Stridor oder Giemen beim Kind: die Engstelle aus dem Atemgeräusch lokalisieren

Kurz gesagt: Ein vor allem inspiratorischer, rauer Stridor spricht für eine Enge der extrathorakalen Atemwege, etwa im Kehlkopf oder subglottisch. Exspiratorisches Pfeifen, das Giemen, weist auf eine Flusslimitation in den intrathorakalen Atemwegen hin. Ein biphasischer Stridor deutet auf eine feste, hochgradige Enge. Einziehungen zeigen in allen Fällen gesteigerte Atemarbeit.

  • Einatmen oder Ausatmen?
  • Modul 01 im Lernheft
  • Stridor in Ruhe = ernst
Lernheft Pädiatrie: häufige Krankheitsbilder aus der Reihe Medizin Helden
Lernheft PädiatrieAtemwegsgeräusche im Vergleich mit Merkskizze und Gegenfall. Zum passenden Material

Bevor du ein Kind mit Atemnot untersuchst, hörst du es oft schon. Das Atemgeräusch ist ein Lokalisationsbefund: Es verrät dir, ob die Engstelle oberhalb oder unterhalb der Thoraxapertur liegt. Damit grenzt du die Differenzialdiagnosen sofort ein und weißt, welche Fragen an die Eltern wichtig sind. Diese Seite erklärt den physikalischen Hintergrund und ordnet die wichtigsten Krankheitsbilder zu.

Warum ist Stridor inspiratorisch und Giemen exspiratorisch?

Die Antwort liegt im Druckverhältnis zwischen Atemweg und Umgebung. Bei der Einatmung entsteht in den Atemwegen ein Unterdruck gegenüber der Atmosphäre. Die extrathorakalen Atemwege, also Kehlkopf, Subglottis und oberer Teil der Trachea, werden dabei von außen zusammengedrückt. Ist das Lumen ohnehin verengt, entsteht in der Inspiration ein lautes, raues Geräusch.

Die intrathorakalen Atemwege werden in der Inspiration durch den negativen Pleuradruck eher aufgezogen. In der Exspiration steigt der Pleuradruck, die kleinen Atemwege werden zusammengedrückt, und eine bestehende Obstruktion durch Bronchospasmus, Schleimhautödem oder Sekret wird hörbar. Das Ergebnis ist ein exspiratorisches Pfeifen oder Brummen mit verlängerter Ausatmung.

Welche Krankheitsbilder passen zu welchem Geräusch?

Geräusch Lage der Engstelle Typische Ursachen beim Kind
Inspiratorischer Stridor Extrathorakal: Supraglottis, Glottis, Subglottis Kruppsyndrom, Laryngomalazie beim Säugling, Epiglottitis, Fremdkörper im Kehlkopf
Biphasischer Stridor Feste Enge in Subglottis oder Trachea Hochgradiges Kruppsyndrom, bakterielle Tracheitis, Stenosen, Gefäßringe
Exspiratorisches Giemen Intrathorakal: Bronchien und Bronchiolen Bronchiolitis, obstruktive Bronchitis, Asthma, Fremdkörper im Bronchus
Einseitiges Giemen Fokale intrathorakale Obstruktion Fremdkörperaspiration, seltener Kompression von außen

Alter, Beginn und Auslöser verschieben die Differenzialdiagnose. Ein Säugling mit Stridor seit Geburt, der beim Trinken und in Rückenlage lauter wird, hat eher eine Laryngomalazie. Ein Kleinkind, das nachts mit bellendem Husten, Heiserkeit und Stridor aufwacht, hat am ehesten ein virales Kruppsyndrom. Ein Kind mit hohem Fieber, Speichelfluss und sitzender Haltung lässt an eine Epiglottitis denken, die seit der Hib-Impfung selten geworden ist.

Lernheft 29

Pädiatrie: häufige Krankheitsbilder

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Wie schätzt du die Schwere ein?

Das Geräusch allein sagt wenig über die Gefährdung. Ein lauter Stridor kann bei einem munteren Kind harmlos sein, während ein leiser werdender Stridor bei zunehmender Erschöpfung ein Alarmzeichen ist. Beurteile deshalb immer die Atemarbeit und den Gesamtzustand.

  • Stridor in Ruhe: nicht nur bei Aufregung oder Schreien
  • Einziehungen: jugulär, interkostal, subkostal oder sternal
  • Bewusstsein: Unruhe, Agitation oder zunehmende Schläfrigkeit
  • Hautfarbe und Sättigung: Blässe oder Zyanose als späte Zeichen
  • Erschöpfung: abnehmendes Atemgeräusch trotz Atemnot

Nicht in den Rachen schauen

Bei Verdacht auf Epiglottitis wird das Kind nicht hingelegt und der Rachen nicht mit dem Spatel inspiziert, weil das eine komplette Verlegung auslösen kann. Das Kind bleibt in Begleitung der Eltern in seiner bevorzugten Haltung, während erfahrenes Anästhesie- und HNO-Personal gerufen wird.

Häufig gestellte Fragen

1. Was ist der Unterschied zwischen Stridor und Giemen?

Stridor ist ein meist inspiratorisches, raues Geräusch bei Enge der extrathorakalen Atemwege. Giemen ist ein exspiratorisches Pfeifen bei Flusslimitation in den intrathorakalen Atemwegen.

2. Was bedeutet ein biphasischer Stridor?

Er tritt bei Ein- und Ausatmung auf und spricht für eine feste, häufig hochgradige Enge in Subglottis oder Trachea. Er sollte immer ernst genommen werden.

3. Welche Ursache für Stridor ist beim Säugling am häufigsten?

Die Laryngomalazie. Der Stridor besteht meist seit den ersten Lebenswochen und wird beim Trinken, Schreien und in Rückenlage lauter.

4. Woran erkennst du ein schweres Kruppsyndrom?

An Stridor in Ruhe, deutlichen Einziehungen, Unruhe oder Erschöpfung, Blässe oder Zyanose. Ein leiser werdender Stridor bei zunehmender Erschöpfung ist ein Alarmzeichen.

5. Wo übe ich das Thema im Lernheft?

Im Modul 01 Atemwegsgeräusche mit Fall zum bellenden Husten und Gegenfall mit exspiratorischem Giemen, ergänzt durch das Grundlagenmodul 02 Atemwegswiderstand.

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Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Die Inhalte dienen dem Lernen im Medizinstudium und ersetzen keine ärztliche Beurteilung eines Kindes. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Verbindlich sind die aktuellen Leitlinien, die Veröffentlichungen des IMPP und die Vorgaben deiner Fakultät.