Nierenentwicklung: Ureterknospe, metanephrogenes Gewebe und Aszensus
Kurz gesagt: Die bleibende Niere entsteht aus zwei Anlagen, die sich gegenseitig induzieren. Die Ureterknospe aus dem Urnierengang bildet Harnleiter, Nierenbecken, Kelche und Sammelrohre. Das metanephrogene Gewebe bildet die Nephrone vom Nierenkörperchen bis zum distalen Tubulus. Durch das Wachstum des Körpers gelangt die Niere relativ nach kranial. Störungen dieser Schritte erklären Agenesie, Doppelureter, Becken- und Hufeisenniere.
Modul 16 im Lernheft
Ab Woche 5
Gegenseitige Induktion
Lernheft Embryologie & EntwicklungNierenentwicklung mit Fallfrage zur wechselseitigen Induktion. Zum passenden Material
Die Nierenentwicklung ist ein gutes Beispiel dafür, wie zwei Gewebe miteinander kommunizieren müssen, damit ein Organ entsteht. Gleichzeitig erklärt sie eine Reihe von Fehlbildungen, die in Anatomie, Pädiatrie und Urologie gefragt werden. Wer weißt, welche Teile aus der Ureterknospe stammen und welche aus dem metanephrogenen Gewebe, kann viele Fragen ableiten. Diese Seite führt durch die drei Nierengenerationen, die Induktion und den Aufstieg.
Welche Nierengenerationen gibt es?
Aus dem intermediären Mesoderm entstehen nacheinander drei Nierenanlagen in kraniokaudaler Reihenfolge. Die Vorniere im Halsbereich bleibt rudimentär und bildet sich rasch zurück. Die Urniere im Brust- und Lendenbereich arbeitet vorübergehend und hat einen Ausführungsgang, den Urnierengang oder Wolff-Gang. Aus ihm gehen beim Mann Teile der Samenwege hervor. Die Nachniere entsteht ab der fünften Woche im Beckenbereich und wird zur bleibenden Niere.
Anlage
Lage und Zeit
Schicksal
Vorniere
Halsbereich, vierte Woche
Bildet sich vollständig zurück
Urniere
Brust- und Lendenbereich, ab Ende der vierten Woche
Bildet sich größtenteils zurück, Gang wird beim Mann zu Teilen der Samenwege
Ureterknospe
Aus dem Urnierengang, fünfte Woche
Harnleiter, Nierenbecken, Kelche, Sammelrohre
Metanephrogenes Gewebe
Kaudales intermediäres Mesoderm
Nephrone von Bowman-Kapsel bis distalem Tubulus
Warum sind gegenseitige Signale entscheidend?
Die Ureterknospe wächst in das metanephrogene Gewebe hinein und verzweigt sich dort immer wieder. An jeder Spitze sendet sie Signale, die das umgebende Mesenchym dazu bringen, sich zu verdichten und in Epithel umzuwandeln. Daraus entstehen Nephronbläschen, die sich zu Tubuli strecken und am einen Ende ein Nierenkörperchen bilden. Umgekehrt braucht die Knospe Signale aus dem Mesenchym, um weiter zu wachsen und sich zu verzweigen. Fehlt eine der beiden Seiten, entsteht keine Niere. Diese wechselseitige Induktion erklärt, warum eine fehlende Ureterknospe zur Nierenagenesie führt.
Ureterknospe: liefert das Sammelsystem.
Metanephrogenes Gewebe: liefert die Filtrationseinheit.
Verbindung: distaler Tubulus und Sammelrohr wachsen zusammen.
Störung: fehlende Induktion führt zu Agenesie oder Dysplasie.
Ist der Aufstieg der Niere eine echte Wanderung?
Nein. Die Niere wandert nicht aktiv wie eine Zelle. Sie bleibt im Wesentlichen an ihrem Platz, während Lenden- und Sakralregion stark wachsen. Dadurch gelangt sie relativ nach kranial, bis sie in der Lendenregion liegt. Auf diesem Weg wechselt ihre Blutversorgung mehrfach: Zunächst wird sie aus Beckenarterien versorgt, später aus immer höher gelegenen Ästen der Aorta. Bleiben frühere Gefäße bestehen, entstehen zusätzliche Nierenarterien, ein häufiger Befund in der Bildgebung. Bleibt der Aufstieg aus, liegt eine Beckenniere vor.
Fehlende Nieren, fehlendes Fruchtwasser
Der fetale Urin trägt ab dem zweiten Trimenon wesentlich zum Fruchtwasser bei. Fehlen beide Nieren, entsteht ein Oligohydramnion. Die Folgen werden als Potter-Sequenz zusammengefasst: Lungenhypoplasie, typische Gesichtsveränderungen und Fehlstellungen der Extremitäten. In Fallfragen führt der Befund wenig Fruchtwasser deshalb oft zur Niere.
Lernheft
Embryologie & Entwicklung
Organentwicklung von Herz, Darm und Niere mit Merkskizzen, Fallfragen und klinischen Bezügen.
Harnleiter, Nierenbecken, Nierenkelche und die Sammelrohre.
2. Was entsteht aus dem metanephrogenen Gewebe?
Die Nephrone mit Bowman-Kapsel, proximalem Tubulus, Henle-Schleife und distalem Tubulus.
3. Wie entsteht ein Doppelureter?
Durch eine frühe Spaltung der Ureterknospe oder durch zwei getrennte Knospen aus dem Urnierengang.
4. Warum liegt eine Hufeisenniere tiefer?
Weil die verschmolzenen unteren Pole beim Aufstieg an der Arteria mesenterica inferior hängen bleiben.
5. Was ist die Potter-Sequenz?
Die Folgen eines ausgeprägten Fruchtwassermangels, etwa bei beidseitiger Nierenagenesie: Lungenhypoplasie, Gesichtsveränderungen und Fehlstellungen der Extremitäten.
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