Pneumonie oder Pleuraerguss? Konsolidierung und Flüssigkeit in Untersuchung und Sonografie trennen
Kurz gesagt: Bei der Pneumonie füllt entzündliches Exsudat die Alveolen, das Lungengewebe wird luftleer und dicht. Beim Pleuraerguss liegt Flüssigkeit zwischen Lunge und Thoraxwand und drückt die Lunge von außen zusammen. Beide dämpfen den Klopfschall. Der Unterschied: Die konsolidierte Lunge leitet Schall und Vibration gut weiter, die Flüssigkeitsschicht dämpft sie ab. In der Sonografie zeigt die Konsolidierung gewebeähnliches Echo, der Erguss einen echofreien Raum. Beides kann gleichzeitig vorliegen.
Zwei Kompartimente
Untersuchung und Sono
Famulatur und M2
Lernheft Asthma, COPD & PneumonieMit dem Modul Pneumonie: alveoläre Füllung und Pleuraerguss im Fallvergleich. Zum passenden Material
In der Famulatur wirst du bei Patienten mit Fieber und Atemnot oft gebeten, die Lunge zu untersuchen. Eine basale Dämpfung ist schnell gefunden. Ob sie von einer Pneumonie, einem Erguss oder beidem kommt, entscheidet über die nächsten Schritte. Diese Seite zeigt, wie du die beiden Kompartimente in der körperlichen Untersuchung und im Ultraschall trennst.
Was passiert bei der Pneumonie im Gewebe?
Bei einer Pneumonie verdrängt entzündliches Exsudat die Luft aus den Alveolen. Das betroffene Lungengewebe wird dicht. Bleibt die Perfusion erhalten, fließt Blut an nicht belüfteten Alveolen vorbei, es entsteht ein Shunt, und die Oxygenierung verschlechtert sich. Die Bronchien in diesem Bereich bleiben häufig lufthaltig. Weil dichtes Gewebe Schall gut leitet, hörst du dort Bronchialatmen und feinblasige, ohrnahe Rasselgeräusche, der Stimmfremitus ist verstärkt.
Was passiert beim Pleuraerguss?
Beim Erguss sammelt sich Flüssigkeit im Pleuraspalt. Sie komprimiert die Lunge von außen. Die Flüssigkeitsschicht trägt Schall und Vibration schlecht weiter. Über dem Erguss sind das Atemgeräusch und der Stimmfremitus deshalb abgeschwächt. Am oberen Rand des Ergusses kann ein Bereich mit Kompressionsatelektase entstehen, in dem Bronchialatmen hörbar ist. Ein Erguss kann eine Pneumonie begleiten, als parapneumonischer Erguss, aber auch kardial, renal, maligne oder durch andere Ursachen entstehen.
Befund
Konsolidierung bei Pneumonie
Pleuraerguss
Klopfschall
Gedämpft
Gedämpft, oft mit lageabhängiger Grenze
Atemgeräusch
Bronchialatmen
Abgeschwächt bis aufgehoben
Stimmfremitus
Verstärkt
Abgeschwächt
Nebengeräusche
Feinblasige, ohrnahe Rasselgeräusche
Meist keine, eventuell Pleurareiben am Rand
Sonografie
Gewebeähnliche Struktur, Aerobronchogramm
Echofreier oder septierter Raum oberhalb des Zwerchfells
Gasaustausch
Shunt, Oxygenierung sinkt
Je nach Größe durch Kompression eingeschränkt
Wann wird ein Erguss punktiert?
Ein parapneumonischer Erguss kann sich spontan zurückbilden, aber auch zu einem komplizierten Erguss oder Pleuraempyem werden. Hinweise auf eine Komplikation sind ein großer oder zunehmender Erguss, Septierungen im Ultraschall, anhaltendes Fieber trotz Therapie und eitriges Punktat. Bei unklarer Ursache oder relevantem Erguss wird diagnostisch punktiert. Im Punktat interessieren Aussehen, pH, Glukose, LDH, Eiweiß, Zellzahl, Mikrobiologie und gegebenenfalls Zytologie. Mit den Light-Kriterien unterscheidet man Exsudat und Transsudat. Ein Empyem oder ein komplizierter Erguss braucht in der Regel eine Drainage.
Transsudat: eher Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom
Exsudat: eher Pneumonie, Tumor, Tuberkulose, Lungenembolie
Empyem: Eiter im Pleuraspalt, Drainage nötig
Merksatz: Konsolidierung hat mehrere mögliche Ursachen, nicht nur Infektion
Fieber trotz Antibiotikum
Bleibt das Fieber bei einer Pneumonie unter Therapie bestehen, gehört ein komplizierter Erguss oder ein Empyem zu den ersten Fragen. Die Sonografie am Bett klärt das schnell.
Lernheft 22
Asthma, COPD & Pneumonie
64 Seiten mit 18 Modulen, die Pneumonie, Gasaustausch und Infektion verbinden.
Pneumonie: alveoläre Füllung und Pleuraerguss
Infektion einordnen: virale und bakterielle Ursache
1. Wie unterscheide ich Pneumonie und Pleuraerguss bei der Untersuchung?
Beide dämpfen den Klopfschall. Bei der Konsolidierung sind Stimmfremitus verstärkt und Bronchialatmen hörbar, beim Erguss sind Atemgeräusch und Stimmfremitus abgeschwächt.
2. Was ist ein Aerobronchogramm?
Lufthaltige Bronchien innerhalb eines verdichteten Lungenareals. In der Sonografie erscheinen sie als helle, punkt- oder linienförmige Reflexe, im Röntgen als dunkle Bänder.
3. Was ist ein parapneumonischer Erguss?
Ein Pleuraerguss im Zusammenhang mit einer Pneumonie. Er kann unkompliziert sein oder sich zu einem komplizierten Erguss oder Empyem entwickeln.
4. Wofür braucht man die Light-Kriterien?
Zur Unterscheidung von Exsudat und Transsudat anhand von Eiweiß und LDH im Punktat im Verhältnis zum Serum.
5. Ist jede Konsolidierung eine Pneumonie?
Nein. Auch Atelektasen, Tumoren, Lungeninfarkte oder Blutungen können eine Konsolidierung erzeugen. Klinik und Verlauf entscheiden mit.
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