Primäre Dysmenorrhö oder Endometriose? Zyklische Schmerzen richtig einordnen
Kurz gesagt: Die primäre Dysmenorrhö entsteht durch prostaglandinvermittelte Uteruskontraktionen und beginnt meist kurz nach der Menarche, gebunden an die Menstruation. Bei der Endometriose wächst endometriumähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter und kann neben zyklischen Schmerzen auch Dyspareunie, Fertilitätsprobleme und azyklische Beschwerden verursachen. Vor allem oberflächliche Herde sind sonografisch oft unsichtbar.
M2 und Famulatur
Zeitlicher Verlauf entscheidet
Unauffälliger Ultraschall ist kein Ausschluss
Lernheft Gynäkologie & SchwangerschaftZyklische Schmerzen als klinischer Vergleich mit Fall. Zum passenden Material
Regelschmerzen sind häufig, und gerade deshalb werden sie oft unterschätzt. Die Endometriose wird im Mittel erst nach Jahren diagnostiziert, unter anderem weil Schmerzen als normal eingeordnet werden und die Bildgebung unauffällig sein kann. Im Examen und in der gynäkologischen Sprechstunde geht es darum, die Warnzeichen zu erkennen, die über eine primäre Dysmenorrhö hinausgehen.
Was unterscheidet primäre Dysmenorrhö und Endometriose?
Primäre Dysmenorrhö
Prostaglandinvermittelte Uteruskontraktionen
Beginn kurz nach der Menarche
Schmerz an die Menstruation gebunden
Keine organische Ursache
Endometriose
Endometriumähnliches Gewebe außerhalb des Uterus
Dyspareunie, Dyschäzie, Dysurie möglich
Fertilitätsprobleme
Beschwerden auch azyklisch
Merkmal
Primäre Dysmenorrhö
Endometriose
Beginn
Mit den ersten ovulatorischen Zyklen
Häufig später, zunehmend
Zeitlicher Bezug
Erste Tage der Menstruation
Vor, während und zunehmend auch zwischen den Menstruationen
Begleitbeschwerden
Übelkeit, Kopfschmerz, Durchfall
Dyspareunie, Schmerzen bei Stuhlgang oder Miktion
Untersuchung
Unauffällig
Teils Druckschmerz im Douglas-Raum, Knoten, Endometriome
Ansprechen auf NSAR
Meist gut
Oft unzureichend
Warum ist die Endometriose trotz unauffälliger Sonografie möglich?
Die transvaginale Sonografie erkennt vor allem Endometriome am Ovar und tief infiltrierende Herde. Oberflächliche peritoneale Herde sind dagegen oft nur wenige Millimeter groß und sonografisch nicht sichtbar. Anamnese und Untersuchung bleiben deshalb entscheidend. Die Diagnose kann auch klinisch gestellt und eine Therapie begonnen werden; die histologische Sicherung erfolgt bei Bedarf laparoskopisch.
Kreuzfalle
Ein azyklischer Schmerzanteil schließt eine Endometriose nicht aus. Umgekehrt beweist er sie nicht: Verlauf, Funktionsverlust und alternative Ursachen wie Adhesionen, chronische Entzündung oder Darmerkrankungen gehören zur Abklärung.
Gynäkologische Leitsymptome
Gynäkologie & Schwangerschaft
Zyklische und akute Unterbauchschmerzen, Zyklusphysiologie und Zervixdiagnostik in Vergleichen mit Fallfrage.
Beginn: seit der Menarche oder später aufgetreten?
Verlauf: gleichbleibend oder zunehmend, zyklisch oder auch zwischen den Blutungen?
Begleitsymptome: Dyspareunie, Schmerzen bei Stuhlgang oder Wasserlassen
Kinderwunsch: seit wann, mit welchem Ergebnis?
Medikamente: Wirkung von NSAR und hormoneller Kontrazeption
Alltag: Fehltage, Einschränkungen in Studium oder Beruf
In der Famulatur hilft diese Liste, eine strukturierte Schmerzanamnese zu üben. Sie ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie viel die Anamnese in der Gynäkologie zur Diagnose beiträgt.
Häufig gestellte Fragen
1. Was verursacht die primäre Dysmenorrhö?
Prostaglandine aus dem Endometrium, die bei der Menstruation freigesetzt werden und Uteruskontraktionen sowie Ischämie auslösen.
2. Kann man Endometriose im Ultraschall sicher sehen?
Nur teilweise. Endometriome und tiefe Herde sind oft sichtbar, oberflächliche peritoneale Herde häufig nicht.
3. Was ist eine sekundäre Dysmenorrhö?
Regelschmerzen mit organischer Ursache, etwa durch Endometriose, Adenomyose oder Myome. Sie beginnen oft später im Leben.
4. Warum dauert die Diagnose der Endometriose oft so lange?
Weil Regelschmerzen als normal gelten, die Symptome unspezifisch sein können und die Bildgebung oft unauffällig ist.
5. Schließen azyklische Schmerzen eine Endometriose aus?
Nein. Mit zunehmender Dauer können die Beschwerden auch zwischen den Menstruationen auftreten.
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