Transkription und Translation: Unterschiede, Ablauf und typische Verwechslungen
Kurz gesagt: Bei der Transkription schreibt eine RNA-Polymerase einen DNA-Abschnitt in RNA um, ohne Primer und mit Uracil statt Thymin. Bei der Translation liest das Ribosom die mRNA in Dreiergruppen, den Codons, und verknüpft passende Aminosäuren zu einem Protein. Transkription findet bei Eukaryoten im Zellkern statt, Translation im Zytoplasma oder am rauen endoplasmatischen Retikulum.
DNA → RNA → Protein
Module 05 und 07 im Lernheft
Kern gegen Zytoplasma
Lernheft Molekularbiologie & Genetik18 Module von der DNA bis zum genetischen Befund. Zum passenden Material
Replikation, Transkription und Translation klingen ähnlich und laufen mit ähnlichen Bausteinen ab. Im Physikum werden sie deshalb gern gegeneinander gestellt: Welcher Prozess braucht einen Primer? Wo wird Uracil eingebaut? Welches Enzym liest welche Matrize? Hier findest du die Unterschiede so geordnet, dass du sie in einer Fallfrage schnell abrufen kannst.
Was unterscheidet Replikation, Transkription und Translation?
Der zentrale Gedanke: Replikation verdoppelt die gesamte DNA einmal pro Zellzyklus. Transkription liest gezielt einzelne Gene ab, so oft und so stark, wie die Zelle das Produkt braucht. Translation übersetzt die Basensequenz der mRNA in eine Aminosäuresequenz. Transkription ist also keine DNA-Kopie, sondern eine regulierte Nutzung der gespeicherten Information.
Merkmal
Replikation
Transkription
Translation
Matrize
Beide DNA-Stränge
Ein DNA-Strang (Vorlagenstrang) eines Gens
mRNA
Produkt
DNA-Doppelstrang
RNA (mRNA, tRNA, rRNA und weitere)
Polypeptid
Zentrales Enzym
DNA-Polymerase
RNA-Polymerase
Ribosom mit Peptidyltransferase-Aktivität der rRNA
Primer nötig
Ja
Nein, Start am Promotor
Nein, Start am Startcodon AUG
Bausteine
dNTPs mit Thymin
NTPs mit Uracil
Aminoacyl-tRNAs
Ort bei Eukaryoten
Zellkern, auch Mitochondrien
Zellkern, auch Mitochondrien
Zytoplasma, raues ER, Mitochondrien
Korrekturlesen
Ja, 3'-5'-Exonuklease
Deutlich geringer
Über tRNA-Beladung durch Aminoacyl-tRNA-Synthetasen
Wie läuft die Transkription ab?
Die Transkription beginnt am Promotor. Bei Eukaryoten binden zuerst allgemeine Transkriptionsfaktoren, beim typischen proteincodierenden Gen etwa an die TATA-Box, dann lagert sich die RNA-Polymerase II an. Sie öffnet den Doppelstrang lokal und synthetisiert RNA in 5'-3'-Richtung, komplementär zum Vorlagenstrang. Die entstehende RNA entspricht in ihrer Sequenz dem codogenen Gegenstück, dem sogenannten codierenden Strang, nur mit Uracil statt Thymin.
Eukaryoten nutzen drei nukleäre RNA-Polymerasen: Polymerase I bildet den Großteil der rRNA, Polymerase II die mRNA-Vorstufen, Polymerase III tRNAs und die 5S-rRNA. Ein Klassiker ist der Knollenblätterpilz: Alpha-Amanitin hemmt vor allem die RNA-Polymerase II, die mRNA-Synthese bricht ein, besonders betroffen ist die Leber.
Promotor: Startregion, bestimmt wo und wie häufig abgelesen wird
Enhancer und Silencer: regulatorische Sequenzen, oft weit vom Gen entfernt
Vorlagenstrang: wird 3' nach 5' gelesen, RNA wächst 5' nach 3'
Nicht jede RNA codiert ein Protein: rRNA, tRNA und regulatorische RNAs sind fertige Produkte
Wie liest das Ribosom die mRNA?
Die reife mRNA gelangt aus dem Kern ins Zytoplasma. Die kleine ribosomale Untereinheit bindet am 5'-Cap und sucht das Startcodon AUG, das für Methionin codiert. Danach kommt die große Untereinheit dazu. Das Ribosom besitzt drei Bindungsstellen: An der A-Stelle bindet die neue Aminoacyl-tRNA, an der P-Stelle hängt die wachsende Peptidkette, über die E-Stelle verlässt die leere tRNA das Ribosom. Die Peptidbindung knüpft die rRNA der großen Untereinheit, ein Ribozym.
Die tRNA ist der Adapter: Ihr Anticodon paart mit dem Codon, an ihrem 3'-Ende trägt sie die passende Aminosäure. Für die richtige Beladung sorgen die Aminoacyl-tRNA-Synthetasen. Erreicht das Ribosom eines der drei Stoppcodons UAA, UAG oder UGA, binden Freisetzungsfaktoren, und das Protein wird entlassen.
Welche Eigenschaften hat der genetische Code?
Drei Basen bilden ein Codon, das ergibt 64 Kombinationen für 20 Aminosäuren und die Stoppsignale. Der Code ist degeneriert, weil die meisten Aminosäuren von mehreren Codons verschlüsselt werden, oft unterscheidet sich nur die dritte Base. Er ist eindeutig, weil jedes Codon nur für eine Aminosäure steht. Er ist kommafrei und nahezu universell; Mitochondrien weichen in einigen Codons ab.
Daraus folgt eine Prüfungsregel für Mutationen: Ein Basenaustausch an der dritten Position bleibt oft still. Der Verlust einer einzelnen Base verschiebt dagegen das Leseraster ab dieser Stelle, und alle folgenden Codons ändern sich.
Häufige Verwechslung
Degeneriert heißt nicht mehrdeutig. Mehrere Codons können dieselbe Aminosäure codieren, aber ein Codon codiert nie zwei verschiedene Aminosäuren.
Was passiert zwischen Transkription und Translation?
Bei Eukaryoten liegt zwischen beiden Prozessen die RNA-Prozessierung: 5'-Cap, Spleißen und Polyadenylierung. Bei Bakterien fehlt der Zellkern, Transkription und Translation laufen gekoppelt ab, Ribosomen setzen schon an der wachsenden mRNA an. Diese Trennung im Raum ist der Grund, warum eukaryotische Zellen die Genexpression an mehr Stellen regulieren können.
Lernheft 13
Molekularbiologie & Genetik
Den Weg vom Gen zum Protein in acht aufeinander aufbauenden Modulen, jeweils mit Fallfrage und Auflösung.
Nein. Sie beginnt am Promotor ohne Primer. Einen Primer braucht nur die DNA-Polymerase bei der Replikation.
3. Wo findet die Translation statt?
Im Zytoplasma an freien Ribosomen oder am rauen endoplasmatischen Retikulum, wenn das Protein sezerniert oder in Membranen eingebaut wird. Mitochondrien haben eigene Ribosomen.
4. Was bedeutet degenerierter genetischer Code?
Die meisten Aminosäuren werden von mehreren Codons verschlüsselt. Jedes Codon steht aber nur für eine Aminosäure oder ein Stoppsignal.
5. Welche Stoppcodons gibt es?
UAA, UAG und UGA. Für sie gibt es keine passende tRNA, stattdessen binden Freisetzungsfaktoren.
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