Ventilation und Perfusion: Shunt und Totraum verstehen, von der Pneumonie bis zur Lungenembolie
Kurz gesagt: Guter Gasaustausch braucht ein passendes Verhältnis von Belüftung (V) und Durchblutung (Q). Wird ein Areal durchblutet, aber nicht belüftet, geht V/Q gegen null: Shunt, typisch bei Pneumonie oder Atelektase. Wird ein Areal belüftet, aber nicht durchblutet, geht V/Q gegen unendlich: Totraum, typisch bei Lungenembolie. Beide Extreme können eine Hypoxämie verursachen, reagieren aber unterschiedlich auf Sauerstoff.
Blut ohne Luft, Luft ohne Blut
Physikum und M2
Hypoxämie einordnen
Lernheft Asthma, COPD & PneumonieMit dem Grundlagenmodul Ventilations-Perfusions-Verhältnis und Fallfrage zur Lungenembolie. Zum passenden Material
Das Ventilations-Perfusions-Verhältnis ist der Schlüssel zu fast jeder Hypoxämie, die du auf Station siehst. Im Physikum wird es über regionale Unterschiede in der aufrechten Lunge gefragt, im M2 über Krankheitsbilder wie Pneumonie, Lungenödem und Lungenembolie. Diese Seite ordnet die Extreme und zeigt, warum reale Erkrankungen oft mehrere Muster gleichzeitig erzeugen.
Was bedeutet das V/Q-Verhältnis?
V steht für die alveoläre Ventilation, Q für die Perfusion der Lungenkapillaren. Im Mittel liegt das Verhältnis für die gesamte Lunge bei etwa 0,8. Regionale Unterschiede sind physiologisch: In der aufrechten Lunge sind die Basen stärker durchblutet und stärker belüftet als die Spitzen, die Durchblutung nimmt aber stärker zu als die Belüftung. Deshalb ist V/Q an der Spitze höher und an der Basis niedriger. Das arterielle Blut ist eine Mischung aus allen Regionen.
Was passiert bei Shunt und bei Totraum?
Merkmal
Shunt (V/Q gegen null)
Totraum (V/Q gegen unendlich)
Prinzip
Blut fließt an nicht belüfteten Alveolen vorbei
Luft erreicht Alveolen ohne Durchblutung
Typische Ursachen
Pneumonie, Atelektase, Lungenödem, ARDS
Lungenembolie, starker Abfall des HZV
Folge
Venöses Blut mischt sich ins arterielle Blut, PaO2 sinkt
Ventilation ohne Gasaustausch, Atemarbeit steigt
Antwort auf Sauerstoff
Bei echtem Shunt schlecht, weil das Blut den Sauerstoff nicht erreicht
Hypoxämie bessert sich meist
PaCO2
Oft normal oder erniedrigt durch Mehratmung
Oft erniedrigt durch Hyperventilation, bei großem Totraum und Erschöpfung steigend
Warum wirkt Sauerstoff beim Shunt so schlecht?
Beim echten Shunt kommt das Blut überhaupt nicht mit belüfteten Alveolen in Kontakt. Mehr Sauerstoff in der Einatemluft erhöht zwar den Sauerstoffpartialdruck in den gesunden Alveolen, aber deren Blut ist bereits nahezu gesättigt. Es kann den Sauerstoffmangel des Shuntbluts kaum ausgleichen. Deshalb bessert sich eine shuntbedingte Hypoxämie unter Sauerstoff nur begrenzt. Bei einem relativen Ungleichgewicht mit niedrigem, aber nicht null betragendem V/Q wirkt Sauerstoff dagegen gut.
Wie schützt sich die Lunge selbst?
Die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion, auch Euler-Liljestrand-Mechanismus genannt, verengt Gefäße in schlecht belüfteten Arealen. Das Blut wird in besser belüftete Regionen umgeleitet, das V/Q-Verhältnis verbessert sich. Bei ausgedehnter chronischer Hypoxie, etwa bei schwerer COPD, kann derselbe Mechanismus den Druck im Lungenkreislauf dauerhaft erhöhen und das rechte Herz belasten.
Warum treten in der Klinik oft mehrere Muster gleichzeitig auf?
Reale Erkrankungen sind selten rein. Bei einer Pneumonie gibt es Areale mit echtem Shunt, angrenzende Areale mit niedrigem V/Q und gesunde Lunge. Bei einer COPD finden sich emphysematöse Regionen mit Totraumcharakter neben schlecht belüfteten Regionen mit niedrigem V/Q. Bei einer Lungenembolie entsteht im verschlossenen Bereich Totraum, während die übrige Lunge mehr Blut erhält. Deshalb ist das V/Q-Konzept ein Denkwerkzeug und keine Diagnose.
Hypoxämie und PaCO2 normal: eher V/Q-Störung oder Shunt als globale Hypoventilation
Kaum Besserung unter Sauerstoff: an echten Shunt denken
Atemnot mit freier Lunge im Röntgen: Totraum durch Lungenembolie bedenken
Chronische Hypoxie: Euler-Liljestrand kann zur pulmonalen Hypertonie beitragen
Lernheft 22
Asthma, COPD & Pneumonie
64 Seiten mit 18 Modulen vom V/Q-Verhältnis bis zur Pneumonie.
Ein Bereich, der durchblutet, aber nicht belüftet wird. Das Blut nimmt dort keinen Sauerstoff auf und mischt sich venös ins arterielle Blut. Typische Ursachen sind Pneumonie, Atelektase und Lungenödem.
2. Was ist alveolärer Totraum?
Ein Bereich, der belüftet, aber nicht durchblutet wird. Die Luft nimmt dort nicht am Gasaustausch teil. Das klassische Beispiel ist die Lungenembolie.
3. Welche Extremrichtung passt zur Lungenembolie?
Die totraumähnliche Richtung mit erhöhtem V/Q, weil betroffene Areale weiter belüftet, aber schlechter perfundiert sind.
4. Warum hilft Sauerstoff beim echten Shunt kaum?
Weil das Shuntblut nie mit belüfteten Alveolen in Kontakt kommt. Das Blut aus gesunden Arealen ist bereits fast gesättigt und kann den Mangel nicht ausgleichen.
5. Was ist der Euler-Liljestrand-Mechanismus?
Die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion. Gefäße schlecht belüfteter Areale verengen sich, das Blut wird in besser belüftete Bereiche umgeleitet.
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