Kurz gesagt: Ein Fallfuß entsteht durch Schwäche der Fußheber. Die häufigste periphere Ursache ist eine Druckläsion des N. fibularis communis am Fibulaköpfchen, die häufigste radikuläre eine L5-Wurzelläsion. Unterscheiden kannst du beide, indem du L5-Muskeln außerhalb des Fibularisgebiets prüfst: die Inversion des Fußes und die Hüftabduktion. Sind sie schwach, spricht das für die Wurzel.
Auf Station begegnet dir der Fallfuß häufiger, als man denkt: nach langer Bettlägerigkeit, nach einem Gipsverband, nach deutlichem Gewichtsverlust, bei Patienten mit Rückenschmerzen oder nach einer Operation in Steinschnittlage. In der Famulatur oder im Blockpraktikum bist du oft die Person, die den Befund zuerst erhebt. Wer dann gezielt drei, vier Zusatzprüfungen macht, kann die Ebene meist schon am Krankenbett eingrenzen.
Was steckt anatomisch hinter dem Fallfuß?
Die Fußheber sind vor allem der M. tibialis anterior, der M. extensor hallucis longus und der M. extensor digitorum longus. Sie werden vom tiefen Ast des N. fibularis versorgt und erhalten ihre Fasern überwiegend aus L4 und L5. Der N. fibularis communis entsteht als Anteil des N. ischiadicus, zieht in der Kniekehle nach lateral und windet sich dann direkt unter der Haut um das Fibulaköpfchen. Dort ist er oberflächlich und druckempfindlich. Danach teilt er sich in den tiefen Ast für die Fußheber und den oberflächlichen Ast für die Mm. fibulares, die den Fuß nach außen heben.
Daraus ergeben sich mehrere mögliche Läsionsorte für dasselbe Symptom: die Wurzel L5, der Plexus lumbosacralis, der N. ischiadicus mit seinem fibularen Anteil oder der N. fibularis selbst. Selten steckt auch eine zentrale Ursache dahinter, dann meist mit gesteigerten Reflexen.
| Prüfung | N. fibularis communis | Wurzel L5 | N. ischiadicus proximal |
|---|---|---|---|
| Fußhebung, Großzehenhebung | Schwach | Schwach | Schwach |
| Eversion (Mm. fibulares) | Oft schwach | Oft schwach | Schwach |
| Inversion (M. tibialis posterior, N. tibialis) | Normal | Schwach | Oft schwach |
| Hüftabduktion (M. gluteus medius) | Normal | Oft schwach | Normal |
| Kniebeugung, Plantarflexion | Normal | Meist normal | Oft schwach |
| Sensibilität | Fußrücken, seitlicher Unterschenkel | Seitlicher Unterschenkel, Fußrücken bis Großzehe | Große Teile von Unterschenkel und Fuß |
| Begleitzeichen | Druckanamnese, Beschwerden am Fibulaköpfchen | Rückenschmerz mit Ausstrahlung, Dehnungsschmerz | Gesäß- oder Oberschenkelschmerz, Trauma, Injektion |
Welche Zusatzprüfung trennt Fibularis und L5 am besten?
Die Inversion des Fußes. Sie wird vor allem vom M. tibialis posterior ausgeführt, der zum N. tibialis gehört, aber reichlich Fasern aus L5 erhält. Bei einer Fibularisläsion bleibt die Inversion kräftig, bei einer L5-Läsion ist sie häufig schwach. Wichtig ist, die Inversion bei leicht angehobenem Fuß zu prüfen, damit der kräftige M. tibialis anterior nicht mitwirkt. Eine zweite hilfreiche Prüfung ist die Hüftabduktion im Liegen oder das Trendelenburg-Zeichen im Stand, weil der M. gluteus medius ebenfalls L5-betont ist und vom N. gluteus superior versorgt wird.
Die Sensibilität hilft weniger, weil sich das L5-Dermatom und das Gebiet des N. fibularis stark überschneiden. Ein kleines, recht verlässliches Areal des tiefen Fibularisastes liegt zwischen erster und zweiter Zehe auf dem Fußrücken. Reflexe tragen ebenfalls wenig bei: Für L5 gibt es keinen verlässlichen Routinereflex, und der Achillessehnenreflex gehört zu S1.
Probefrage im Prüfungsstil
Ein 46-jähriger Mann bemerkt seit vier Tagen, dass er mit dem rechten Fuß an Bordsteinkanten hängen bleibt. Fuß- und Großzehenhebung sind rechts deutlich schwächer, am Fußrücken besteht ein Taubheitsgefühl. Welcher zusätzliche Befund spricht am meisten für eine L5-Radikulopathie und gegen eine isolierte Läsion des N. fibularis communis?
- ASchwäche der Eversion des Fußes
- BSchwäche der Inversion des Fußes
- CTaubheit am Fußrücken
- DSteppergang
- EAbgeschwächter Achillessehnenreflex
Lösung zeigen
Wie sieht der Gang bei Fallfuß aus?
Weil der Fuß in der Schwungphase nicht angehoben wird, hebt die Person das Knie stärker an, um nicht mit den Zehen hängen zu bleiben. Der Fuß setzt dann mit der Spitze oder flach auf. Dieser Steppergang ist das klinische Leitbild, sagt aber nichts über die Ebene. Den Fersengang kann die Person auf der betroffenen Seite nicht ausführen, den Zehenspitzengang meist schon, solange der N. tibialis intakt ist. Beim Zehenspitzenstand prüfst du grob die Plantarflexion, wenn das klinisch sicher möglich ist.
Welche Ursachen solltest du auf Station abfragen?
Bei Verdacht auf eine Fibularisläsion fragst du nach Druck auf die Außenseite des Knies: Übereinanderschlagen der Beine, langes Knien, enge Verbände oder Gips, ungünstige Lagerung während Operation oder Intensivaufenthalt. Deutlicher Gewichtsverlust erhöht das Risiko, weil das schutzende Fettpolster fehlt. Bei Verdacht auf eine Wurzelläsion stehen Rückenschmerz mit Ausstrahlung ins Bein, Verstärkung beim Husten oder Pressen und ein positiver Dehnungstest im Vordergrund. Eine proximale Ischiadicusläsion kommt nach Hüftoperationen, Beckenfrakturen oder fehlplatzierten Injektionen in das Gesäß vor.
Nicht jede Fallfußstellung ist eine lokale Druckläsion. Kommen beidseitige Ausfälle, aufsteigende Schwäche, Blasen- oder Mastdarmstörungen, eine Reithosenanästhesie oder gesteigerte Reflexe hinzu, braucht es eine rasche ärztliche Abklärung.
Die Unterscheidung von Fibularis und L5 ist im Lernheft Plexus & periphere Nerven eine eigene Fallfrage. Zusammen mit den Modulen zu N. ischiadicus und N. tibialis bekommst du dort das ganze Bein von der Wurzel bis zur Fußsohle.
Wie dokumentierst du den Befund?
Schreib die Kraft jedes geprüften Muskels einzeln mit Kraftgrad auf, zum Beispiel: Fußhebung rechts 2/5, Großzehenhebung rechts 2/5, Eversion rechts 3/5, Inversion seitengleich 5/5, Hüftabduktion seitengleich 5/5. Ergänze die Sensibilität mit genauem Areal und die Reflexe. Erst danach folgt die Interpretation, etwa: am ehesten Läsion des N. fibularis communis rechts, DD L5. So bleiben Ort, Ausmaß und Unsicherheit für die nächste Person nachvollziehbar.
Häufige Fragen
Warum reicht die Diagnose Fußheberschwäche nicht zur Lokalisation?
Weil Wurzel L5, Plexus, N. ischiadicus und N. fibularis dieselbe Schwäche erzeugen können. Erst Muskeln außerhalb des Fibularisgebiets und die Begleitzeichen grenzen die Ebene ein.
Welche Muskeln prüfst du zur Abgrenzung von L5?
Den M. tibialis posterior über die Inversion und den M. gluteus medius über die Hüftabduktion. Beide sind L5-betont, gehören aber nicht zum N. fibularis.
Wo ist der N. fibularis communis am stärksten gefährdet?
Am Fibulaköpfchen. Dort liegt er direkt unter der Haut auf dem Knochen und reagiert empfindlich auf Druck.
Was ist ein Steppergang?
Ein Gangbild, bei dem das Knie in der Schwungphase stärker angehoben wird, weil der Fuß nicht gehoben werden kann. Er zeigt eine Fußheberschwäche an, nicht deren Ursache.
Wann ist ein Fallfuß dringlich?
Bei plötzlichem Beginn mit starken Rückenschmerzen, bei beidseitigen Ausfällen, Blasen- oder Mastdarmstörungen, Reithosenanästhesie oder rasch zunehmender Schwäche.
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Dieser Artikel dient dem Lernen im Medizinstudium und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapieentscheidung. Untersuchungen am Patienten führst du nur im Rahmen deiner Ausbildung und unter Aufsicht durch. Stand: November 2026.

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