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SAMPLER und OPQRST: Strukturierte Notfallanamnese im Einsatz

SAMPLER und OPQRST Buchstabe für Buchstabe: Wie du im Einsatz in wenigen Minuten alle entscheidenden Informationen erhältst – auch bei nicht ansprechbaren Patienten.

Kurz gesagt: SAMPLER ist das Gerüst der Notfallanamnese und steht für Symptome, Allergien, Medikamente, Patientenvorgeschichte, letzte Mahlzeit und Ausscheidung, Ereignis und Risikofaktoren. OPQRST ergänzt es als Schmerzanamnese mit Onset, Provokation, Qualität, Ausstrahlung, Stärke und zeitlichem Verlauf. Beide laufen parallel zur körperlichen Untersuchung und liefern die Informationen für Verdachtsdiagnose und Übergabe.

Ein 68-jähriger Patient klagt über Druck auf der Brust. Du hast vielleicht acht Minuten bis zur Abfahrt. In dieser Zeit musst du alles erfahren, was in der Klinik über die weitere Versorgung entscheidet – und zwar so, dass nichts Wesentliches durchrutscht. Genau dafür gibt es Merkschemata: Sie ersetzen kein Gespräch, aber sie verhindern Lücken unter Zeitdruck.

Was ist die strukturierte Notfallanamnese – und warum ist das Thema prüfungsrelevant?

Was leisten SAMPLER und OPQRST? Sie sind Gedächtnisstützen, die den Gesprächsverlauf ordnen. SAMPLER erfasst die Gesamtsituation des Patienten, OPQRST vertieft ein Leitsymptom – meist Schmerz, anwendbar aber auch auf Luftnot oder Schwindel. Beide zusammen erzeugen ein Bild, das über „Brustschmerz seit heute Morgen“ deutlich hinausgeht.

Warum wird das geprüft? Weil die Anamnese in der präklinischen Notfallmedizin diagnostisch oft mehr Gewicht hat als jede Gerätemessung. In der praktischen Prüfung wird bewertet, ob du systematisch fragst, die Antworten sinnvoll verknüpfst und sie strukturiert weitergibst. Wer nur Vitalwerte abliest, verliert Punkte – und in der Realität Informationen.

SAMPLER Buchstabe für Buchstabe

Das Schema ist bewusst so aufgebaut, dass es vom Konkreten zum Allgemeinen führt. Du beginnst dort, wo der Patient selbst ansetzt – bei seinen Beschwerden – und arbeitest dich zu Vorgeschichte und Risikofaktoren vor.

Buchstabe Bedeutung Typische Frage Warum es zählt
S Symptome Was genau haben Sie? Seit wann? Leitsymptom und Beginn steuern die Verdachtsdiagnose
A Allergien Sind Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt? Relevant vor jeder Medikamentengabe und für die DD Anaphylaxie
M Medikamente Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig? Antikoagulation, Betablocker und Antidiabetika verändern Klinik und Therapie
P Patientenvorgeschichte Welche Vorerkrankungen oder Operationen gab es? Vorerkrankungen liefern oft die Diagnose direkt mit
L Letzte Mahlzeit und Ausscheidung Wann haben Sie zuletzt gegessen, getrunken, Wasser gelassen? Wichtig für Nüchternheit, Volumenstatus und abdominelle Bilder
E Ereignis Was ist unmittelbar vorher passiert? Klärt Unfallmechanismus, Auslöser und zeitlichen Ablauf
R Risikofaktoren Rauchen, Diabetes, Hypertonie, familiäre Belastung? Erhöht oder senkt die Wahrscheinlichkeit kardiovaskulärer Ereignisse

Zwei Punkte werden regelmäßig zu oberflächlich abgefragt. Bei M reicht „irgendwas fürs Herz“ nicht – lass dir den Medikamentenplan oder die Packungen zeigen. Und bei E lohnt die Nachfrage, was der Patient in dem Moment getan hat: Belastungsabhängiger Brustschmerz hat eine andere Wertigkeit als Schmerz in Ruhe.

OPQRST: die Schmerzanamnese im Detail

OPQRST vertieft ein einzelnes Symptom. O steht für Onset, den Beginn: plötzlich oder schleichend, in Ruhe oder unter Belastung. P für Provokation und Palliation: Was verschlimmert, was lindert die Beschwerden – Bewegung, Atmung, Lage, Nitrospray. Q für Qualität: drückend, brennend, stechend, kolikartig, vernichtend. Lass den Patienten hier möglichst frei formulieren, statt Antworten vorzugeben.

R steht für Radiation, also Ausstrahlung: in Arm, Kiefer, Rücken oder Schulter. S für Severity, die Stärke auf einer Skala von null bis zehn – wichtig vor allem als Verlaufsparameter. T für Time: Dauer, Verlauf, ob so etwas schon einmal aufgetreten ist. Gerade beim Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom entscheiden diese Angaben über Dringlichkeit und Zielklinik.

Wie sich Anamnese und ABCDE verzahnen

Die Anamnese ersetzt die Untersuchung nicht, sie läuft neben ihr. In der Praxis heißt das: Während dein Partner Blutdruck misst und ein EKG klebt, führst du das Gespräch. Beim kritischen Patienten wird die Anamnese zunächst auf ein Minimum reduziert – erst wenn die lebensbedrohlichen Probleme aus dem ABCDE-Schema versorgt sind, folgt der vollständige Durchgang.

Eine bewährte Reihenfolge: Leitsymptom und Ereignis sofort, Medikamente und Vorerkrankungen während der Erstversorgung, letzte Mahlzeit und Risikofaktoren auf dem Transport. So bleibt die Zeit an der Einsatzstelle kurz, ohne dass Informationen verloren gehen.

Fremdanamnese und nicht ansprechbare Patienten

Wenn der Patient nicht auskunftsfähig ist, verschiebt sich die Anamnese nach außen. Angehörige, Pflegekräfte, Ersthelfer und Zeugen liefern das Ereignis und den zeitlichen Ablauf. Genauso wichtig ist die Umfeldanamnese: Medikamentenplan, Notfallmedikamente auf dem Nachttisch, Blutzuckermessgerät, Sauerstoffkonzentrator, leere Blister, Alkoholflaschen, Pflegedokumentation, Patientenverfügung, Marcumar- oder Diabetikerausweis.

Nimm nach Möglichkeit den Medikamentenplan im Original mit oder fotografiere ihn. Und frage explizit nach dem letzten Zeitpunkt, zu dem der Patient sicher unauffällig war – diese Angabe ist beim Schlaganfall die entscheidende Größe für die weitere Therapie. Wie du diese Informationen anschließend verlustfrei weitergibst, beschreibt der Beitrag zur Kommunikation im Rettungsdienst.

4 H und HITS: Merkhilfe für reversible Ursachen

Bei unklaren Bewusstseinsstörungen und beim Kreislaufstillstand hilft eine zweite Merkhilfe. Die vier H stehen für Hypoxie, Hypovolämie, Hypo- oder Hyperkaliämie samt weiterer metabolischer Entgleisungen und Hypothermie. HITS steht für Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thromboembolie und Spannungspneumothorax. Beide Listen sind Ursachenkataloge, die du gezielt über die Anamnese abklopfst: Der Dialysepatient legt Kaliämie nahe, die frische Hüft-OP eine Lungenembolie, der leere Blister eine Intoxikation.

Genau darin liegt der Wert der strukturierten Anamnese: Sie liefert die Hinweise, mit denen sich behandelbare Ursachen von nicht behandelbaren trennen lassen. Die zugehörigen Krankheitsbilder und ihre Physiologie vertieft Modul 1: Medizinische Grundlagen.

Definition auf einen Blick

Begriff Definition
SAMPLER Merkschema der Notfallanamnese: Symptome, Allergien, Medikamente, Patientenvorgeschichte, letzte Mahlzeit, Ereignis, Risikofaktoren
OPQRST Merkschema der Schmerzanamnese: Onset, Provokation, Qualität, Radiation, Severity, Time
Fremdanamnese Erhebung der Vorgeschichte über Dritte, wenn der Patient nicht auskunftsfähig ist
Umfeldanamnese Informationsgewinn aus der Umgebung: Medikamentenplan, Hilfsmittel, Dokumente, Auffindesituation
4 H und HITS Merkhilfe für reversible Ursachen von Kreislaufstillstand und Bewusstlosigkeit

Key Takeaways

  • SAMPLER strukturiert die Gesamtanamnese, OPQRST vertieft ein einzelnes Leitsymptom.
  • Die Anamnese läuft parallel zur Untersuchung, beim kritischen Patienten zunächst stark verkürzt.
  • Medikamentenplan und Ereignis sind die beiden ergiebigsten Punkte – frag hier konkret nach.
  • Bei nicht ansprechbaren Patienten liefern Fremd- und Umfeldanamnese die entscheidenden Hinweise.
  • 4 H und HITS helfen, behandelbare Ursachen gezielt abzufragen statt zu raten.

Einordnung

Die Schemata sind fester Bestandteil der notfallmedizinischen Ausbildungsliteratur und der Lehrpläne für Rettungssanitäter und Notfallsanitäter nach den Ausbildungsverordnungen der Länder und dem Notfallsanitätergesetz. Die Ursachenkataloge 4 H und HITS entsprechen den reversiblen Ursachen in den Leitlinien des European Resuscitation Council. Für die Bewertung einzelner Symptome gelten ergänzend die einschlägigen AWMF-Leitlinien der jeweiligen Fachgesellschaft.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wofür steht SAMPLER?

Für Symptome, Allergien, Medikamente, Patientenvorgeschichte, letzte Mahlzeit und Ausscheidung, Ereignis und Risikofaktoren.

2. Wofür steht OPQRST?

Für Onset, Provokation und Palliation, Qualität, Radiation, Severity und Time – das Schema der Schmerzanamnese.

3. Wann nutze ich welches Schema?

SAMPLER immer als Rahmen. OPQRST zusätzlich, sobald ein Leitsymptom wie Schmerz genauer beschrieben werden soll.

4. Wie gehe ich bei bewusstlosen Patienten vor?

Über Fremd- und Umfeldanamnese: Angehörige befragen, Medikamentenplan, Hilfsmittel, Blister und Dokumente sichten.

5. Warum ist die letzte Mahlzeit relevant?

Sie beeinflusst die Nüchternheit vor einer Narkose und liefert Hinweise auf Volumenstatus und abdominelle Ursachen.

6. Was bedeuten die vier H?

Hypoxie, Hypovolämie, Hypo- oder Hyperkaliämie mit weiteren metabolischen Ursachen sowie Hypothermie.

7. Wofür steht HITS?

Für Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thromboembolie und Spannungspneumothorax.

8. Wie viel Zeit darf die Anamnese kosten?

Beim stabilen Patienten so viel wie nötig, beim kritischen nur das Notwendigste. Der Rest folgt während des Transports.

9. Was gehört aus der Anamnese in die Übergabe?

Leitsymptom mit Zeitverlauf, Vorerkrankungen, Dauermedikation, Allergien und der Ereignishergang – kurz und in fester Reihenfolge.

Weiterlesen …

Den Untersuchungsgang, in den sich die Anamnese einfügt, beschreibt Das ABCDE-Schema im Rettungsdienst. Für die Weitergabe der Informationen ist Kommunikation im Rettungsdienst: Funkdisziplin, Übergabe und SBAR der nächste Schritt. Wie die Anamnese eine konkrete Verdachtsdiagnose trägt, zeigt Akutes Koronarsyndrom im Rettungsdienst, und die Gesprächsführung dahinter vertieft Arzt-Patient-Kommunikation einfach erklärt.

Anamnese, die in der Prüfung trägt

Merkschemata sitzen erst, wenn du sie an Fallbeispielen durchgespielt hast. Dafür gibt es passende Lernpakete:

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Über den Autor
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