Fachbegriffe und Abkürzungen im Rettungsdienst: Das Glossar für den Einstieg

In den ersten Diensten kostet nicht die Medizin die meiste Energie, sondern die Sprache. Funkverkehr, Übergabe und Einsatzprotokoll bestehen zu großen Teilen aus Abkürzungen und Schemata, die niemand erklärt, weil sie für alle anderen selbstverständlich sind. Dieses Glossar bündelt die Begriffe, die in der Rettungssanitäter-Ausbildung und im Einsatzalltag ständig vorkommen – geordnet nach Einsatzstruktur, Untersuchungsschemata, Medizin und Dokumentation.

Auf einen Blick

  • Einsatzstruktur: RTW, KTW, NEF, NAW, ILS, RTH, MANV.
  • Schemata: ABCDE, xABCDE, SAMPLER, OPQRST, BEFAST, GCS.
  • Übergabe: nach festem Schema – wer, was, wann, Befund, Maßnahmen.
  • Regional unterschiedlich: Statusmeldungen und Rufnamen – immer lokal einlesen.
  • Grundregel: unklare Abkürzung nachfragen, nicht raten.

Einsatzmittel und Organisation

  • RTW – Rettungswagen, Standardfahrzeug der Notfallrettung
  • KTW – Krankentransportwagen, für planbare Transporte
  • NEF – Notarzteinsatzfahrzeug, bringt die Notarztbesetzung im Rendezvous-System zum Einsatzort
  • NAW – Notarztwagen, RTW mit Notarztbesetzung an Bord
  • RTH – Rettungshubschrauber, ITH – Intensivtransporthubschrauber
  • ILS / Leitstelle – Integrierte Leitstelle, disponiert Einsatzmittel
  • MANV – Massenanfall von Verletzten; LNA und OrgL übernehmen dort die medizinische beziehungsweise organisatorische Leitung
  • RS / RettSan, NotSan, RH – Qualifikationsstufen im Rettungsdienst

Untersuchungs- und Anamneseschemata

ABCDE ist die strukturierte Erstuntersuchung: Airway (Atemweg), Breathing (Belüftung), Circulation (Kreislauf), Disability (neurologisches Defizit), Exposure oder Environment (Entkleiden und Umgebung). Die Reihenfolge ist verbindlich – ein Problem in A wird behandelt, bevor B untersucht wird. In der Traumaversorgung wird häufig xABCDE verwendet, wobei das vorangestellte x für die Kontrolle kritischer Blutungen steht.

SAMPLER strukturiert die Anamnese: Symptome, Allergien, Medikamente, Patientenvorgeschichte, letzte Mahlzeit, Ereignis, Risikofaktoren. OPQRST beschreibt Schmerz: Onset (Beginn), Provokation, Qualität, Region und Ausstrahlung, Severity (Stärke), Time (zeitlicher Verlauf).

GCS – Glasgow Coma Scale, bewertet Augenöffnen, verbale und motorische Reaktion mit 3 bis 15 Punkten. BEFAST dient der Schlaganfallerkennung: Balance, Eyes, Face, Arms, Speech, Time. Ausführlich beschrieben sind die Schemata unter ABCDE-Schema und SAMPLER und OPQRST.

Medizinische Abkürzungen im Einsatz

  • RR – Blutdruck nach Riva-Rocci; HF – Herzfrequenz; AF – Atemfrequenz
  • SpO₂ – periphere Sauerstoffsättigung; BZ – Blutzucker; Temp – Körpertemperatur
  • ACS – akutes Koronarsyndrom; STEMI und NSTEMI – Infarkttypen im EKG
  • COPD – chronisch obstruktive Lungenerkrankung; SHT – Schädel-Hirn-Trauma
  • ROSC – Rückkehr eines Spontankreislaufs nach Reanimation
  • CPR / BLS / ALS – Herz-Lungen-Wiederbelebung, Basis- und erweiterte Maßnahmen
  • i.v., i.o., i.m., s.c. – Applikationswege: venös, intraossär, in den Muskel, unter die Haut
  • AZ – Allgemeinzustand; V.a. – Verdacht auf; Z.n. – Zustand nach

Vertiefend: EKG-Grundlagen, Reanimation nach aktuellen Leitlinien und Notfallmedikamente im Rettungsdienst.

Dokumentation und Übergabe

Das Einsatzprotokoll ist ein rechtlich relevantes Dokument. Was nicht dokumentiert ist, gilt im Zweifel als nicht durchgeführt – das betrifft Messwerte mit Uhrzeit, durchgeführte Maßnahmen, verabreichte Medikamente und den Verlauf. Bei der Übergabe in der Klinik hat sich ein festes Schema bewährt: Wer ist die Patientin oder der Patient, was ist passiert, welche Beschwerden bestehen, welcher Befund wurde erhoben, welche Maßnahmen wurden ergriffen und wie war die Reaktion darauf. Wichtig ist die Reihenfolge – sie erlaubt dem aufnehmenden Team, mitzudenken statt nachzufragen. Mehr dazu unter Kommunikation im Einsatz.

Was du nicht raten solltest

Statusmeldungen, Rufnamen und Teile der Einsatzstichworte sind regional unterschiedlich geregelt. Sie gehören zum Einweisungsstoff der jeweiligen Wache und lassen sich nicht bundesweit auswendig lernen. Ebenso gilt für hausinterne Kürzel in Arztbriefen und Verlegungspapieren: nachfragen, nicht interpretieren.

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Häufige Fragen

Was bedeutet das ABCDE-Schema?

Airway, Breathing, Circulation, Disability, Exposure – die strukturierte Erstuntersuchung in verbindlicher Reihenfolge. Ein Problem in einem Schritt wird behandelt, bevor der nächste untersucht wird. Beim Trauma wird oft xABCDE verwendet, wobei x für die Kontrolle kritischer Blutungen steht.

Wofür steht SAMPLER?

Symptome, Allergien, Medikamente, Patientenvorgeschichte, letzte Mahlzeit, Ereignis und Risikofaktoren. Es strukturiert die Anamnese im Einsatz, damit unter Zeitdruck nichts vergessen wird.

Was ist der Unterschied zwischen NEF und NAW?

Das NEF ist ein Zubringerfahrzeug, das die Notarztbesetzung im Rendezvous-System zum Einsatzort bringt; der Transport erfolgt im RTW. Der NAW ist ein Rettungswagen mit Notarztbesetzung an Bord, der selbst transportiert.

Was bedeutet ROSC?

Return of Spontaneous Circulation – die Rückkehr eines eigenen Kreislaufs nach einer Reanimation. Der Begriff wird in Übergabe und Protokoll regelmäßig verwendet.

Sind Statusmeldungen bundesweit einheitlich?

Nein. Statusmeldungen, Rufnamen und Teile der Einsatzstichworte sind regional geregelt und gehören zur Einweisung an der jeweiligen Wache. Sie lassen sich nicht bundesweit auswendig lernen.