Neurologie in der Famulatur: Leitsymptome strukturiert erfassen
Kurz gesagt: In der Famulatur Neurologie hilft dir eine feste Reihenfolge. Kläre zuerst Leitsymptom und zeitlichen Verlauf, untersuche dann Bewusstsein, Sprache, Hirnnerven, Motorik, Reflexe, Sensibilität, Koordination und Gang, und formuliere am Ende eine Lokalisationshypothese mit Dringlichkeit. Mit dieser Struktur kannst du auch unklare Fälle sicher übergeben.
Famulatur und Blockpraktikum
Feste Untersuchungsreihenfolge
Lokalisation und Dringlichkeit
Lernheft Neurologische LeitsymptomeNeun Leitsymptome als Fallpaare für die Vorbereitung auf Station. Zum passenden Material
Viele Studierende gehen mit Respekt in die erste Woche Neurologie. Die Untersuchung wirkt lang, die Begriffe sind zahlreich, und in der Notaufnahme muss es manchmal schnell gehen. Die gute Nachricht: Fast alle Vorstellungen lassen sich einem von wenigen Leitsymptomen zuordnen, und für jedes gibt es eine erste Frage, die dich weiterbringt. Diese Seite fasst zusammen, was du in Famulatur und Blockpraktikum können solltest.
Welche Frage stellst du zu welchem Leitsymptom?
Leitsymptom
Erste Frage
Worauf du in der Untersuchung achtest
Akuter Ausfall
Wann genau begann es, wann zuletzt gesund gesehen?
Fokale Zeichen, Gefäßterritorium
Sprachstörung
Findet die Person Worte oder klingt sie nur verwaschen?
Sprachfluss, Verständnis, Benennen, Nachsprechen
Schwäche
Welche Verteilung, seit wann, wie entwickelt?
Kraftgrade, Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen
Schwindel
Kurze Attacken bei Lagewechsel oder anhaltend?
Nystagmus, Gang, Begleitzeichen von Hirnstamm und Kleinhirn
Bewusstseinsverlust
Was hat ein Zeuge gesehen, wie schnell war die Erholung?
Zungenbiss, Orientierung, EKG
Kopfschmerz
Wie schnell war das Maximum erreicht?
Meningismus, fokale Zeichen, Bewusstseinslage
Gefühlsstörung
Wo genau, und passt es zu einer Wurzel oder einem Nerv?
Dermatom, Nervengebiet, Kennmuskeln, Reflexe
Rückenschmerz mit neurologischen Zeichen
Gibt es Blasenstörung oder Taubheit im Gesäß?
Sensibles Niveau, Reithosenareal, Beinreflexe
Bewegungsstörung
Langsamer oder ungenauer?
Finger-Tapping, Finger-Nase-Versuch, Romberg, Gang
Nenne Alter, Leitsymptom und Beginn, dann die wichtigsten positiven und negativen Befunde und schließlich deine Lokalisationshypothese mit Dringlichkeit. Zum Beispiel: „Frau S., 71 Jahre, seit 8:40 Uhr Sprachstörung und Schwäche des rechten Arms, Wortfindungsstörung bei gutem Verständnis, armbetonte Parese rechts Kraftgrad 3, kein Meningismus. Verdacht auf Ischämie im Media-Gebiet links, Beginn vor 50 Minuten.“ Die Uhrzeit des Beginns gehört bei akuten Ausfällen immer in den ersten Satz.
Bei akuten Ausfällen zuerst melden
Bei Verdacht auf Schlaganfall ist die vollständige Untersuchung zweitrangig. Informiere sofort das Team und überlasse die Akutdiagnostik dem zuständigen ärztlichen Personal.
Häufig gestellte Fragen
1. In welcher Reihenfolge untersuche ich neurologisch?
Bewusstsein und Sprache, Hirnnerven, Motorik und Reflexe, Sensibilität, Koordination und Gang. Eine feste Reihenfolge verhindert, dass du Teile vergisst.
2. Was bedeuten die Kraftgrade?
Nach der MRC-Skala reicht die Einteilung von 0 (keine Kontraktion) über 3 (Bewegung gegen die Schwerkraft) bis 5 (normale Kraft).
3. Was ist das Babinski-Zeichen?
Eine tonische Dorsalextension der Großzehe beim Bestreichen des lateralen Fußsohlenrands. Beim Erwachsenen weist sie auf eine Schädigung der Pyramidenbahn hin.
4. Wie bereite ich mich auf die Famulatur vor?
Übe den Untersuchungsgang praktisch und lerne die wichtigsten Leitsymptome mit ihrer ersten Frage. Fallpaare wie Synkope gegen Anfall oder Aphasie gegen Dysarthrie helfen besonders.
5. Was gehört in die Übergabe eines akuten Ausfalls?
Alter, Leitsymptom, genaue Uhrzeit des Beginns, Kernbefunde und deine Lokalisationshypothese mit Dringlichkeit.
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