Pylorusstenose beim Säugling: nichtgalliges Erbrechen, Alkalose und Sonografie
Kurz gesagt: Die hypertrophe Pylorusstenose ist eine Magenausgangsenge des jungen Säuglings, typischerweise in den ersten Lebenswochen. Weil die Engstelle vor dem Gallezufluss liegt, ist das Erbrechen nichtgallig, oft zunehmend schwallartig. Der Verlust von Magensäure führt zu einer hypochlorämischen, hypokaliämischen metabolischen Alkalose. Die Diagnose sichert die Sonografie, operiert wird erst nach Ausgleich von Flüssigkeit und Elektrolyten.
Meist 3. bis 6. Lebenswoche
Module 09 und 10
Gallig = andere Ursache
Lernheft PädiatrieErbrechen im Vergleich, dazu das Grundlagenmodul metabolische Alkalose. Zum passenden Material
Die Pylorusstenose ist ein Lieblingsthema in Prüfungen, weil sie Anatomie, Säure-Basen-Haushalt und Klinik in einem Fall verbindet. Wer die Lage der Engstelle verstanden hat, kann Farbe des Erbrochenen, Blutgasanalyse und Therapieablauf ableiten, statt sie auswendig zu lernen. Auf dieser Seite geht es um genau diese Ableitung und um die Abgrenzung zum galligen Erbrechen, das eine andere Dringlichkeit hat.
Wie zeigt sich eine Pylorusstenose?
Die Ringmuskulatur des Pylorus verdickt sich in den ersten Lebenswochen zunehmend. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Die Kinder trinken zunächst normal, beginnen dann nach den Mahlzeiten zu erbrechen, mit der Zeit kräftiger und schwallartig. Typisch ist der hungrige Säugling, der direkt nach dem Erbrechen wieder trinken will.
Erbrechen: nichtgallig, nach der Mahlzeit, zunehmend schwallartig
Verhalten: hungrig, unruhig, trinkt gierig nach
Verlauf: Gewichtsstillstand oder -abnahme, weniger nasse Windeln
Untersuchung: gelegentlich sichtbare Magenperistaltik, tastbare olivenförmige Resistenz im Oberbauch
Labor: hypochlorämische, hypokaliämische metabolische Alkalose bei längerem Verlauf
Warum entsteht dabei eine metabolische Alkalose?
Mit jeder Portion Erbrochenem verliert das Kind Salzsäure, also Protonen und Chlorid. Für jedes Proton, das die Belegzellen in den Magen abgeben, gelangt ein Bicarbonat ins Blut. Fehlt die Säure im Duodenum, wird auch weniger Bicarbonat aus dem Pankreas verbraucht. Das Ergebnis ist ein Basenüberschuss.
Das Lernheft trennt dabei bewusst Entstehung und Aufrechterhaltung. Entstanden ist die Alkalose durch den Säureverlust. Aufrechterhalten wird sie, weil die Niere bei Volumen- und Chloridmangel Natrium und Wasser zurückhält und dabei Bicarbonat nicht ausreichend ausscheiden kann. Aldosteron fördert zugleich die Ausscheidung von Kalium und Protonen. So kann im Spätstadium trotz Alkalose ein saurer Urin entstehen, die sogenannte paradoxe Azidurie.
Merkmal
Pylorusstenose
Distale Obstruktion, z. B. Malrotation mit Volvulus
Lage der Engstelle
Magenausgang, vor der Papille
Jenseits der Papille
Farbe des Erbrochenen
Nichtgallig, milchig
Gallig, grün
Typisches Alter
Junger Säugling, erste Lebenswochen
Oft Neugeborene, aber jedes Alter möglich
Dringlichkeit
Dringlich, aber erst Stabilisierung
Zeitkritisch wegen drohender Darmischämie
Erste Diagnostik
Sonografie des Pylorus
Sofortige kinderchirurgische Abklärung, Sonografie oder Kontrastdarstellung
Lernheft 29
Pädiatrie: häufige Krankheitsbilder
Klinik und Vorklinik nebeneinander: zu jedem Fall die Grundlage, die den Befund erklärt.
Wie wird die Pylorusstenose diagnostiziert und behandelt?
Die Sonografie zeigt den verdickten und verlängerten Pylorusmuskel und ist die Methode der Wahl. Eine Röntgen-Kontrastdarstellung ist meist nicht nötig. Vor der Operation werden Volumenmangel, Alkalose und Hypokaliämie ausgeglichen, weil eine Narkose bei ausgeprägter Alkalose das Risiko postoperativer Apnoen erhöht. Die Pylorusstenose ist also dringlich, aber kein Notfall für den sofortigen Schnitt.
Die Behandlung ist die Pyloromyotomie nach Weber-Ramstedt, heute häufig laparoskopisch. Dabei wird die verdickte Muskulatur längs bis auf die Schleimhaut gespalten. Die Kinder können meist rasch wieder trinken, die Prognose ist sehr gut.
Grünes Erbrechen ist ein anderer Fall
Wenn ein Neugeborenes gallig erbricht, passt die klassische Pylorusstenose nicht, weil die Engstelle vor dem Gallezufluss liegt. Galliges Erbrechen erfordert die dringliche Abklärung einer intestinalen Obstruktion, vor allem einer Malrotation mit Volvulus.
Häufig gestellte Fragen
1. Warum ist das Erbrechen bei Pylorusstenose nicht gallig?
Weil die Engstelle am Magenausgang liegt, also vor der Papille, an der die Galle ins Duodenum mündet. Galle kann deshalb nicht in den Magen zurückfließen.
2. Welche Laborkonstellation ist typisch?
Eine hypochlorämische, hypokaliämische metabolische Alkalose. Sie entsteht durch den Verlust von Salzsäure und wird durch Volumen- und Chloridmangel aufrechterhalten.
3. Was ist eine paradoxe Azidurie?
Ein saurer Urin trotz metabolischer Alkalose. Bei ausgeprägtem Volumen- und Kaliummangel scheidet die Niere unter Aldosteroneinfluss vermehrt Protonen aus, obwohl das Blut alkalisch ist.
4. Wird sofort operiert?
Nein. Zuerst werden Flüssigkeitsdefizit und Elektrolytstörungen ausgeglichen. Erst danach folgt die Pyloromyotomie nach Weber-Ramstedt.
5. Wo übe ich das Thema im Lernheft?
Im Modul 09 Erbrechen mit Fall zum galligen Erbrechen und Gegenfall zur Pylorusstenose sowie im Grundlagenmodul 10 Metabolische Alkalose.
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