Plazenta: Aufbau, Austausch und Hormone für Physikum und Klinik
Kurz gesagt: Die Plazenta verbindet mütterliche und fetale Versorgung über eine Austauschbarriere. Mütterliches Blut umspült im intervillösen Raum die Zotten, in denen fetale Kapillaren verlaufen. Beide Kreisläufe mischen sich normalerweise nicht. Stoffe gelangen durch Diffusion und Transportmechanismen über die Barriere. Zusätzlich ist die Plazenta ein Hormonorgan, das hCG, Progesteron und Estrogene bildet.
Physikum und M2
Austausch und Hormone
Barriere ist kein Vollschutz
Lernheft Gynäkologie & SchwangerschaftPlazenta und Plazentablutung als Modulpaar. Zum passenden Material
Die Plazenta ist ein Organ, das nur neun Monate existiert und trotzdem in Physiologie, Embryologie, Pharmakologie und Geburtshilfe vorkommt. Im Physikum wird ihr Aufbau und der Stoffaustausch gefragt, im M2 die Folgen gestörter Plazentation wie Präeklampsie, Wachstumsrestriktion oder Blutungen. Diese Seite fasst zusammen, was du in beiden Abschnitten brauchst.
Wie ist die Plazenta aufgebaut?
Baustein
Lage und Funktion
Merksatz
Mütterlicher Anteil
Intervillöser Raum, gespeist aus den Spiralarterien
Mütterliches Blut umspült die Zotten
Fetaler Anteil
Chorionzotten mit fetalen Kapillaren
Fetales Blut fließt in den Zottengefäßen
Barriere
Synzytiotrophoblast, Basalmembranen und Kapillarendothel
Erhalt der Schwangerschaft und Stoffwechselanpassung
Wie kann ein Stoff übertreten, ohne dass sich das Blut mischt?
Die Kreisläufe liegen nah beieinander, sind aber durch die Plazentaschranke getrennt. Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid diffundieren entlang ihres Partialdruckgefälles. Glucose wird erleichtert über Transporter aufgenommen, Aminosäuren aktiv transportiert. IgG-Antikörper werden per Transzytose über einen Rezeptor übertragen und schützen das Neugeborene in den ersten Monaten. Große Moleküle wie IgM passieren die Barriere dagegen nicht.
Nähe
Stoffaustausch über eine dünne Barriere
Diffusion, Transporter, Transzytose
Effizient durch große Zottenoberfläche
Trennung
Getrennte Kreisläufe
Keine freie Blutmischung
Kleine Mengen fetaler Zellen können trotzdem übertreten
Barriere bedeutet nicht vollständiger Schutz
Viele Medikamente, Alkohol und einige Erreger passieren die Plazenta. Deshalb ist die Medikamentenauswahl in der Schwangerschaft eingeschränkt. Bei der Geburt oder bei Blutungen können fetale Erythrozyten in den mütterlichen Kreislauf gelangen, was für die Rhesus-Prophylaxe relevant ist.
Grundlage und Komplikation
Gynäkologie & Schwangerschaft
Das Grundlagenmodul Plazenta steht direkt neben dem klinischen Vergleich Placenta praevia gegen vorzeitige Plazentalösung.
hCG: erhält in der Frühschwangerschaft das Corpus luteum, Grundlage des Schwangerschaftstests
Progesteron: übernimmt ab etwa dem Ende des ersten Trimenons die Hauptproduktion, stellt den Uterus ruhig
Estrogene: fördern Uteruswachstum und Durchblutung, Synthese gemeinsam mit der fetalen Nebenniere
Humanes Plazentalaktogen: trägt zur Insulinresistenz der Mutter bei und sichert so Glucose für den Fetus
Der letzte Punkt verbindet die Plazenta mit dem Gestationsdiabetes: Die physiologische Insulinresistenz im Verlauf der Schwangerschaft ist zum Teil plazentar bedingt. Reicht die Insulinsekretion nicht aus, um sie zu kompensieren, steigt die Glucose.
Welche klinischen Probleme gehen von der Plazenta aus?
Liegt die Plazenta über dem inneren Muttermund, spricht man von Placenta praevia, typisch ist eine schmerzlose Blutung. Löst sie sich vorzeitig ab, entstehen Schmerzen, ein harter Uterus und eine Gefährdung des Fetus, während das Blut retroplazentar verborgen bleiben kann. Eine gestörte Umwandlung der Spiralarterien in der Frühschwangerschaft gilt als zentraler Faktor in der Entstehung der Präeklampsie.
Häufig gestellte Fragen
1. Mischen sich mütterliches und fetales Blut in der Plazenta?
Normalerweise nicht frei. Die Kreisläufe sind durch die Plazentaschranke getrennt, kleine Übertritte fetaler Zellen kommen aber vor.
2. Wie gelangt Sauerstoff zum Fetus?
Durch Diffusion entlang des Partialdruckgefälles vom intervillösen Raum in die fetalen Kapillaren.
3. Welche Antikörper passieren die Plazenta?
IgG wird aktiv übertragen. IgM ist zu groß und passiert die Barriere nicht.
4. Ab wann übernimmt die Plazenta die Progesteronbildung?
Etwa zum Ende des ersten Trimenons, vorher erhält hCG das Corpus luteum.
5. Was ist der Unterschied zwischen Placenta praevia und Plazentalösung?
Placenta praevia beschreibt eine Lage über dem inneren Muttermund mit typischerweise schmerzloser Blutung. Die vorzeitige Lösung ist eine Ablösung mit Schmerzen und fetaler Gefährdung.
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