DNA-Reparatur: Reparatursysteme, Erkrankungen und Prüfungsfallen
Kurz gesagt: Zellen besitzen mehrere Reparatursysteme, die jeweils bestimmte Schäden erkennen. Die Basenexzisionsreparatur behebt einzelne veränderte Basen, die Nukleotidexzisionsreparatur sperrige Läsionen wie UV-bedingte Thymindimere, die Mismatch-Reparatur Fehlpaarungen nach der Replikation, und für Doppelstrangbrüche gibt es homologe Rekombination und nicht-homologes End-Joining. Fällt ein System aus, steigt das Krebsrisiko für typische Tumoren.
Vier Hauptsysteme
Modul 04 im Lernheft
Schaden ist nicht Mutation
Lernheft Molekularbiologie & Genetik18 Module von der DNA bis zum genetischen Befund. Zum passenden Material
DNA-Reparatur ist eines der Themen, an denen Vorklinik und Klinik direkt zusammenkommen. Im Physikum wird gefragt, welches System welchen Schaden erkennt. In Pathologie, Dermatologie und Onkologie kommen dieselben Systeme als Ursache erblicher Tumorsyndrome zurück. Wenn du die Zuordnung Schaden, System, Erkrankung einmal sauber aufgebaut hast, trägt sie durch beide Abschnitte.
Was ist der Unterschied zwischen DNA-Schaden und Mutation?
Ein DNA-Schaden ist eine chemische oder physikalische Veränderung der DNA, etwa eine oxidierte Base, ein Thymindimer oder ein Strangbruch. Eine Mutation ist eine bleibende Änderung der Basensequenz, die bei der nächsten Replikation weitergegeben wird. Ein Schaden wird erst dann zur Mutation, wenn er nicht oder fehlerhaft repariert wird und die Replikation darüber hinwegläuft.
Dazu kommt die Frage der Vererbung. Eine Mutation in einer Hautzelle betrifft nur diese Zelle und ihre Nachkommen, sie ist somatisch und wird nicht an Kinder weitergegeben. Vererbt werden nur Veränderungen in der Keimbahn. Diese Dreiteilung aus Schaden, Mutation und Vererbung ist eine der häufigsten Verwechslungen in Fallfragen.
Welches Reparatursystem erkennt welchen Schaden?
System
Typischer Schaden
Prinzip
Klinischer Bezug
Basenexzisionsreparatur
Einzelne veränderte Basen, etwa Uracil in DNA, oxidierte oder alkylierte Basen
Glykosylase entfernt die Base, AP-Endonuklease schneidet, Polymerase und Ligase füllen
MUTYH-assoziierte Polyposis
Nukleotidexzisionsreparatur
Sperrige, helixverzerrende Läsionen, v. a. UV-bedingte Pyrimidindimere
Ausschneiden eines kurzen Oligonukleotids um den Schaden, Neusynthese
Xeroderma pigmentosum
Mismatch-Reparatur
Fehlpaarungen und kleine Schleifen nach der Replikation
Erkennen des neuen Strangs, Ausschneiden und Neusynthese
Lynch-Syndrom mit Mikrosatelliteninstabilität
Homologe Rekombination
Doppelstrangbrüche in S- und G2-Phase
Schwesterchromatide als intakte Vorlage, weitgehend fehlerfrei
BRCA1 und BRCA2, erbliches Brust- und Ovarialkarzinom
Nicht-homologes End-Joining
Doppelstrangbrüche in jeder Zellzyklusphase
Direktes Verknüpfen der Enden, fehleranfällig
Auch bei der V(D)J-Rekombination der Lymphozyten genutzt
Vier Schritte: Schaden erkennen, Fehlerstelle entfernen, Information ergänzen, Strang schließen
Vorlage: fast alle Systeme nutzen den intakten Gegenstrang oder die Schwesterchromatide
Kontrollpunkte: p53 hält den Zellzyklus an oder löst Apoptose aus, wenn der Schaden zu groß ist
Warum führen Reparaturdefekte zu Krebs?
Viele erbliche Tumorsyndrome folgen einem gemeinsamen Muster: Betroffene erben ein verändertes Allel eines Reparaturgens, das zweite Allel ist zunächst intakt. Geht es in einer Körperzelle verloren, fällt das Reparatursystem in dieser Zelle aus, und Mutationen häufen sich. Der Erbgang des Tumorrisikos ist deshalb in Stammbäumen meist autosomal-dominant, obwohl auf Zellebene beide Allele betroffen sein müssen. Das ist das Prinzip der Zwei-Treffer-Hypothese.
Beim Lynch-Syndrom zeigen Tumoren eine Mikrosatelliteninstabilität, weil Fehlpaarungen in repetitiven Sequenzen nicht mehr korrigiert werden. In der Pathologie wird das immunhistochemisch über den Verlust der Mismatch-Reparatur-Proteine oder molekular nachgewiesen. Bei BRCA-Defekten nutzt die Onkologie die Schwäche gezielt: PARP-Inhibitoren blockieren einen weiteren Reparaturweg, und Tumorzellen ohne homologe Rekombination können ihre Schäden dann nicht mehr beheben. Dieses Prinzip heißt synthetische Letalität.
Typische Kreuzfalle
Xeroderma pigmentosum ist autosomal-rezessiv, Lynch-Syndrom und BRCA-assoziierte Tumorsyndrome werden autosomal-dominant vererbt. Fragen kombinieren gern das richtige Reparatursystem mit dem falschen Erbgang.
Wie lernst du die Reparatursysteme am schnellsten?
Lerne die Systeme nicht als Liste, sondern vom Schaden aus. Frag dich bei jedem Fall: Ist eine einzelne Base verändert, ist die Helix verzerrt, passt eine Base nach der Replikation nicht, oder sind beide Stränge gebrochen? Aus der Antwort folgt das System, aus dem System die typische Erkrankung. Zeichne dir dazu einmal die vier Schritte Erkennen, Entfernen, Ergänzen, Schließen auf und schreib unter jeden Schritt das passende Enzym.
Verknüpfe das Thema danach mit der Replikation, denn Mismatch-Reparatur und Korrekturlesen der Polymerase bauen aufeinander auf, und mit den Mutationstypen, weil ein nicht reparierter Schaden genau dort landet.
Lernheft 13
Molekularbiologie & Genetik
Von der Replikation über Reparatur und Mutationen bis zu Erbgängen und Befunden, mit Fallfragen und Selbsttest.
Nein. Ein Schaden wird erst zur Mutation, wenn er nicht oder falsch repariert und bei der Replikation als bleibende Sequenzänderung weitergegeben wird.
2. Welches System repariert UV-Schäden?
Die Nukleotidexzisionsreparatur. Ihr Ausfall verursacht Xeroderma pigmentosum mit frühen Hauttumoren.
3. Was ist Mikrosatelliteninstabilität?
Eine Längenveränderung repetitiver Sequenzen in Tumorzellen, die auf eine defekte Mismatch-Reparatur hinweist, etwa beim Lynch-Syndrom.
4. Warum ist die homologe Rekombination fehlerarm?
Sie nutzt die intakte Schwesterchromatide als Vorlage und stellt die ursprüngliche Sequenz wieder her. Sie ist deshalb vor allem nach der Replikation verfügbar.
5. Wird eine Mutation in einer Hautzelle vererbt?
Nein. Somatische Mutationen betreffen nur die Zelle und ihre Tochterzellen. An Nachkommen werden nur Keimbahnveränderungen weitergegeben.
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