Synkope oder epileptischer Anfall: so unterscheidest du
Kurz gesagt: Eine Synkope ist ein kurzer Bewusstseinsverlust durch globale zerebrale Minderperfusion mit rascher, vollständiger Erholung. Ein epileptischer Anfall entsteht durch abnorme neuronale Aktivität und ist häufig von einer längeren Verwirrtheitsphase gefolgt. Zuckungen kommen bei beiden vor und beweisen keinen Anfall. Am meisten helfen Auslöser, Prodromi, Dauer und die Erholungsphase, am besten aus einer Zeugenschilderung.
Erholung ist der Schlüssel
Zeugen befragen
Kardiale Ursache mitdenken
Lernheft Neurologische LeitsymptomeModul 09 vergleicht Synkope und epileptischen Anfall. Zum passenden Material
„Er ist umgefallen und hat gezuckt“ ist eine der häufigsten Schilderungen in der Notaufnahme. Dahinter steckt viel öfter eine Synkope als ein epileptischer Anfall. Weil beide Diagnosen ganz unterschiedliche Konsequenzen haben, von der kardiologischen Abklärung bis zur Frage nach einer Epilepsie, lohnt es sich, die Unterscheidungsmerkmale sicher zu kennen. Prüfungsfragen setzen genau hier an.
Welche Merkmale trennen Synkope und Anfall?
Merkmal
Eher Synkope
Eher epileptischer Anfall
Auslöser
Langes Stehen, Hitze, Schmerz, Miktion, schnelles Aufstehen
Oft ohne Auslöser, manchmal Schlafentzug oder Flackerlicht
Vorboten
Schwarzwerden vor Augen, Schwitzen, Übelkeit, Blässe
Eventuell Aura, etwa aufsteigendes Gefühl oder Déjà-vu
Lateraler Zungenbiss spricht deutlich für einen Anfall
Erholung
Rasch wieder orientiert
Längere Verwirrtheit, Müdigkeit, Muskelschmerzen
Warum sind Zuckungen kein Beweis für einen Anfall?
Bei einer Synkope fällt die Durchblutung des Gehirns für einige Sekunden ab. Die Hirnrinde stellt ihre Hemmung tieferer motorischer Zentren ein, und es kommt zu kurzen, unregelmäßigen Zuckungen. Man spricht von einer konvulsiven Synkope. Zeuginnen und Zeugen beschreiben das oft als „Krampf“. Entscheidend ist, dass die Zuckungen kurz und arrhythmisch sind und die Person sich danach rasch erholt. Auch ein Urinabgang kommt bei beiden Ereignissen vor und hilft bei der Unterscheidung wenig.
Was hat der Baroreflex damit zu tun?
Beim raschen Aufstehen sackt Blut in die Beine, der zentrale Blutdruck sinkt. Dehnungsrezeptoren in Karotissinus und Aortenbogen melden das dem Hirnstamm, der Sympathikus wird aktiviert, Herzfrequenz und Gefäßtonus steigen. Ist dieser Reflex gestört, etwa durch Medikamente, Flüssigkeitsmangel oder eine autonome Neuropathie, reicht die Gegenregulation nicht aus: Es kommt zur orthostatischen Synkope. Bei der vasovagalen Synkope läuft dagegen eine fehlgeleitete Reaktion ab, bei der Herzfrequenz und Gefäßtonus abfallen.
Lernheft 26
Neurologische Leitsymptome
Bewusstseinsverlust, Baroreflex und Kopfschmerz als zusammenhängende Module mit Fall und Gegenfall.
Modul 09: Synkope gegen epileptischen Anfall
Modul 10: Baroreflex
Modul 11: Migräneaura gegen Donnerschlagkopfschmerz
Die meisten Synkopen sind harmlos. Gefährlich sind kardiale Synkopen durch Rhythmusstörungen oder strukturelle Herzerkrankungen. Hinweise darauf sind eine Synkope unter Belastung oder im Liegen, fehlende Prodromi, Herzrasen vor dem Ereignis, bekannte Herzerkrankung und plötzliche Herztode in der Familie. Ein EKG gehört deshalb zu jeder Abklärung.
Rote Flagge
Synkope beim Sport oder im Liegen ohne Vorboten ist in Fallfragen ein Hinweis auf eine kardiale Ursache und verlangt eine zügige kardiologische Abklärung.
Häufig gestellte Fragen
1. Was spricht am stärksten für einen epileptischen Anfall?
Ein lateraler Zungenbiss, eine längere Verwirrtheit nach dem Ereignis und rhythmische tonisch-klonische Bewegungen. Zeugenschilderungen sind dabei besonders wertvoll.
2. Kann man bei einer Synkope zucken?
Ja. Kurze, unregelmäßige Zuckungen sind bei Synkopen häufig und werden als konvulsive Synkope bezeichnet. Sie beweisen keinen epileptischen Anfall.
3. Hilft Urinabgang bei der Unterscheidung?
Kaum. Urinabgang kommt bei Synkopen und bei Anfällen vor und ist deshalb ein schwaches Unterscheidungsmerkmal.
4. Welche Untersuchung gehört zu jeder Synkopenabklärung?
Das 12-Kanal-EKG, dazu Anamnese mit Zeugenbefragung, körperliche Untersuchung und Blutdruckmessung im Liegen und Stehen.
5. Was ist der Baroreflex?
Ein Kreislaufreflex, bei dem Dehnungsrezeptoren in Karotissinus und Aortenbogen Druckänderungen melden. Sinkt der Druck, aktiviert der Hirnstamm den Sympathikus und hemmt den Parasympathikus.
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