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COPD & Asthma bronchiale – Differenzialdiagnose und Stufentherapie

Fallvignette: Eine 62-jährige langjährige Raucherin (40 pack years) stellt sich mit zunehmender Belastungsdyspnoe und chronischem Husten mit morgendlichem Auswurf vor. Bei Belastung hört man ein leises exspiratorisches Giemen, die Lippen wirken leicht zyanotisch. Ein 24-jähriger Patient in der Nachbarkabine berichtet dagegen von anfallsartiger, nachts betonter Atemnot mit pfeifendem Atemgeräusch und Besserung nach Salbutamol-Inhalation. Zwei sehr unterschiedliche Bilder – doch worin genau unterscheiden sich COPD und Asthma bronchiale, und wie sieht die jeweils leitliniengerechte Therapie aus?

Was sind COPD und Asthma bronchiale und warum sind sie prüfungsrelevant?

COPD (chronic obstructive pulmonary disease) und Asthma bronchiale sind die beiden häufigsten obstruktiven Atemwegserkrankungen und ein Kernthema im IMPP-Gegenstandskatalog. Geprüft werden regelmäßig die Abgrenzung beider Entitäten anhand von Anamnese und Lungenfunktion, die Stufentherapie nach den Empfehlungen von GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) und GINA (Global Initiative for Asthma) sowie das Management der akuten Exazerbation.

Definition und Abgrenzung

Merkmal COPD Asthma bronchiale
Definition Chronische, meist progrediente Atemwegsobstruktion durch chronische Bronchitis und/oder Lungenemphysem, in der Regel nur partiell reversibel Chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität und variabler, meist reversibler Atemwegsobstruktion
Typisches Alter bei Erstmanifestation Meist ab dem mittleren Lebensalter Häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter (allergisches Asthma) oder im Erwachsenenalter (nicht-allergisches Asthma)
Hauptrisikofaktor Inhalatives Rauchen (Tabakrauch), berufliche Noxen Atopie/Allergie, genetische Prädisposition, teils unklare Trigger
Verlauf der Obstruktion Chronisch progredient, wenig variabel Episodisch, oft anfallsartig, zwischen den Anfällen häufig normale Lungenfunktion
Bronchospasmolysetest Keine oder nur partielle Reversibilität Meist deutliche Reversibilität (FEV1-Anstieg ≥ 12 % und ≥ 200 ml)

Leitsymptome

  • COPD: Chronischer Husten mit Auswurf („AHA-Symptomatik“: Auswurf, Husten, Atemnot), progrediente Belastungsdyspnoe, im Verlauf Zeichen der Lungenüberblähung
  • Asthma: Anfallsartige Atemnot, häufig nachts oder frühmorgens betont, thorakales Engegefühl, trockener Husten, exspiratorisches Giemen

Diagnostik

  • Spirometrie mit Bronchospasmolysetest: zentrale Untersuchung zur Objektivierung und Abgrenzung der Obstruktion
  • Ganzkörperplethysmographie: Nachweis von Lungenüberblähung (erhöhtes Residualvolumen) bei COPD/Emphysem
  • Peak-Flow-Protokoll und FeNO-Messung: Unterstützung der Asthmadiagnostik, Nachweis eosinophiler/allergischer Entzündung
  • Allergiediagnostik (Prick-Test, spezifisches IgE) bei Verdacht auf allergisches Asthma
  • Blutgasanalyse und Bildgebung (Röntgen-Thorax, ggf. CT) insbesondere bei COPD zur Emphysemdiagnostik und Differenzialdiagnostik

Stufentherapie

GOLD-Stufentherapie der stabilen COPD (vereinfacht)

Gruppe Charakteristik Therapieansatz
Gruppe A Wenig Symptome, niedriges Exazerbationsrisiko Bronchodilatator bei Bedarf (kurz- oder langwirksam)
Gruppe B Ausgeprägtere Symptomatik, niedriges Exazerbationsrisiko Langwirksamer Bronchodilatator (LABA oder LAMA)
Gruppe E Hohes Exazerbationsrisiko (≥ 2 Exazerbationen/Jahr oder ≥ 1 mit Hospitalisierung) LABA + LAMA, bei Eosinophilie zusätzlich inhalatives Kortikosteroid (ICS) erwägen

Wichtig unabhängig vom Stadium: konsequente Tabakentwöhnung, Grippe- und Pneumokokken-Impfung sowie pneumologische Rehabilitation, da diese Maßnahmen die Prognose nachweislich verbessern.

GINA-Stufentherapie des Asthma bronchiale (vereinfacht)

Stufe Therapie
Stufe 1–2 Bedarfstherapie bzw. niedrig dosiertes ICS-Formoterol als Bedarfs- oder Erhaltungstherapie
Stufe 3 Niedrig dosiertes ICS/LABA als Erhaltungstherapie
Stufe 4 Mittel- bis hochdosiertes ICS/LABA
Stufe 5 Hochdosiertes ICS/LABA plus zusätzliche Therapie (z. B. LAMA, Biologika bei schwerem eosinophilem/allergischem Asthma), Vorstellung in spezialisiertem Zentrum

Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika (SABA) dienen ausschließlich der Bedarfstherapie akuter Symptome; eine alleinige, regelmäßige SABA-Nutzung ohne antientzündliche Basistherapie gilt als nicht leitliniengerecht.

Akute Exazerbation

Bei der akuten COPD-Exazerbation stehen Bronchodilatatoren (SABA/SAMA), systemische Glukokortikoide, bei bakteriellem Infekt Antibiotika sowie bei respiratorischer Insuffizienz eine kontrollierte Sauerstofftherapie bzw. nicht-invasive Beatmung im Vordergrund. Beim schweren Asthmaanfall werden inhalative SABA, systemische Glukokortikoide und Sauerstoff eingesetzt; bei drohender respiratorischer Erschöpfung ist eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich. Da respiratorische Infekte häufig Auslöser einer Exazerbation sind, lohnt sich ein Blick in unseren Artikel zur Pneumonie. Da eine langjährige COPD zudem über die pulmonale Hypertonie in ein Cor pulmonale und eine Rechtsherzinsuffizienz münden kann, empfiehlt sich zudem ein Blick in unseren Beitrag zur akuten und chronischen Herzinsuffizienz.

Key Takeaways

  • COPD: meist rauchassoziiert, chronisch progrediente, kaum reversible Obstruktion, AHA-Symptomatik
  • Asthma: episodische, meist deutlich reversible Obstruktion, oft allergisch getriggert, nachtbetont
  • Spirometrie mit Bronchospasmolysetest ist zentral zur Abgrenzung beider Entitäten
  • COPD-Therapie nach GOLD orientiert sich an Symptomlast und Exazerbationsrisiko (Gruppen A/B/E)
  • Asthma-Therapie nach GINA basiert auf einer stufenweisen ICS-basierten Kombinationstherapie, SABA nur als Bedarfsmedikation

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was ist der wichtigste Unterschied zwischen COPD und Asthma?

Die COPD zeigt eine chronisch progrediente, meist nur partiell reversible Obstruktion und ist eng mit Tabakrauchen assoziiert, während Asthma eine episodische, meist deutlich reversible Obstruktion mit häufig allergischer Genese aufweist.

2. Welche Untersuchung ist zur Abgrenzung beider Erkrankungen entscheidend?

Die Spirometrie mit Bronchospasmolysetest ist zentral, da sie das Ausmaß der Reversibilität der Atemwegsobstruktion objektiviert.

3. Wofür stehen die Abkürzungen GOLD und GINA?

GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) und GINA (Global Initiative for Asthma) sind internationale Initiativen, deren Leitlinien die Stufentherapie von COPD bzw. Asthma bronchiale definieren.

4. Was bedeutet die AHA-Symptomatik bei COPD?

Sie fasst die klassischen Leitsymptome Auswurf, Husten und Atemnot zusammen, die typischerweise chronisch progredient auftreten.

5. Warum sollten SABA nicht als alleinige Asthmatherapie eingesetzt werden?

Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika wirken rein bronchodilatatorisch, aber nicht antientzündlich; eine alleinige Bedarfstherapie ohne inhalatives Kortikosteroid gilt daher nicht mehr als leitliniengerecht.

6. Welche nicht-medikamentösen Maßnahmen sind bei COPD besonders wichtig?

Tabakentwöhnung, Grippe- und Pneumokokken-Impfung sowie pneumologische Rehabilitation verbessern die Prognose unabhängig vom medikamentösen Stufenschema.

7. Wie wird eine COPD-Gruppe E definiert?

Gruppe E umfasst Patientinnen und Patienten mit hohem Exazerbationsrisiko, definiert durch mindestens zwei Exazerbationen pro Jahr oder mindestens eine mit Hospitalisierung.

8. Was ist bei der Behandlung der akuten COPD-Exazerbation zentral?

Im Vordergrund stehen Bronchodilatatoren, systemische Glukokortikoide, bei bakteriellem Infekt Antibiotika sowie bei respiratorischer Insuffizienz eine kontrollierte Sauerstofftherapie bzw. nicht-invasive Beatmung.

9. Kann COPD zu einer Herzbeteiligung führen?

Ja, eine langjährige COPD kann über eine pulmonale Hypertonie in ein Cor pulmonale mit Rechtsherzbelastung münden.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Inhalte dieses Artikels orientieren sich am IMPP-Gegenstandskatalog für den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung sowie an den Vorgaben der Approbationsordnung für Ärzte. Fachlich stützen wir uns auf die aktuellen Empfehlungen von GOLD und GINA sowie einschlägige AWMF-Leitlinien zur Pneumologie, die den Referenzrahmen für Diagnostik und Stufentherapie obstruktiver Atemwegserkrankungen bilden.

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