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Expertenstandards Pflege lernen: Strategie fürs Examen und die Praxis

Expertenstandards in der Pflege lernst du am effektivsten nicht als Textwüste, sondern über ihre gemeinsame Logik: Jeder DNQP-Standard hat eine Zielsetzung, eine Begründung und fünf bis sechs Ebenen mit Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien. Merke dir pro Standard das Ziel, das zentrale Assessment und die wichtigsten Maßnahmen. Im Examen wendest du dieses Gerüst auf den Fall an und begründest deine Maßnahmen damit.

Pflegegrundlagen & Pflegerecht – Expertenstandards Pflege lernen

Kurz gesagt: Expertenstandards in der Pflege lernst du am effektivsten nicht als Textwüste, sondern über ihre gemeinsame Logik: Jeder DNQP-Standard hat eine Zielsetzung, eine Begründung und fünf bis sechs Ebenen mit Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien. Merke dir pro Standard das Ziel, das zentrale Assessment und die wichtigsten Maßnahmen. Im Examen wendest du dieses Gerüst auf den Fall an und begründest deine Maßnahmen damit.

Dekubitus, Sturz, Schmerz, Ernährung, Kontinenz: In der Schule taucht ständig ein neuer Expertenstandard auf, und jeder ist ein eigenes Heft mit vielen Seiten. Viele Azubis versuchen, die Standards auswendig zu lernen, und geben nach dem dritten frustriert auf.

Einen Überblick über alle Standards und ihre Umsetzung auf Station findest du in unserem Artikel Expertenstandards in der Pflege: Übersicht und praktische Umsetzung. Hier geht es um etwas anderes: wie du die Standards so lernst, dass du sie im Examen und im Dienst wirklich abrufen kannst.

Welche Expertenstandards gibt es aktuell?

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hat bisher rund ein Dutzend Expertenstandards veröffentlicht, die regelmäßig aktualisiert werden. Die aktuelle Liste und die jeweils gültige Fassung findest du direkt beim DNQP unter Expertenstandards und Auditinstrumente.

Expertenstandard Kernfrage fürs Examen Typisches Assessment
Dekubitusprophylaxe in der Pflege Wie erkenne und senke ich das Dekubitusrisiko? Klinische Einschätzung, ergänzend z. B. Braden-Skala, Hautinspektion
Sturzprophylaxe in der Pflege Welche Sturzrisikofaktoren hat die Person, was reduziert sie? Erfassung individueller Risikofaktoren
Schmerzmanagement in der Pflege (Aktualisierung 2020) Ist die Schmerzsituation stabil oder instabil? Selbsteinschätzung (z. B. NRS), Fremdeinschätzung (z. B. BESD)
Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung Liegt eine Mangelernährung oder ein Risiko vor? Screening und Assessment, z. B. Gewichtsverlauf, Essprotokoll
Förderung der Harnkontinenz in der Pflege Welches Kontinenzprofil hat die Person? Miktionsprotokoll, Kontinenzprofile
Pflege von Menschen mit chronischen Wunden Wie unterstütze ich Wundheilung und Selbstmanagement? Wundbeschreibung, Lebensqualität
Entlassungsmanagement in der Pflege Was braucht die Person für die Versorgung danach? Initiales Assessment des Unterstützungsbedarfs
Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz Wie fördere ich das Gefühl, gehört und verstanden zu werden? Verstehende Diagnostik, Biografiearbeit
Förderung der Mundgesundheit in der Pflege Welche Risiken für die Mundgesundheit bestehen? Einschätzung von Mundzustand und Selbstpflegefähigkeit
Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege Wie erhalte ich eine gesunde Haut, etwa bei Inkontinenz oder Trockenheit? Hauteinschätzung, Risikofaktoren
Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege Wie erhalte ich die Beweglichkeit im Alltag? Einschätzung der Mobilität und Ressourcen

Der Mobilitätsstandard hat eine Sonderrolle: Er wurde im Auftrag der Pflegeselbstverwaltung nach § 113a SGB XI entwickelt. Für deine Prüfung reicht es meist zu wissen, dass er existiert und wofür er steht.

Wie ist jeder Expertenstandard aufgebaut?

Alle DNQP-Standards folgen demselben Bauplan, und genau das macht das Lernen einfacher. Am Anfang stehen eine Präambel, eine Zielsetzung und eine Begründung. Danach folgen fünf bis sechs Ebenen, die sich am Pflegeprozess orientieren.

Jede Ebene enthält drei Arten von Kriterien. Strukturkriterien beschreiben, was die Pflegefachkraft wissen muss und was die Einrichtung bereitstellen muss. Prozesskriterien beschreiben, was die Pflegefachkraft tut. Ergebniskriterien beschreiben, woran man den Erfolg erkennt.

Ein Beispiel aus der Sturzprophylaxe: Die Pflegefachkraft kennt Sturzrisikofaktoren (Struktur), sie erfasst diese bei jeder Person (Prozess), und eine aktuelle, systematische Einschätzung liegt dokumentiert vor (Ergebnis). Wenn du diesen Dreischritt einmal verstanden hast, kannst du dir jeden Standard selbst herleiten.

Wie lernst du Expertenstandards, ohne alles auswendig zu können?

Lerne pro Standard nur fünf Dinge, und zwar immer in derselben Reihenfolge. Diese Karteikarten-Methode hat sich bei vielen Kursen bewährt:

  1. Ziel: Was soll der Standard erreichen? Ein Satz.
  2. Zielgruppe: Für welche Menschen gilt er, in welchen Settings?
  3. Assessment: Wie und wann wird eingeschätzt? Welche Instrumente sind typisch?
  4. Maßnahmen: Drei bis fünf zentrale Interventionen, inklusive Beratung und Schulung.
  5. Evaluation: Woran erkennst du, dass es funktioniert hat?

Ergänze auf der Rückseite einen Mini-Fall aus deinem letzten Einsatz. Zum Beispiel: Herr S., 84 Jahre, nachts verwirrt, Diuretikum am Abend. Welche Sturzrisikofaktoren erkennst du, welche Maßnahmen leitest du ab?

Die rechtlichen Grundlagen, auf denen Expertenstandards in der Praxis stehen, sind ein eigenes Lernfeld. Das Lernpaket Pflegegrundlagen und Pflegerecht erklärt, wie Qualitätsvorgaben, Haftung und Dokumentation zusammenhängen.

Wie kommen Expertenstandards im Pflegeexamen vor?

Expertenstandards kommen im Examen fast nie als reine Wissensfrage vor, sondern als Begründung für dein Handeln im Fall. Besonders die zweite Aufsichtsarbeit zu Gesundheitsförderung und Prävention bietet sich dafür an.

Eine typische Aufgabe lautet: Beschreiben und begründen Sie die Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe bei Frau M. Punkte bekommst du, wenn du das Risiko aus dem Fall ableitest, Maßnahmen individuell auswählst und deren Wirkung evaluierst. Ein Hinweis, dass sich dein Vorgehen am Expertenstandard orientiert, zeigt den Prüfenden, dass du evidenzbasiert denkst.

Im mündlichen Examen geht es eher um Kompetenzbereich V, also wissenschaftliche Begründung. Hier kann die Frage kommen, wie ein Expertenstandard entsteht. Die Kurzantwort: Eine Expertenarbeitsgruppe wertet Literatur aus, der Entwurf wird in einer Konsensus-Konferenz diskutiert und anschließend modellhaft in Einrichtungen implementiert.

Auch in der Kenntnisprüfung für internationale Pflegefachkräfte spielen die Standards eine große Rolle, weil sie in vielen Herkunftsländern so nicht existieren. Mehr dazu auf unserer Seite zur Kenntnisprüfung Pflege und Anerkennung.

Was ist der Unterschied zwischen Expertenstandard und Hausstandard?

Ein Expertenstandard ist ein bundesweit gültiges, evidenzbasiertes Rahmenwerk, ein Hausstandard ist die konkrete Umsetzung in deiner Einrichtung. Der Expertenstandard sagt zum Beispiel, dass das Sturzrisiko systematisch erfasst werden soll. Der Hausstandard legt fest, mit welchem Formular, wie oft und wer dafür verantwortlich ist.

Für die Praxis heißt das: Lies in jedem Einsatz die Hausstandards zu den großen Themen. So siehst du, wie unterschiedlich Einrichtungen dieselben Vorgaben umsetzen. Im Examen darfst du dich auf den Expertenstandard berufen, auch wenn deine Einrichtung es anders löst.

Übrigens schreiben die Standards keine bestimmte Skala zwingend vor. Die Braden-Skala etwa ist ein mögliches Hilfsmittel, ersetzt aber nicht die klinische Einschätzung durch die Pflegefachkraft. Diese Feinheit ist eine beliebte Prüfungsfrage.

Wann solltest du mit den Expertenstandards anfangen?

Am besten ab dem ersten Ausbildungsjahr, parallel zu den passenden Lernfeldern. Wer erst im Examensjahr beginnt, muss elf Standards auf einmal verarbeiten.

Ein realistischer Rhythmus: ein Standard pro Monat, jeweils mit Karteikarte und einem Praxisbeispiel aus dem laufenden Einsatz. Im letzten halben Jahr wiederholst du dann nur noch und übst, die Standards in Fallaufgaben einzubauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alle DNQP-Standards folgen demselben Aufbau mit Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien.
  • Lerne pro Standard Ziel, Zielgruppe, Assessment, Maßnahmen und Evaluation.
  • Im Examen dienen Standards als Begründung deiner Maßnahmen im Fall.
  • Skalen wie Braden ergänzen die klinische Einschätzung, sie ersetzen sie nicht.
  • Der Hausstandard ist die konkrete Umsetzung des Expertenstandards in deiner Einrichtung.

Häufig gestellte Fragen

1. Wie viele Expertenstandards gibt es in der Pflege?

Das DNQP hat rund ein Dutzend Expertenstandards veröffentlicht, dazu kommt der Standard zur Mobilität nach § 113a SGB XI. Die aktuelle Liste steht auf der Website des DNQP.

2. Sind Expertenstandards rechtlich verbindlich?

Expertenstandards gelten als Ausdruck des aktuellen Stands der Pflegewissenschaft. Im Haftungsfall wird geprüft, ob nach diesem Stand gepflegt wurde, deshalb sind sie in der Praxis sehr bedeutsam.

3. Welche Expertenstandards sind fürs Examen am wichtigsten?

Dekubitusprophylaxe, Sturzprophylaxe, Schmerzmanagement und Ernährungsmanagement kommen besonders häufig vor. Grundsätzlich können aber alle Standards Teil einer Fallaufgabe sein.

4. Muss ich die Kriterien eines Standards wörtlich können?

Nein. Wichtiger ist, dass du Ziel, Assessment und zentrale Maßnahmen kennst und sie auf einen Fall anwenden kannst.

5. Was bedeuten Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien?

Strukturkriterien beschreiben Wissen und Rahmenbedingungen, Prozesskriterien das pflegerische Handeln und Ergebniskriterien den erwarteten Zustand nach der Intervention.

6. Wer entwickelt die Expertenstandards?

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Hochschule Osnabrück. Expertenarbeitsgruppen erarbeiten die Standards, die dann in einer Konsensus-Konferenz abgestimmt und modellhaft implementiert werden.

Weiterlesen

Den Pflegeprozess als Grundgerüst für jeden Standard erklärt Pflegeprozess und Pflegeplanung. Passend zu Dekubitus, Sturz und Pneumonie lohnt sich unsere Übersicht der Prophylaxen in der Pflege. Für die Prüfungsplanung hilft Vorbereitung aufs Pflegeexamen, und die rechtliche Seite beleuchtet Pflegerecht für Auszubildende. Wenn du deine Pflegeausbildung im Ausland gemacht hast: Kenntnisprüfung Pflege und Anerkennung in Deutschland.

Passendes Material

Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum DNQP. Verbindlich sind die jeweils aktuellen Fassungen der Expertenstandards sowie die Hausstandards deiner Einrichtung.

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Über den Autor
Luca
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