DNA-Replikation: Enzyme, Leitstrang und Okazaki-Fragmente
Kurz gesagt: Die DNA-Replikation ist semikonservativ: Jede neue Doppelhelix besteht aus einem alten und einem neuen Strang. Helikase öffnet, Primase setzt einen RNA-Primer, DNA-Polymerasen verlängern nur in 5'-3'-Richtung, und die Ligase schließt die Lücken. Weil die Stränge antiparallel liegen, läuft die Synthese am Leitstrang kontinuierlich und am Folgestrang in Okazaki-Fragmenten.
S-Phase des Zellzyklus
Physikum: Biochemie und Biologie
Syntheserichtung 5' nach 3'
Lernheft Molekularbiologie & Genetik18 Module von der DNA bis zum genetischen Befund. Zum passenden Material
Replikation gehört zu den Themen, die man im ersten Semester einmal liest und im Physikum dann doch verwechselt. Welches Enzym braucht einen Primer, welches nicht? Warum gibt es Okazaki-Fragmente nur auf einem Strang? Und was hat die Telomerase damit zu tun? Diese Seite ordnet die Schritte so, dass du sie aus dem Prinzip ableiten kannst, statt Enzymlisten auswendig zu lernen.
Was bedeutet semikonservativ?
Bei der Replikation trennen sich die beiden Stränge der Doppelhelix, und jeder dient als Matrize für einen neuen, komplementären Strang. Am Ende besitzt jede Tochterzelle eine Doppelhelix aus einem Elternstrang und einem neu synthetisierten Strang. Das hat das Meselson-Stahl-Experiment mit schweren und leichten Stickstoffisotopen gezeigt. In Fragen taucht der Begriff gern neben den Distraktoren konservativ und dispersiv auf.
Die Basenpaarung ist der Grund, warum das funktioniert: Adenin paart mit Thymin, Guanin mit Cytosin. Eine Sequenz enthält damit die Information für ihren Gegenstrang. Dasselbe Prinzip nutzen Reparatursysteme, die einen beschädigten Strang anhand des intakten Gegenstrangs ergänzen.
Antiparallel: Ein Strang läuft 5' nach 3', der Gegenstrang 3' nach 5'
Syntheserichtung: Polymerasen hängen Nukleotide nur an ein freies 3'-OH-Ende
Startstruktur: DNA-Polymerasen können nicht neu beginnen, sie brauchen einen Primer
Korrekturlesen: Replikative Polymerasen besitzen eine 3'-5'-Exonukleaseaktivität
Welche Enzyme arbeiten an der Replikationsgabel?
Die Replikation beginnt an Replikationsursprüngen. Bakterien haben meist einen einzigen Ursprung auf dem ringförmigen Chromosom, eukaryotische Chromosomen besitzen sehr viele, damit das Genom in der S-Phase rechtzeitig kopiert wird. Von jedem Ursprung laufen zwei Replikationsgabeln in entgegengesetzte Richtungen.
Enzym oder Protein
Aufgabe
Prüfungsrelevantes Detail
Helikase
Trennt die Basenpaare unter ATP-Verbrauch
Öffnet die Gabel, synthetisiert nichts
Topoisomerasen
Lösen die Verdrillung vor der Gabel
Bakterielle Gyrase ist Ziel der Fluorchinolone, humane Topoisomerasen Ziel einiger Zytostatika
Einzelstrang-bindende Proteine
Halten die getrennten Stränge offen
Verhindern erneute Paarung und Abbau
Primase
Bildet einen kurzen RNA-Primer
Liefert das freie 3'-OH-Ende für die Polymerase
DNA-Polymerasen
Verlängern den Strang komplementär zur Matrize
Nur 5'-3'-Synthese, Korrekturlesen über 3'-5'-Exonuklease
Primer-Entfernung
RNA-Primer werden abgebaut und durch DNA ersetzt
Bei Bakterien über DNA-Polymerase I, bei Eukaryoten über RNase H und Flap-Endonuklease
Ligase
Verknüpft benachbarte Fragmente
Schließt die letzte Phosphodiesterbindung
Telomerase
Verlängert Chromosomenenden
Reverse Transkriptase mit eigener RNA-Matrize, aktiv in Keimbahn, Stammzellen und vielen Tumoren
Warum entstehen Okazaki-Fragmente?
Beide neuen Stränge wachsen chemisch in derselben Richtung, nämlich von 5' nach 3'. Die Replikationsgabel bewegt sich aber nur in eine Richtung. Auf dem Leitstrang zeigt das wachsende 3'-Ende in Laufrichtung der Gabel, die Polymerase kann ihr also ohne Unterbrechung folgen. Auf dem Folgestrang zeigt das 3'-Ende von der Gabel weg. Hier muss immer wieder ein neuer Primer gesetzt werden, sobald die Gabel ein Stück Matrize freigelegt hat. So entstehen kurze Abschnitte, die Okazaki-Fragmente.
Die häufige Verwechslung lautet: Der Folgestrang werde in 3'-5'-Richtung synthetisiert. Das ist falsch. Jede Polymerase arbeitet 5' nach 3'; diskontinuierlich ist die Synthese nur, weil Strangorientierung und Gabelrichtung auf dieser Seite gegeneinander laufen.
Warum brauchen Eukaryoten eine Telomerase?
Am Ende eines linearen Chromosoms kann für das letzte Stück des Folgestrangs kein Primer mehr gesetzt werden, der nach seiner Entfernung durch DNA ersetzt würde. Ohne Gegenmaßnahme würde das Chromosom bei jeder Teilung etwas kürzer. Telomere sind repetitive Sequenzen, die diesen Verlust abpuffern. Die Telomerase verlängert sie mit einer eigenen RNA-Matrize, sie ist also eine reverse Transkriptase.
In somatischen Zellen ist die Telomerase meist wenig aktiv, die Telomere verkürzen sich mit jeder Teilung, was mit zellulärer Alterung zusammenhängt. Keimbahnzellen, Stammzellen und viele Tumorzellen halten ihre Telomerlänge dagegen aufrecht. Das ist der Grund, warum Telomerase in Onkologiefragen auftaucht.
Typische Kreuzfalle
Die Primase bildet RNA, nicht DNA. Die DNA-Polymerase braucht einen Primer, die RNA-Polymerase bei der Transkription nicht. Wer diese beiden Aussagen sicher trennt, löst einen großen Teil der Replikationsfragen.
Wie genau kopiert die Zelle ihre DNA?
Die Fehlerrate liegt nach Polymerase-Auswahl, Korrekturlesen und Mismatch-Reparatur extrem niedrig. Drei Stufen tragen dazu bei: Die Polymerase wählt das passende Nukleotid über die Geometrie der Basenpaarung, ihre 3'-5'-Exonuklease entfernt falsch eingebaute Basen sofort, und nach der Replikation erkennt das Mismatch-Reparatursystem verbliebene Fehlpaarungen. Fällt die Mismatch-Reparatur aus, häufen sich Mutationen, ein Beispiel ist das Lynch-Syndrom mit erhöhtem Darmkrebsrisiko.
Schritt 1
Öffnen
Initiation am Ursprung, Helikase trennt die Stränge, Topoisomerase entspannt.
Schritt 2
Starten
Primase setzt RNA-Primer, am Folgestrang immer wieder neu.
Schritt 3
Verlängern
DNA-Polymerasen synthetisieren 5' nach 3' und lesen Korrektur.
Schritt 4
Verbinden
Primer werden ersetzt, Ligase schließt die Lücken, Telomerase sichert die Enden.
Lernheft 13
Molekularbiologie & Genetik
64 Seiten, 18 Module mit Fallfragen, Bildtafeln und Aufgaben zum Selbsttest, von der DNA bis zum genetischen Befund.
Replikation, DNA-Reparatur, Transkription und Translation
Mutationstypen und alle wichtigen Erbgänge
Chromosomenveränderungen, PCR, Epigenetik und Befundkommunikation
1. Was ist der Unterschied zwischen Leitstrang und Folgestrang?
Am Leitstrang verläuft die Synthese kontinuierlich in Richtung der Replikationsgabel. Am Folgestrang entsteht der neue Strang in kurzen Okazaki-Fragmenten, weil das wachsende 3'-Ende von der Gabel wegzeigt.
2. Warum braucht die DNA-Polymerase einen Primer?
DNA-Polymerasen können ein Nukleotid nur an ein vorhandenes 3'-OH-Ende anhängen. Der von der Primase gebildete RNA-Primer liefert dieses Ende.
3. Welche Rolle spielt die Ligase?
Sie verknüpft benachbarte DNA-Abschnitte durch eine Phosphodiesterbindung, vor allem die Okazaki-Fragmente nach Entfernung der Primer.
4. Ist die Telomerase eine DNA-Polymerase?
Sie ist eine reverse Transkriptase. Sie synthetisiert DNA anhand einer eigenen RNA-Matrize und verlängert so die Telomere linearer Chromosomen.
5. In welcher Zellzyklusphase findet die Replikation statt?
In der S-Phase. Danach besteht jedes Chromosom bis zur Mitose aus zwei Schwesterchromatiden.
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