ST-Hebung ohne Infarkt: Perikarditis, frühe Repolarisation und Linksschenkelblock abgrenzen
Kurz gesagt: Nicht jede ST-Hebung ist ein Infarkt. Perikarditis, frühe Repolarisation, Linksschenkelblock und linksventrikuläre Hypertrophie können ähnlich aussehen. Für die Unterscheidung helfen Verteilung, reziproke Veränderungen, die PR-Strecke, Voraufnahmen und der zeitliche Verlauf. Die Form allein trennt nicht sicher: Eine konkave Hebung ist kein Entwarnungszeichen.
Regional oder diffus?
Vor-EKG vergleichen
Konkav ist keine Diagnose
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Eine ST-Hebung löst zu Recht Alarm aus. Gleichzeitig ist sie ein unspezifisches Zeichen, und in Prüfungen wird gern genau diese Unschärfe abgefragt: der junge Patient mit atemabhängigem Brustschmerz nach einem Infekt, der Sportler mit auffälligem Routine-EKG, die Patientin mit bekanntem Linksschenkelblock. Diese Seite zeigt dir, welche Ursachen in Frage kommen, welche Merkmale bei der Abgrenzung helfen und warum du am Ende trotzdem nie allein aus der Kurvenform entwarnst.
Wie misst du eine ST-Hebung korrekt?
Die ST-Strecke beginnt am J-Punkt, dem Übergang vom QRS-Ende zur ST-Strecke. Ihre Lage beurteilst du gegenüber einer isoelektrischen Bezugslinie, häufig der TP-Strecke. Miss nicht an einer beliebigen Stelle der aufsteigenden T-Welle. Bei hoher Frequenz oder atrialen Veränderungen ist die Bezugslinie schwerer zu finden. Und: Eine ST-Veränderung ist zunächst eine Beobachtung, die Ursache ergibt sich erst aus der Gesamtschau.
Myokardbeteiligung und Infarkt nicht allein aus dem EKG ausschließbar
Frühe Repolarisation
oft lateral oder inferior, J-Punkt-Veränderungen
stabiles Muster auf Voraufnahmen, keine Beschwerden
bei akuten Beschwerden nicht ungeprüft übernehmen
Linksschenkelblock
rechtspräkordial, diskordant zum Haupt-QRS
QRS ab 120 ms, breites R lateral
Ischämiebeurteilung deutlich erschwert
Linksventrikuläre Hypertrophie
rechtspräkordial bei tiefen S-Zacken
hohe Spannungen, z. B. Sokolow-Lyon über 35 mm
Spannung misst keine Wanddicke
Woran erkennst du eine Perikarditis?
Bei der Perikarditis ist die Entzündung nicht auf ein Gefäßgebiet begrenzt. Die ST-Hebungen verteilen sich deshalb oft diffus über viele Ableitungen, ohne die klare Regionszuordnung eines Infarkts. Dazu können PR-Senkungen kommen, weil auch die Vorhofrepolarisation verändert ist. Klinisch passen ein lageabhängiger oder atemabhängiger Brustschmerz, ein Infekt in der Vorgeschichte und Entzündungszeichen. Keines dieser Merkmale ist für sich allein beweisend.
Was ist frühe Repolarisation?
Gemeint ist ein Muster mit J-Punkt-Veränderungen und leichten ST-Hebungen, das häufig bei jungen, sportlichen Menschen ohne Beschwerden auffällt. Das wichtigste Argument für diese Einordnung ist ein unverändertes Muster auf Voraufnahmen. Gefährlich wird es, wenn bei akuten Brustschmerzen ein vermeintlich bekanntes gutartiges Muster einfach übernommen wird. Dann muss der Befund klinisch neu bewertet und mit dem Vor-EKG verglichen werden.
Warum ist der Linksschenkelblock ein Sonderfall?
Beim LSB verändert schon die abnorme Depolarisation die Repolarisation. ST-Strecke und T-Welle verlaufen oft entgegengesetzt zum Haupt-QRS. In V1 bis V3, wo der QRS überwiegend negativ ist, entstehen dadurch ST-Hebungen, die keinen Infarkt bedeuten müssen. Umgekehrt kann ein Infarkt hinter diesem Bild verborgen sein. Hier helfen Voraufnahmen, spezifische fachliche Kriterien und vor allem die Klinik. Ähnlich erschwert eine ausgeprägte linksventrikuläre Hypertrophie die Beurteilung.
Im Zweifel wie ein Infarkt
Akuter anhaltender Brustschmerz mit verdächtigem EKG erfordert sofortige klinische Abklärung, auch wenn eine harmlose Erklärung möglich erscheint. Serielle EKGs, Biomarker und fachärztliche Einschätzung entscheiden, nicht die Form einer einzelnen Kurve.
ST-T richtig deuten
EKG verstehen – Lernheft
Das Kapitel Klinik verstehen behandelt ST-Hebung, ST-Senkung und T-Inversion mit ihren Grenzen und übt eine Befundsprache, die nicht mehr behauptet, als das EKG zeigt.
J-Punkt, Bezugslinie und differenzierte Schwellen
ST-Hebung ohne Infarkt, Schenkelblöcke und Hypertrophie
Verteilung: Bleiben die Hebungen in einer Region oder ziehen sie über viele Ableitungen?
Spiegelbild: Gibt es reziproke Senkungen außerhalb von aVR?
PR-Strecke: Ist sie gesenkt?
QRS: Liegt ein Schenkelblock oder eine Hypertrophie vor?
Verlauf: Verändert sich das Bild in Kontroll-EKGs, gibt es ein Vor-EKG?
Klinik: Passen Beschwerden, Alter und Begleitbefunde?
Häufig gestellte Fragen
1. Welche Ursachen hat eine ST-Hebung außer einem Infarkt?
Unter anderem Perikarditis, frühe Repolarisation, Linksschenkelblock und linksventrikuläre Hypertrophie. Die Abgrenzung gelingt nur im Zusammenhang mit Klinik und Verlauf.
2. Spricht eine konkave ST-Hebung gegen einen Infarkt?
Nein. Auch Infarkte können konkave Hebungen zeigen. Die Form allein ist kein Entwarnungszeichen.
3. Was spricht im EKG für eine Perikarditis?
Diffuse ST-Hebungen über mehrere Regionen und PR-Senkungen, ohne klare regionale Begrenzung mit Spiegelbildern.
4. Wie hilft ein Vor-EKG?
Ein unverändertes Muster spricht für eine bekannte, stabile Ursache. Neue oder dynamische Veränderungen sind dagegen besonders verdächtig.
5. Schließt ein bekannter Linksschenkelblock einen Infarkt aus?
Nein. Er erschwert die Beurteilung, ein Infarkt kann trotzdem vorliegen.
Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Die Inhalte dienen dem Lernen und ersetzen keine ärztliche Beurteilung; verbindlich sind die aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften.