Kultur oder PCR? Erregernachweis richtig einordnen
Kurz gesagt: Die Kultur weist vermehrungsfähige Erreger nach und ermöglicht meist eine phänotypische Empfindlichkeitstestung. Die PCR weist ausgewählte Nukleinsäuresequenzen nach, schnell und empfindlich, aber nur für die Ziele, auf die sie ausgelegt ist. Nach antibiotischer Vorbehandlung kann die Kultur negativ bleiben, während die PCR noch positiv ist. Das ist kein Widerspruch, beide Verfahren messen Verschiedenes.
Mikrobiologie, Famulatur, PJ
Module PCR und Erregernachweis
Was misst der Test?
Lernheft Antibiotika & Bakterien18 Module von Zellwand und Ribosom bis Antibiogramm und Therapieprüfung. Zum passenden Material
Auf Station kommen mikrobiologische Befunde aus verschiedenen Verfahren: Blutkulturen, Abstriche, Urinkulturen, Multiplex-PCR aus Liquor oder Atemwegsmaterial. Jedes Verfahren beantwortet eine eigene Frage. Wer weiß, was gemessen wurde, kann einen scheinbar widersprüchlichen Befund erklären und die richtige nächste Frage stellen. Die Grundlage dafür ist das PCR-Prinzip aus der Molekularbiologie.
Wie funktioniert die PCR?
Die Polymerase-Kettenreaktion vervielfältigt einen definierten DNA-Abschnitt. In jedem Zyklus wird der Doppelstrang durch Hitze getrennt (Denaturierung), Primer lagern sich an ihre Zielsequenz an (Annealing), und eine hitzestabile Polymerase verlängert den neuen Strang (Elongation). Nach vielen Zyklen ist die Zielsequenz exponentiell angereichert. Für RNA-Viren wird die RNA vorher in cDNA umgeschrieben. Die Real-Time-PCR misst die Zunahme während der Reaktion und erlaubt eine semiquantitative Aussage.
Denaturierung: Stränge trennen
Annealing: Primer binden an die gesuchte Sequenz
Elongation: Polymerase verlängert
Kontrollen: Negativkontrollen decken Kontamination und unspezifische Signale auf
Worin unterscheiden sich Kultur und PCR?
Merkmal
Kultur
PCR
Was wird nachgewiesen?
Vermehrungsfähige Organismen
Ausgewählte Nukleinsäuresequenzen
Zeit bis zum Ergebnis
Meist ein bis mehrere Tage
Oft wenige Stunden
Empfindlichkeitstestung
Phänotypisches Antibiogramm möglich
Nur einzelne Resistenzgene, etwa mecA
Nach Vorbehandlung
Kann negativ werden
Kann noch positiv sein, auch durch DNA-Reste
Breite
Erfasst viele anzuchtbare Erreger
Nur die Ziele im Panel
Schwer anzuchtbare Erreger
Oft unzuverlässig
Hier liegt eine Stärke, etwa bei Chlamydien oder Viren
Was bedeutet eine negative Panel-PCR?
Eine Multiplex-PCR sucht nach einer festen Auswahl von Erregern. Ist sie negativ, sind genau diese Ziele nicht nachgewiesen. Ein Keim, der nicht im Panel enthalten ist, kann trotzdem wachsen. Das Heft beschreibt genau diesen Gegenfall: Die PCR bleibt negativ, die Kultur zeigt einen Erreger außerhalb des Panels. Für die Praxis heißt das, auf dem Befund immer zu prüfen, welche Ziele getestet wurden, und bei passender Klinik weitere Diagnostik zu veranlassen.
Ein PCR-Signal beantwortet nicht jede Frage
Eine positive PCR zeigt, dass die Zielsequenz vorhanden ist. Ob der Erreger lebt, ob er die Erkrankung verursacht und gegen welche Antibiotika er empfindlich ist, beantwortet sie nicht automatisch. Nach erfolgreicher Behandlung können Reste noch nachweisbar sein, deshalb ist die PCR als Kontrolle des Therapieerfolgs oft ungeeignet.
Was gilt für Blutkulturen auf Station?
Blutkulturen werden möglichst vor Beginn der Antibiotikatherapie abgenommen, ohne diese bei Sepsis zu verzögern. Üblich sind mindestens zwei Sets aus aerober und anaerober Flasche, idealerweise aus getrennten Punktionen. Das ausreichende Füllvolumen erhöht die Ausbeute. Hautkeime wie koagulasenegative Staphylokokken in nur einer von mehreren Flaschen sprechen eher für eine Kontamination, vor allem ohne Fremdmaterial. Staphylococcus aureus in der Blutkultur gilt dagegen nie als Verunreinigung. Die Identifizierung erfolgt heute oft per MALDI-TOF, das Antibiogramm folgt aus der Kultur.
Lernheft 17
Antibiotika & Bakterien
64 Seiten mit 18 Modulen, in denen du Befunde aus Kultur, PCR und Abstrich begründet einordnest.
PCR-Grundlagen mit Beschriftung aus dem Gedächtnis
Kultur gegen PCR und Kolonisation gegen Infektion
Bildtafeln und zwei Selbsttests mit Lösungsschlüssel
Im Physikum geht es um das Prinzip: Schritte der PCR, Rolle der Primer, warum eine hitzestabile Polymerase nötig ist und wofür Negativkontrollen gebraucht werden. Im M2 erscheinen die Verfahren im Fall: der vorbehandelte Patient mit steriler Kultur, die positive PCR nach abgeschlossener Therapie, die einzelne Blutkulturflasche mit Hautkeimen. Die richtige Antwort ergibt sich fast immer aus der Frage, was das jeweilige Verfahren misst. Lerne deshalb nicht die Testnamen, sondern die Messgröße dahinter.
Häufig gestellte Fragen
1. Warum kann die Kultur negativ und die PCR positiv sein?
Die Kultur braucht vermehrungsfähige Erreger, die PCR nur die Zielsequenz. Nach Vorbehandlung kann die Anzucht scheitern, während Nukleinsäure noch nachweisbar ist.
2. Schließt eine negative Multiplex-PCR eine Infektion aus?
Nein. Sie schließt nur die Erreger aus, die im Panel enthalten sind. Andere Keime können trotzdem vorliegen.
3. Wozu braucht die PCR Negativkontrollen?
Sie zeigen, ob Kontamination oder unspezifische Signale vorliegen. Weil die PCR kleinste Mengen vervielfältigt, kann schon eine geringe Verunreinigung ein falsch positives Ergebnis erzeugen.
4. Liefert die PCR ein Antibiogramm?
In der Regel nicht. Einzelne Resistenzgene wie mecA lassen sich nachweisen, die vollständige phänotypische Empfindlichkeit zeigt aber erst die Kultur mit Antibiogramm.
5. Wann werden Blutkulturen abgenommen?
Möglichst vor Beginn der Antibiotikatherapie, mit mindestens zwei Sets aus aerober und anaerober Flasche. Bei Sepsis darf die Abnahme den Therapiebeginn nicht verzögern.
Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Die Inhalte dienen dem Lernen im Studium und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieentscheidung.