Hepcidin und Eisenstoffwechsel: Resorption, Transport und Speicher verstehen
Kurz gesagt: Der Körper kann Eisen kaum aktiv ausscheiden, deshalb wird die Aufnahme gesteuert. Schaltzentrale ist Hepcidin aus der Leber. Es bindet an Ferroportin, den einzigen bekannten Eisenexporter, und legt ihn still. Dann gelangt weniger Eisen aus dem Darm und aus den Makrophagen ins Blut. Entzündung erhöht Hepcidin und erzeugt einen funktionellen Eisenmangel trotz voller Speicher. Zu wenig Hepcidin führt zur Eisenüberladung, wie bei der Hämochromatose.
Physikum und Klinik
Hepcidin blockiert Ferroportin
Lernheft Modul 05
Lernheft Anämien & Blutbild18 Module mit Fallfragen, Bildtafeln und Selbsttests. Zum passenden Material
Der Eisenstoffwechsel gilt als Faktenthema mit vielen Proteinnamen. Dabei folgt er einer klaren Logik: Eisen ist nützlich und zugleich toxisch, freie Eisenionen fördern die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies. Der Körper hält Eisen deshalb fast immer an Proteine gebunden und steuert die Menge über die Aufnahme. Wer diese Logik verstanden hat, kann im Physikum die Transporter zuordnen und in der Klinik Ferritin und Transferrinsättigung interpretieren.
Wie wird Eisen aufgenommen?
Die Resorption findet vor allem im Duodenum und oberen Jejunum statt. Nicht-Häm-Eisen liegt in der Nahrung meist als Fe3+ vor. Eine Ferrireduktase der Bürstensaummembran, das duodenale Cytochrom b, reduziert es zu Fe2+, das über den divalenten Metalltransporter DMT1 in die Enterozyten gelangt. Vitamin C fördert diese Reduktion, Phytate, Tannine und Calcium hemmen die Aufnahme. Häm-Eisen aus Fleisch wird über einen eigenen Weg aufgenommen und besser verwertet. In der Zelle wird Eisen entweder als Ferritin gespeichert oder basolateral über Ferroportin exportiert. Hephaestin oxidiert es dabei wieder zu Fe3+, damit es an Transferrin binden kann.
Welche Proteine musst du kennen?
Protein
Funktion
Klinische Bedeutung
DMT1
Apikale Aufnahme von Fe2+ im Enterozyten
Wird bei Eisenmangel hochreguliert
Ferroportin
Eisenexport aus Enterozyten, Makrophagen und Hepatozyten
Angriffspunkt von Hepcidin
Transferrin
Transport von Fe3+ im Plasma
Transferrinsättigung zeigt das verfügbare Eisen
Transferrinrezeptor
Aufnahme in Erythroblasten und andere Zellen
Löslicher Rezeptor steigt bei Eisenbedarf der Blutbildung
Ferritin
Intrazellulärer Eisenspeicher
Serumferritin schätzt die Speicher, steigt aber als Akutphaseprotein
Hepcidin
Hemmt Ferroportin
Hoch bei Entzündung, niedrig bei Hämochromatose und gesteigerter Erythropoese
Woher kommt das meiste Eisen für die Blutbildung?
Nicht aus der Nahrung. Täglich werden nur etwa 1 bis 2 mg Eisen resorbiert und ungefähr ebenso viel über abgeschilferte Zellen und kleine Blutverluste verloren. Der große Strom kommt aus dem Recycling: Makrophagen in Milz und Leber bauen gealterte Erythrozyten ab und geben täglich rund 20 mg Eisen über Ferroportin zurück ins Blut. Deshalb trifft eine Blockade von Ferroportin die Blutbildung schnell, auch wenn die Speicher voll sind.
Was steuert Hepcidin?
Hepcidin steigt: bei Entzündung über Interleukin-6 und bei hohem Eisenbestand
Hepcidin sinkt: bei Eisenmangel, Hypoxie und gesteigerter Erythropoese, vermittelt unter anderem über Erythroferron aus den Erythroblasten
Folge hoher Werte: Eisen bleibt in Makrophagen und Enterozyten gefangen, das Serumeisen fällt
Folge niedriger Werte: ungebremste Aufnahme, langfristig Eisenüberladung
Die Merkkette im Lernheft lautet: Entzündung, Hepcidin steigt, verfügbares Eisen sinkt. Evolutionär ergibt das Sinn, weil viele Bakterien Eisen zum Wachstum brauchen. Bei chronischer Entzündung wird daraus die Anämie der chronischen Erkrankung.
Vorklinik bis Klinik
Lernheft Anämien & Blutbild
Eisen, Zellvolumen und Markantwort als aufeinander aufbauende Module mit Fallfragen.
Speichermangel gegen funktionellen Mangel mit Gegenfall
Mikrozytose gegen Makrozytose
64 Seiten PDF mit Selbsttests und Lösungsschlüssel
Ein Eisenmangel entwickelt sich schrittweise. Zuerst leeren sich die Speicher, das Ferritin fällt, Hämoglobin und MCV sind noch normal. Das ist der Gegenfall im Lernheft: niedriges Ferritin bei noch normalem Hämoglobin. Danach sinkt die Transferrinsättigung, die Blutbildung bekommt zu wenig Eisen, der lösliche Transferrinrezeptor steigt. Erst im letzten Stadium entsteht die mikrozytäre, hypochrome Anämie. Speicherstatus und Hämoglobin beschreiben also verschiedene Stadien desselben Prozesses.
Häufig gestellte Fragen
1. Wo wird Eisen resorbiert?
Vor allem im Duodenum und im oberen Jejunum, als Fe2+ über DMT1 oder als Häm-Eisen über einen eigenen Transportweg.
2. Was macht Hepcidin?
Es bindet an Ferroportin und führt zu dessen Abbau. Dadurch gelangt weniger Eisen aus Darm, Makrophagen und Leber ins Blut.
3. Warum ist Ferritin bei Entzündung erhöht?
Ferritin ist ein Akutphaseprotein und steigt bei Entzündung unabhängig vom Eisenbestand. Ein normales Ferritin schließt deshalb einen Eisenmangel bei Entzündung nicht aus.
4. Warum hemmt Tee die Eisenaufnahme?
Tannine und Polyphenole binden Nicht-Häm-Eisen im Darm zu schwer resorbierbaren Komplexen. Phytate aus Vollkorn und Calcium wirken ähnlich.
5. Wie viel Eisen wird täglich aufgenommen?
Etwa 1 bis 2 mg. Der weitaus größere Teil des für die Blutbildung benötigten Eisens stammt aus dem Abbau gealterter Erythrozyten durch Makrophagen.
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