Laktat erhöht: Bildung, Elimination und Biochemie für Physikum und M2
Kurz gesagt: Die gemessene Laktatkonzentration ist das Ergebnis aus Bildung und Elimination. Sie steigt bei Minderperfusion, aber auch nach starker Muskelarbeit, unter adrenerger Stimulation und wenn die Leber Laktat schlechter verwertet. Biochemisch entsteht Laktat, weil die Laktatdehydrogenase NAD+ für die Glykolyse regeneriert. Ein hoher Wert ist deshalb ein Warnsignal, aber kein Beweis für einen Schock.
Biochemie und Klinik
Bildung gegen Elimination
Immer im Verlauf lesen
Lernheft Schock, Sepsis & NotfallgrundlagenLaktat und Laktatbildung als Doppelmodul mit Fall und Gegenfall. Zum passenden Material
Laktat ist einer der Werte, die in der Notaufnahme schnell zur Hand sind, weil die Blutgasanalyse ihn nach wenigen Minuten liefert. Genau deshalb wird er häufig überinterpretiert. In Fallfragen taucht ein erhöhtes Laktat oft als Lockvogel auf, etwa nach einem Krampfanfall oder bei bekannter Leberzirrhose. Wer weiß, wie Laktat entsteht und wie es abgebaut wird, erkennt diese Fallen. Gleichzeitig ist das Thema ein Klassiker der Biochemie im Physikum.
Wie entsteht Laktat biochemisch?
In der Glykolyse wird Glucose zu Pyruvat abgebaut. Dabei entsteht NADH. Damit die Glykolyse weiterlaufen kann, muss NAD+ regeneriert werden. Unter aeroben Bedingungen geschieht das über die Atmungskette in den Mitochondrien. Die Laktatdehydrogenase bietet einen zweiten Weg: Sie reduziert Pyruvat zu Laktat und oxidiert dabei NADH zu NAD+.
Glucose wird zu Pyruvat abgebaut
NADH entsteht in der Glykolyse
LDH reduziert Pyruvat zu Laktat
NAD+ steht wieder zur Verfügung
Wichtig fürs Physikum: Laktat entsteht auch unter vorhandener Sauerstoffversorgung. Erythrozyten haben keine Mitochondrien und sind vollständig auf diesen Redoxweg angewiesen. Laktat ist außerdem kein Abfallprodukt, sondern ein verwertbarer Stoff. Die Leber nutzt es zur Gluconeogenese (Cori-Zyklus), Herz und Skelettmuskel können es oxidieren.
Zeitlicher Zusammenhang, rascher Abfall in der Kontrolle
Verminderte Elimination
Schwere Leberfunktionsstörung
Leberwerte, Gerinnung, verzögerter Abfall
Kombination
Septischer Schock bei vorgeschädigter Leber
Verlauf mehrerer Organbefunde statt eines Einzelwerts
Vermehrte Bildung
Minderperfusion kann Laktat erhöhen
Auch Muskelarbeit und Katecholamine tragen bei
Nach Krampfanfall oft rascher Abfall
Verminderte Elimination
Vor allem die Leber verwertet Laktat
Bei schwerer Leberfunktionsstörung fällt der Wert verzögert
Der Verlauf integriert mehrere Prozesse
Beweist ein hohes Laktat einen septischen Schock?
Nein. Ein erhöhtes Laktat ist ein Hinweis auf eine gestörte Balance aus Bildung und Abbau. In der Sepsis ist es ein wichtiger Risikomarker, und ein steigender Wert trotz Therapie ist ein Alarmsignal. Die Diagnose stellst du aber aus dem Gesamtbild: Infektionshinweis, Organdysfunktion, Kreislaufsituation. Umgekehrt beweist ein fallendes Laktat keine globale Erholung, wenn gleichzeitig neue Oligurie oder Verwirrtheit auftreten.
Kreuzfalle nach dem Krampfanfall
Ein generalisierter Krampfanfall kann das Laktat deutlich erhöhen. Ohne Infektzeichen und Minderperfusion ist „septischer Schock“ dann die falsche Antwort. Eine Kontrolle nach kurzer Zeit zeigt oft den raschen Abfall.
Laktat als Doppelmodul
Schock, Sepsis & Notfallgrundlagen
Erst der klinische Vergleich Bildung gegen Elimination, dann die Biochemie der Laktatbildung mit Beschriftungsübung.
Fall zum Laktat nach Krampfanfall mit Gegenfall Leberfunktionsstörung
Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme. Aussagekräftiger ist die Kontrolle nach einigen Stunden, zusammen mit klinischen Zeichen. Notiere bei jeder Messung die Uhrzeit und die Maßnahmen dazwischen, etwa Volumengabe oder Katecholamine. Achte außerdem auf die Probenart: venöse und arterielle Werte liegen meist nah beieinander, ein lange gestautes Blut kann den Wert aber verfälschen.
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