Diabetischer Fuß: Neuropathie und Ischämie getrennt untersuchen

Kurz gesagt: Beim diabetischen Fuß prüfst du drei getrennte Achsen: Nerven, Durchblutung und Infektion. Die Neuropathie nimmt die Schutzsensibilität, sodass Druckstellen unbemerkt bleiben. Die Ischämie verhindert die Heilung. Beide treten oft gemeinsam auf. Erhaltene Sensibilität schließt eine Durchblutungsstörung nicht aus, und ein schmerzloser Fuß ist kein gesunder Fuß.

  • Blockpraktikum und Famulatur
  • Drei Achsen prüfen
  • Lernheft Modul 15
Lernheft Diabetes & Stoffwechselstörungen von Medizin Helden
Lernheft Diabetes & Stoffwechselstörungen18 Module mit Fallfragen, Bildtafeln und Selbsttests. Zum passenden Material

Im Blockpraktikum Innere Medizin oder in der Famulatur wirst du früher oder später gebeten, „mal eben die Füße anzuschauen“. Die Fußuntersuchung bei Diabetes dauert wenige Minuten, wenn du weißt, was du suchst. Sie gehört außerdem zu den beliebten OSCE-Stationen. Diese Seite gibt dir den Ablauf, die Interpretation und die typischen Denkfehler.

Warum entstehen Ulzera am diabetischen Fuß?

Die distal-symmetrische Polyneuropathie betrifft zuerst die langen Fasern, also die Füße. Fehlen Druck-, Schmerz- und Temperaturempfinden, bemerkt die betroffene Person Blasen, Steinchen im Schuh oder zu heißes Badewasser nicht. Die motorische Neuropathie verformt den Fuß, es entstehen Krallenzehen und neue Druckpunkte. Die autonome Neuropathie macht die Haut trocken und rissig. Kommt eine periphere arterielle Verschlusskrankheit dazu, heilt die Wunde schlecht und infiziert sich leichter.

Wie unterscheiden sich neuropathisches und ischämisches Ulkus?

Merkmal Neuropathisch Ischämisch
Lokalisation Plantar an Druckpunkten, z. B. unter dem Metatarsaleköpfchen Akral an Zehenspitzen, Ferse, Fußrand
Hautbefund Warm, trocken, Hornhautwall um das Ulkus Kühl, blass oder livide, dünne Haut, Haarverlust
Schmerz Meist schmerzlos Oft schmerzhaft, durch Neuropathie aber maskierbar
Pulse Tastbar Abgeschwächt oder fehlend
Wichtigste Maßnahme Konsequente Druckentlastung Gefäßdiagnostik und Revaskularisation prüfen

Wie läuft die Fußuntersuchung ab?

  1. Inspektion

    Haut und Form

    Beide Füße ohne Socken ansehen, auch zwischen den Zehen: Hornhaut, Rhagaden, Blasen, Ulzera, Fehlstellungen, Schuhwerk.

  2. Neurologie

    Sensibilität

    10-g-Monofilament an mehreren plantaren Punkten, Vibrationsempfinden mit der 128-Hz-Stimmgabel nach Rydel-Seiffer, Achillessehnenreflex.

  3. Gefäße

    Perfusion

    A. dorsalis pedis und A. tibialis posterior tasten, Kapillarfüllung, Knöchel-Arm-Index bestimmen.

  4. Infektion

    WundeKnochen

    Rötung, Überwärmung, Sekret, Geruch. Sondierbarer Knochen im Ulkus weist auf eine Osteomyelitis hin.

Wie wird der Befund klassifiziert?

Die Wagner-Armstrong-Klassifikation kombiniert zwei Achsen. Die Wagner-Grade 0 bis 5 beschreiben die Tiefe, vom Risikofuß ohne Wunde über oberflächliche und tiefe Ulzera mit Beteiligung von Sehne, Kapsel oder Knochen bis zur Nekrose des Vorfußes oder des ganzen Fußes. Die Armstrong-Stadien A bis D ergänzen: A ohne Infektion und Ischämie, B mit Infektion, C mit Ischämie, D mit beidem. So wird aus „Wunde am Fuß“ ein Befund, der Therapie und Dringlichkeit festlegt.

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Ein geröteter, überwärmter, geschwollener Fuß ohne Wunde bei Neuropathie wird leicht als Erysipel oder Gichtanfall verkannt. Der akute Charcot-Fuß braucht sofortige Ruhigstellung und Entlastung, sonst bricht das Fußgewölbe zusammen.

Häufig gestellte Fragen

1. Wie prüft man die Schutzsensibilität?

Mit dem 10-g-Monofilament an mehreren plantaren Stellen. Wird es an einer Stelle nicht gespürt, ist die Schutzsensibilität vermindert.

2. Was misst die Stimmgabel nach Rydel-Seiffer?

Das Vibrationsempfinden über die Hinterstrangbahnen. Ein vermindertes Empfinden am Großzehengrundgelenk ist ein frühes Zeichen der Polyneuropathie.

3. Warum ist der Knöchel-Arm-Index bei Diabetes oft unzuverlässig?

Wegen der Mediasklerose lassen sich die Unterschenkelarterien nicht komprimieren. Der Wert wird falsch hoch und kann eine PAVK verdecken.

4. Was ist die wichtigste Therapie beim neuropathischen Ulkus?

Konsequente Druckentlastung, zum Beispiel mit Orthesen oder Vollkontaktgips, kombiniert mit Wundbehandlung und Infektkontrolle.

5. Wann denkt man an eine Osteomyelitis?

Wenn im Ulkus Knochen sondierbar ist, die Wunde trotz Entlastung nicht heilt oder Entzündungswerte steigen. Bildgebung, bevorzugt MRT, und Knochenprobe sichern die Diagnose.

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