Diabetische Nephropathie: Albuminurie und eGFR getrennt lesen
Kurz gesagt: Albuminurie und eGFR messen zwei verschiedene Dinge. Die Albumin-Kreatinin-Ratio zeigt, ob die glomeruläre Filtrationsbarriere durchlässig geworden ist, die eGFR, wie viel Filtrat pro Zeit entsteht. Eine erhöhte Albuminurie bei normaler eGFR ist deshalb kein Widerspruch, sondern ein frühes Zeichen einer Nierenschädigung. Umgekehrt kann die eGFR fallen, ohne dass viel Albumin im Urin erscheint.
M2 und Blockpraktikum
Zwei Achsen: G und A
Lernheft Modul 13 und 14
Lernheft Diabetes & Stoffwechselstörungen18 Module mit Fallfragen, Bildtafeln und Selbsttests. Zum passenden Material
Der Diabetes ist eine der häufigsten Ursachen einer chronischen Nierenerkrankung bis hin zur Dialyse. In der Ambulanz und auf Station begegnen dir dabei immer dieselben zwei Laborwerte, und in Fallfragen werden sie gern gegeneinander ausgespielt. Wenn du verstehst, welche Funktion jeder Wert abbildet, kannst du die Befunde richtig einordnen und kennst die nächsten Schritte.
Wie ist die Filtrationsbarriere aufgebaut?
Die glomeruläre Barriere hat drei Schichten. Das fenestrierte Endothel hält Zellen zurück. Die glomeruläre Basalmembran aus Typ-IV-Kollagen und negativ geladenen Proteoglykanen bremst große und negativ geladene Moleküle wie Albumin. Die Podozyten mit ihren Schlitzdiaphragmen, in denen Nephrin eine zentrale Rolle spielt, bilden die letzte Schicht. Das Filtrat ist dadurch zell- und proteinarm. Beim Diabetes verdickt sich die Basalmembran, das Mesangium nimmt zu, später entstehen die nodulären Kimmelstiel-Wilson-Läsionen. Podozyten gehen verloren, Albumin tritt vermehrt über.
Was messen UACR und eGFR?
Messgröße
Was sie abbildet
Typische Störgrößen
Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR)
Selektivität der Barriere, also den Stoffdurchtritt
Weil eine einzelne erhöhte UACR durch akute Einflüsse entstehen kann, gilt eine Albuminurie erst als bestätigt, wenn mindestens zwei von drei Proben innerhalb von drei bis sechs Monaten erhöht sind. Für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung müssen die Veränderungen länger als drei Monate bestehen.
Wie werden die Stadien eingeteilt?
Die KDIGO-Klassifikation nutzt beide Achsen nebeneinander. Die G-Stadien beschreiben die eGFR: G1 ab 90, G2 60 bis 89, G3a 45 bis 59, G3b 30 bis 44, G4 15 bis 29 und G5 unter 15 ml/min/1,73 m². Die A-Stadien beschreiben die Albuminurie: A1 unter 30, A2 30 bis 300 und A3 über 300 mg/g Kreatinin. Ein Befund wird also zum Beispiel als G2A2 angegeben. Je weiter rechts unten in der Matrix, desto höher das Risiko für Progression und kardiovaskuläre Ereignisse.
Was folgt aus dem Befund?
Screening: Menschen mit Diabetes erhalten regelmäßig UACR und eGFR, in der Regel jährlich.
Blutdruck: konsequent einstellen, bei Albuminurie bevorzugt mit ACE-Hemmer oder AT1-Antagonist.
Organschutz: SGLT2-Hemmer verlangsamen den eGFR-Verlust, weitere Substanzen nach Leitlinie.
Andere Ursachen: bei raschem eGFR-Abfall, aktivem Sediment oder fehlender Retinopathie an andere Nierenerkrankungen denken.
Medikamente: Dosierungen nierengerecht anpassen, Kontrastmittel und nephrotoxische Substanzen kritisch prüfen.
Vorklinik bis Klinik
Lernheft Diabetes & Stoffwechselstörungen
Nierenfolgen und Filtrationsbarriere als Paar aus klinischem Vergleich und Grundlagenmodul.
Albuminurie gegen Filtrationsverlust mit Gegenfall
Kapillare, Basalmembran, Podozyten und Filtrat zum Beschriften
64 Seiten PDF mit Selbsttests und Lösungsschlüssel
Die Antwortoption „Niere gesund, da eGFR normal“ ist in solchen Fällen fast immer falsch. Eine Barrierestörung kann lange vor einer messbaren Abnahme der Filtrationsleistung bestehen.
Häufig gestellte Fragen
1. Ab wann gilt eine Albuminurie als erhöht?
Ab einer Albumin-Kreatinin-Ratio von 30 mg/g, bestätigt in mindestens zwei von drei Proben innerhalb von drei bis sechs Monaten.
2. Warum misst man das Verhältnis zu Kreatinin?
Das Verhältnis gleicht Schwankungen der Urinkonzentration aus. So reicht eine Spontanurinprobe statt eines 24-Stunden-Sammelurins.
3. Was sind Kimmelstiel-Wilson-Läsionen?
Noduläre Ablagerungen im Mesangium der Glomeruli. Sie gelten als typischer histologischer Befund der diabetischen Nephropathie.
4. Kann die eGFR ohne Albuminurie sinken?
Ja. Ein Filtrationsverlust ohne deutliche Albuminurie kommt vor, besonders bei älteren Menschen mit Gefäßerkrankungen. Dann verdienen auch andere Nierenursachen Beachtung.
5. Welche Rolle spielt die Retinopathie?
Beide sind mikrovaskuläre Folgen. Fehlt bei einem Menschen mit Typ-1-Diabetes und Nierenerkrankung die Retinopathie, spricht das eher für eine andere Nierenursache.
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