Obere und untere Plexusparese: Erb und Klumpke im Vergleich
Kurz gesagt: Eine obere Plexusläsion betrifft vor allem C5 und C6. Schulterabduktion, Außenrotation und Ellenbogenbeugung sind schwach, der Arm hängt innenrotiert am Körper. Eine untere Plexusläsion betrifft C8 und T1 und damit vor allem die Hand: Fingerbeuger und kleine Handmuskeln. Ein Horner-Syndrom auf derselben Seite weist bei der unteren Form auf eine sehr proximale Schädigung nahe T1 hin.
Physikum und M2
C5–T1, 3 Trunci
Proximal gegen distal
Plexus & periphere NervenMit Modulen zum oberen und unteren Plexus. Zum passenden Material
Die Unterscheidung von oberer und unterer Plexusläsion ist ein Klassiker in Anatomie und Neurologie. Die Bilder werden oft mit Eigennamen abgefragt: obere Form nach Erb und Duchenne, untere Form nach Klumpke. Für die Prüfung wichtiger ist aber, das Muster aus den beteiligten Segmenten abzuleiten. Wer weiß, welche Muskeln überwiegend aus C5 und C6 und welche aus C8 und T1 versorgt werden, braucht keine Haltungsbeschreibung auswendig.
Wie ist der Plexus brachialis aufgebaut?
Der Armplexus entsteht überwiegend aus den ventralen Ästen von C5 bis T1. C5 und C6 bilden den Truncus superior, C7 den Truncus medius, C8 und T1 den Truncus inferior. Jeder Truncus teilt sich in einen vorderen und einen hinteren Anteil. Die hinteren Anteile vereinigen sich zum Fasciculus posterior, aus dem N. axillaris und N. radialis hervorgehen. Die vorderen Anteile bilden den Fasciculus lateralis und medialis mit N. musculocutaneus, N. medianus und N. ulnaris. Varianten sind häufig und klinisch relevant.
Wurzeln: C5 bis T1, segmentale Fasern
Trunci: superior, medius, inferior
Divisionen und Fasciculi: Sortierung in Beuger- und Streckerfasern
Fingerbeugung, Fingerspreizen, Feinmotorik der Hand
Haltung
Arm adduziert und innenrotiert, Ellenbogen gestreckt, Unterarm proniert
Schulter und Ellenbogen frei, Hand schwach, eventuell Krallenstellung
Reflexe
Bizepssehnen- und Brachioradialisreflex abgeschwächt
Bizepssehnenreflex erhalten
Sensibilität
Seitliche Schulter, Außenseite von Ober- und Unterarm
Ulnare Hand und Innenseite des Unterarms
Begleitzeichen
Meist keine
Horner-Syndrom möglich bei Beteiligung von T1
Typische Ursachen
Geburt mit Schulterdystokie, Sturz auf die Schulter mit Zug am Hals
Zug am hochgerissenen Arm, Tumor der Lungenspitze, Engpass an der oberen Thoraxapertur
Die klassische Haltung ist kein alleiniger Beweis. Die genaue Verteilung hängt vom Ausmaß der Schädigung ab, und Mischformen sind häufig. Prüfe deshalb einzelne Funktionen und dokumentiere sie getrennt.
Warum prüft man bei unterer Läsion auch Medianusmuskeln?
Handschwäche ist nicht immer ein Ulnarisschaden. Die Fasern aus C8 und T1 versorgen zwar viele Ulnarismuskeln, aber auch Medianusmuskeln wie den M. abductor pollicis brevis und den M. flexor pollicis longus. Bei einer unteren Plexusläsion sind deshalb Muskeln beider Nerven geschwächt. Bei einer isolierten Ulnarisläsion bleiben die Medianusmuskeln kräftig. Diese Prüfung trennt die beiden Ebenen schneller als jede Sensibilitätskarte.
Handschwäche mit Horner-Syndrom
Eine zunehmende Schwäche der Handmuskeln mit Schulterschmerz und Horner-Syndrom bei einem Raucher lässt an einen Tumor der Lungenspitze denken. Der Befund muss zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Lernheft 08
Plexus & periphere Nerven
Vom Aufbau des Plexus brachialis zur oberen und unteren Läsion, jeweils mit Fallfrage und begründeter Auflösung.
Plexus brachialis von C5 bis T1 bis zu den Endnerven
Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Die Inhalte dienen dem Lernen und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung.