Freie oder gedeckte Perforation: was freie Luft bedeutet

Kurz gesagt: Bei einer freien Perforation gelangen Luft und Darminhalt in die freie Bauchhöhle, es drohen diffuse Peritonitis und Sepsis. Bei einer gedeckten Perforation begrenzen Nachbarorgane oder das Omentum das Leck, es entsteht eher ein lokaler Abszess mit wenig oder gar keiner freien Luft. Freie Luft allein ist kein Beweis für ein neues Leck: Nach einer Bauchoperation ist sie für einige Tage zu erwarten.

  • Frei oder gedeckt
  • CT ist am sensitivsten
  • Zeitpunkt nach OP beachten
Lernheft Akutes Abdomen & Chirurgie – Titelseite der Medizin-Helden-Studienausgabe
Lernheft Akutes Abdomen & ChirurgieModul 07 vergleicht freie und gedeckte Perforation. Zum passenden Material

„Freie Luft unter dem Zwerchfell“ ist einer der bekanntesten Befunde der Radiologie und in Prüfungen ein beliebter Auslöser für schnelle, aber falsche Antworten. Wer den Befund richtig liest, fragt drei Dinge: Wie viel Luft ist es, wann wurde zuletzt operiert und passt die Klinik dazu? Diese Seite zeigt, wie du freie und gedeckte Perforation unterscheidest und welche Ursachen in Fallfragen typischerweise dahinterstecken.

Was passiert bei einer freien Perforation?

Reißt die Wand eines Hohlorgans durch, treten Luft, Verdauungssäfte und je nach Ort auch Bakterien in die Bauchhöhle aus. Das parietale Peritoneum wird großflächig gereizt. Klinisch beginnt das oft schlagartig mit heftigstem Schmerz, der sich rasch über den ganzen Bauch ausbreitet. Der Bauch wird bretthart, Bewegung und Erschütterung verstärken den Schmerz, die Patientin oder der Patient liegt still. Im Verlauf kommen Fieber, Tachykardie und Zeichen der Sepsis hinzu.

  • Ulkusperforation: plötzlicher Oberbauchschmerz, oft NSAR-Einnahme oder bekannte Ulkuskrankheit
  • Divertikelperforation: ältere Menschen, vorher Schmerzen im linken Unterbauch
  • Appendixperforation: nach längerem Verlauf, Schmerz kann kurzzeitig nachlassen
  • Iatrogen: nach Endoskopie oder Operation

Wie unterscheidest du freie und gedeckte Perforation?

Merkmal Freie Perforation Gedeckte Perforation
Ausbreitung Inhalt in der freien Bauchhöhle Durch Omentum oder Nachbarorgane begrenzt
Klinik Diffuse Peritonitis, brettharter Bauch Umschriebener Schmerz, Fieber, tastbare Resistenz
Bildgebung Freie Luft, oft größere Mengen, freie Flüssigkeit Lokale Kollektion, Luftblasen am Darm, wenig freie Luft
Typisches Vorgehen Notfalloperation Oft konservativ oder Drainage, je nach Befund

Welche Bildgebung zeigt freie Luft?

Die CT ist am empfindlichsten und zeigt auch kleine Luftmengen sowie die wahrscheinliche Perforationsstelle. Die Abdomenübersicht im Stehen oder in Linksseitenlage kann größere Luftmengen unter dem Zwerchfell oder an der Leber zeigen, ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Perforation aber nicht aus. Auch die Sonographie kann freie Luft und freie Flüssigkeit Hinweise geben. Entscheidend bleibt der Zusammenhang mit der Klinik.

Lernheft 25

Akutes Abdomen & Chirurgie

Perforation, Divertikulitis und postoperativer Verlauf mit Fall, Lösung und Gegenfall.

  • Modul 07: freie und gedeckte Perforation
  • Modul 13: komplizierte Divertikulitis
  • Modul 17: Verlauf nach OP

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Warum fehlt bei gedeckter Perforation oft die freie Luft?

Bei langsam entstehenden Lecks hat der Körper Zeit, die Stelle abzudichten. Das große Netz legt sich an, Darmschlingen verkleben, es bildet sich eine Phlegmone oder ein Abszess. Typisch ist das bei der Divertikulitis und der Appendizitis. In der CT zeigen sich dann eine Flüssigkeitskollektion neben entzündetem Darm und einzelne Luftbläschen, aber kein großes Luftdepot. Eine Perforation ist damit nicht ausgeschlossen, sie ist nur begrenzt.

Zwei Fallen in einer Frage

„Keine freie Luft, also keine Perforation“ und „Freie Luft, also sofort operieren“ sind beide zu kurz gedacht. Menge, Zeitpunkt, Klinik und Verlauf bestimmen die Bedeutung des Befunds.

Häufig gestellte Fragen

1. Was ist eine gedeckte Perforation?

Ein Wanddefekt eines Hohlorgans, dessen Leck durch Omentum oder Nachbarorgane begrenzt wird. Es entstehen eher Phlegmone oder Abszess als eine diffuse Peritonitis.

2. Wie lange ist freie Luft nach einer Operation normal?

Nach Bauchoperationen kann für einige Tage freie Luft nachweisbar sein. Abnehmende Mengen bei guter Klinik sind unauffällig, zunehmende Luft oder neue Beschwerden sprechen für eine Komplikation.

3. Welche Untersuchung ist am empfindlichsten?

Die CT des Abdomens. Sie zeigt auch kleine Luftmengen, Kollektionen und oft die wahrscheinliche Perforationsstelle.

4. Schließt ein unauffälliges Röntgenbild eine Perforation aus?

Nein. Kleine Luftmengen und gedeckte Perforationen werden im konventionellen Röntgen häufig nicht erkannt. Bei passendem Verdacht folgt die CT.

5. Welche Perforationen sind in Prüfungen am häufigsten?

Die Ulkusperforation, die Perforation bei Divertikulitis und die Appendixperforation. Dazu kommen iatrogene Perforationen nach Endoskopie oder Operation.

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