose einer renalen Anämie geprüft.
4. Was reguliert FGF23?
FGF23 wird von Osteozyten gebildet. Es steigert die renale Phosphatausscheidung und hemmt die Calcitriolbildung. Bei chronischer Nierenkrankheit steigt es früh an.
5. Warum ist Renin bei Herzinsuffizienz erhöht?
Das verminderte Herzzeitvolumen senkt den Perfusionsdruck der Niere und aktiviert den Sympathikus. Beides steigert die Reninfreisetzung, was Volumen- und Natriumretention fördert und die Herzinsuffizienz langfristig verschlechtern kann.
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