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Bakterielle und virale Meningitis – Leitbefunde und empirische Therapie

Fallvignette: Ein 22-jähriger Student wird mit seit wenigen Stunden bestehendem hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und zunehmender Somnolenz in die Notaufnahme gebracht. Bei der Untersuchung fällt eine ausgeprägte Nackensteifigkeit auf, zudem zeigen sich vereinzelte petechiale Hauteinblutungen an den Unterschenkeln. Der Verdacht auf eine bakterielle Meningitis, möglicherweise durch Meningokokken, erfordert sofortiges Handeln – hier zählt jede Stunde bis zur ersten Antibiotikagabe.

Was ist eine Meningitis – und warum prüfungsrelevant?

Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkhäute, meist infektiöser Genese. Die Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Meningitis anhand von Klinik und Liquorbefund sowie die zeitkritische empirische Antibiotikatherapie gehören zu den examensrelevantesten Themen der Infektiologie im IMPP-Gegenstandskatalog – nicht zuletzt, weil eine verzögerte Therapie bei bakterieller Genese lebensbedrohlich sein kann.

Definitionen

Begriff Definition
Meningitis Entzündung der Meningen (Pia mater und Arachnoidea), meist infektiöser Genese
Meningismus Klinisches Zeichen der Meningenreizung mit schmerzhafter Nackensteifigkeit
Kernig-Zeichen Schmerzhafte Streckhemmung im Kniegelenk bei gebeugter Hüfte als Hinweis auf Meningenreizung
Brudzinski-Zeichen Reflektorisches Anziehen der Beine bei passiver Kopfbeugung als Hinweis auf Meningenreizung

Klinik

Die klassische Symptomtrias der bakteriellen Meningitis umfasst Fieber, Kopfschmerz und Meningismus, häufig ergänzt durch Bewusstseinsstörung, Übelkeit/Erbrechen und Photophobie. Bei der Meningokokken-Meningitis können petechiale Hauteffloreszenzen als Hinweis auf eine begleitende Sepsis auftreten – ein Warnzeichen, das rasches Handeln erfordert. Die virale Meningitis verläuft in der Regel deutlich milder mit ähnlicher, aber weniger ausgeprägter Symptomatik und guter Prognose.

Diagnostik und Liquorbefunde

Zentrale diagnostische Maßnahme ist die Liquorpunktion. Bei Vorliegen von fokal-neurologischen Defiziten, Bewusstseinsstörung, Immunsuppression oder Papillenödem sollte vor der Punktion eine kraniale Bildgebung erfolgen, um eine Herniationsgefahr auszuschließen – die Antibiotikagabe darf dadurch jedoch nicht relevant verzögert werden. Begleitend werden Blutkulturen abgenommen. Die Liquorbefunde erlauben eine erste Einordnung:

Parameter Bakterielle Meningitis Virale Meningitis
Zellzahl Deutlich erhöht, meist granulozytär Mäßig erhöht, meist lymphozytär
Glukose (Liquor/Serum-Quotient) Erniedrigt Meist normal
Laktat Erhöht Meist normal
Eiweiß Deutlich erhöht Normal bis leicht erhöht
Aussehen Trüb Klar

Empirische Therapie

Bei klinischem Verdacht auf eine bakterielle Meningitis wird die empirische antibiotische Therapie unverzüglich und ohne Abwarten des Liquorbefunds begonnen – typischerweise mit einem Cephalosporin der dritten Generation (z. B. Ceftriaxon). Bei älteren Patienten sowie bei Immunsuppression wird zusätzlich Ampicillin zur Abdeckung von Listeria monocytogenes ergänzt. Bei Verdacht auf eine Pneumokokken-Meningitis wird begleitend Dexamethason vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe verabreicht, um die Rate neurologischer Folgeschäden, insbesondere Hörverlust, zu reduzieren. Die virale Meningitis wird in der Regel symptomatisch behandelt; besteht differenzialdiagnostisch der Verdacht auf eine Herpes-simplex-Enzephalitis, ist eine empirische Aciclovir-Gabe bis zum diagnostischen Ausschluss obligat.

Key Takeaways

  • Symptomtrias der bakteriellen Meningitis: Fieber, Kopfschmerz, Meningismus – oft mit Bewusstseinsstörung.
  • Petechien können auf eine Meningokokken-Sepsis hinweisen und sind ein Alarmzeichen.
  • Liquor: granulozytäre Pleozytose, erniedrigte Glukose und erhöhtes Laktat sprechen für bakterielle Genese.
  • Empirische Antibiotikatherapie darf bei Verdacht nicht durch Diagnostik verzögert werden.
  • Dexamethason additiv bei V.a. Pneumokokken-Meningitis, Ampicillin-Ergänzung zur Listerien-Abdeckung bei älteren/immunsupprimierten Patienten.

Einordnung: IMPP, Leitlinien und Approbationsordnung

Die bakterielle und virale Meningitis gehören zu den zentralen infektiologisch-neurologischen Krankheitsbildern im IMPP-Gegenstandskatalog und werden regelmäßig in Verbindung mit Mikrobiologie und Notfallmedizin geprüft. Fachlicher Bezugsrahmen sind die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sowie die entsprechenden AWMF-Leitlinien zur ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis, die zusammen mit der Ärztlichen Approbationsordnung die geforderten Notfallkompetenzen der Klinik-Phase definieren.

Häufige Fragen (FAQ)

1. Was ist die klassische Symptomtrias der bakteriellen Meningitis?

Fieber, Kopfschmerz und Meningismus, häufig begleitet von Bewusstseinsstörung.

2. Wann muss vor der Liquorpunktion eine Bildgebung erfolgen?

Bei fokal-neurologischen Defiziten, Bewusstseinsstörung, Immunsuppression oder Papillenödem, um eine Herniationsgefahr auszuschließen.

3. Was spricht im Liquor für eine bakterielle Genese?

Eine granulozytäre Pleozytose, erniedrigte Glukose sowie erhöhtes Laktat und Eiweiß.

4. Welche Antibiotika werden empirisch eingesetzt?

In der Regel ein Cephalosporin der dritten Generation wie Ceftriaxon, bei älteren oder immunsupprimierten Patienten ergänzt um Ampicillin gegen Listerien.

5. Wofür wird Dexamethason eingesetzt?

Additiv bei Verdacht auf Pneumokokken-Meningitis zur Reduktion neurologischer Folgeschäden, gegeben vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotikadosis.

6. Was bedeuten Petechien im Rahmen einer Meningitis?

Sie können auf eine begleitende Meningokokken-Sepsis hinweisen und gelten als klinisches Alarmzeichen.

7. Wie unterscheidet sich der Liquorbefund bei viraler Meningitis?

Meist lymphozytäre, mäßige Pleozytose bei normaler Glukose und normalem bis leicht erhöhtem Eiweiß.

8. Wann sollte an eine Herpes-Enzephalitis gedacht werden?

Bei entsprechendem klinischem Verdacht sollte empirisch Aciclovir gegeben werden, bis eine HSV-Enzephalitis diagnostisch ausgeschlossen ist.

9. Warum darf die Antibiotikagabe nicht verzögert werden?

Weil die bakterielle Meningitis unbehandelt sehr rasch progredient und lebensbedrohlich verlaufen kann.

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Über den Autor
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