Kurz gesagt: Bei der Sondenernährung erhält die Person Nahrung über eine nasogastrale Sonde (kurzfristig) oder eine PEG durch die Bauchwand (längerfristig). Vor jeder Nutzung prüfst du die Lage, während der Gabe und danach bleibt der Oberkörper erhöht, und vor und nach Nahrung oder Medikamenten wird gespült. Häufige Komplikationen sind Aspiration, Durchfall, Verstopfung der Sonde und bei der PEG Entzündungen an der Einstichstelle.
Frau L. kann nach ihrem Schlaganfall nicht mehr sicher schlucken und hat seit gestern eine PEG. Im Spätdienst sollst du die Sondenkost anhängen und die Abendmedikamente geben. Wo fängst du an, und was darfst du auf keinen Fall vergessen?
Sondenernährung ist ein Pflegethema, das in praktischen Einsätzen, in der praktischen Prüfung und in schriftlichen Fallaufgaben gleichermaßen vorkommt. Hier bekommst du die wichtigsten Grundlagen kompakt.
Was ist der Unterschied zwischen Magensonde und PEG?
Die nasogastrale Magensonde wird über die Nase in den Magen gelegt und eignet sich für eine kurzfristige Ernährung. Die PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie) wird endoskopisch durch die Bauchwand in den Magen gelegt und ist für eine längerfristige Ernährung gedacht.
| Merkmal | Nasogastrale Sonde | PEG |
|---|---|---|
| Zugang | Über die Nase in den Magen | Durch die Bauchwand in den Magen |
| Typische Dauer | Kurzfristig, wenige Wochen | Längerfristig, oft Monate oder Jahre |
| Belastung | Druck auf Nase und Rachen, wird oft als störend empfunden | Kaum sichtbar, weniger Fremdkörpergefühl |
| Typische Risiken | Fehllage, Dislokation, Druckstellen | Wundinfektion, Buried-Bumper-Syndrom, Leckage |
| Lagekontrolle | Vor jeder Nutzung nach Hausstandard, initial oft mit Röntgen | Markierung an der äußeren Halteplatte kontrollieren |
Wird die Sonde in den Dünndarm gelegt, spricht man von einer PEJ oder Jejunalsonde. Dort darf Nahrung nur kontinuierlich über eine Pumpe gegeben werden, weil der Dünndarm keine Reservoirfunktion hat. Hinweise zur klinischen Ernährung veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM).
Wie verabreichst du Sondenkost sicher?
Sicher heißt: Lage prüfen, Oberkörper hoch, spülen, langsam beginnen und beobachten. So gehst du vor:
- Anordnung prüfen: Art der Sondenkost, Menge, Laufrate und ob Bolus oder kontinuierlich über Pumpe.
- Lage kontrollieren: Bei der Magensonde Markierung an der Nase prüfen und die Kontrollmethode nach Hausstandard anwenden. Bei der PEG die Markierung an der Halteplatte kontrollieren.
- Positionieren: Oberkörper mindestens 30 Grad, besser 30 bis 45 Grad hoch, während der Gabe und nach Hausstandard noch einige Zeit danach.
- Spülen: Vor Beginn mit Wasser nach Hausstandard spülen.
- Applizieren: Sondenkost auf Raumtemperatur, Laufrate nach Anordnung, bei Kostaufbau langsam steigern.
- Nachspülen und dokumentieren: Nach Ende spülen, Menge und Verträglichkeit dokumentieren.
Ein Überleitsystem wird nach Herstellerangabe gewechselt, in der Regel spätestens nach 24 Stunden. Weitere Pflegetechniken mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du im Pflegeausbildung Komplettpaket für Theorie und Praxis.
Wie gibst du Medikamente über die Sonde?
Jedes Medikament einzeln, in geeigneter Form und mit Spülen davor, dazwischen und danach. Nicht jedes Medikament darf über die Sonde gegeben werden.
Retardpräparate und magensaftresistente Tabletten dürfen in der Regel nicht gemörsert werden. Kläre bei Unsicherheit mit Ärztin oder Apotheke, ob es eine Alternative gibt, etwa eine Lösung. Medikamente werden nie direkt in die Sondenkost gemischt, weil Wechselwirkungen und Verstopfungen drohen.
Manche Wirkstoffe, zum Beispiel bestimmte Schilddrüsenhormone oder Antibiotika, benötigen einen zeitlichen Abstand zur Nahrung. Diese Hinweise stehen in der Fachinformation und gehören zur sicheren Planung. Mehr dazu bietet das Lernpaket Pflegepharmakologie.
Wie pflegst du die PEG-Einstichstelle?
In der ersten Zeit nach Anlage wird der Verband häufig gewechselt, meist täglich, später seltener, wenn die Wunde reizlos abgeheilt ist. Die genauen Intervalle legt dein Hausstandard fest.
Beim Verbandwechsel inspizierst du die Haut auf Rötung, Schwellung, Sekret und Schmerz, reinigst und desinfizierst nach Standard und legst eine Schlitzkompresse an. Kontrolliere die Markierung an der Halteplatte, um eine Dislokation zu erkennen.
Nach abgeschlossener Wundheilung wird die PEG bei vielen Systemen regelmäßig mobilisiert, also leicht vor- und zurückgeschoben und gedreht. Das soll das Einwachsen der inneren Halteplatte verhindern (Buried-Bumper-Syndrom). Ob und wann das erlaubt ist, hängt vom System ab: Bei einer PEJ oder bei bestimmten Systemen darf nicht gedreht werden. Folge immer der ärztlichen Anordnung und den Herstellerangaben.
Welche Komplikationen treten bei Sondenernährung auf?
Die gefährlichste Komplikation ist die Aspiration, besonders bei falscher Lage oder flacher Positionierung. Weitere typische Probleme:
- Durchfall: Zu hohe Laufrate, zu kalte Kost, Medikamente wie Antibiotika oder hygienische Fehler.
- Übelkeit und Erbrechen: Zu schneller Kostaufbau oder verzögerte Magenentleerung.
- Verstopfte Sonde: Unzureichendes Spülen, gemörserte Tabletten oder eingedickte Kost.
- Dislokation: Herausgezogene oder verrutschte Sonde, etwa bei Unruhe oder Verwirrtheit.
- Lokale Infektion: Rötung, Schwellung und eitriges Sekret an der PEG-Einstichstelle.
- Refeeding-Syndrom: Elektrolytverschiebungen bei schwer mangelernährten Menschen, wenn zu schnell aufgebaut wird.
Eine verstopfte Sonde spülst du mit lauwarmem Wasser und leichtem Druck, nie mit Gewalt oder einem Führungsdraht. Klappt es nicht, informierst du das ärztliche Team.
Pflegefachkräfte aus dem Ausland kennen Sondenernährung oft aus anderen Abläufen. Was in Deutschland erwartet wird, erklärt unsere Seite Kenntnisprüfung Pflege für die Anerkennung.
Was gehört zur Mund- und Nasenpflege bei Sondenernährung?
Auch wer nichts isst, braucht eine sorgfältige Mundpflege, weil der Speichelfluss sinkt und sich Beläge bilden. Regelmäßige Mundpflege beugt Soor, Parotitis und Pneumonie vor.
Bei der nasogastralen Sonde kontrollierst du täglich die Nase auf Druckstellen, wechselst die Fixierung und reinigst das Nasenloch. Die Sonde sollte nicht auf den Nasenflügel drücken.
Das Wichtigste in Kürze
- Magensonde für kurzfristige, PEG für längerfristige Ernährung.
- Vor jeder Nutzung Lage kontrollieren, Oberkörper während der Gabe hoch lagern.
- Vor und nach Nahrung und jedem Medikament mit Wasser spülen.
- Retard- und magensaftresistente Tabletten in der Regel nicht über die Sonde geben.
- Aspiration ist die gefährlichste Komplikation der Sondenernährung.
Häufig gestellte Fragen
1. Wie hoch muss der Oberkörper bei Sondenernährung sein?
Mindestens 30 Grad, besser 30 bis 45 Grad, während der Gabe und je nach Hausstandard noch einige Zeit danach. Das senkt das Aspirationsrisiko.
2. Wie oft wird eine Ernährungssonde gespült?
Vor und nach jeder Nahrungsgabe, vor, zwischen und nach Medikamenten sowie bei kontinuierlicher Gabe in regelmäßigen Abständen nach Hausstandard.
3. Darf man eine PEG drehen?
Bei vielen Systemen wird die PEG nach abgeschlossener Wundheilung regelmäßig mobilisiert und gedreht. Bei einer PEJ und bestimmten Systemen ist das Drehen nicht erlaubt, deshalb zählen Anordnung und Herstellerangaben.
4. Was ist das Buried-Bumper-Syndrom?
Das Einwachsen der inneren Halteplatte der PEG in die Magenwand. Regelmäßiges Mobilisieren und eine nicht zu straffe äußere Halteplatte beugen vor.
5. Was tun bei verstopfter Sonde?
Mit lauwarmem Wasser und leichtem Druck spülen. Gelingt das nicht, informierst du das ärztliche Team und versuchst nicht, die Sonde mit Gewalt freizumachen.
6. Kann man Medikamente mit der Sondenkost mischen?
Nein. Medikamente werden einzeln gegeben und mit Wasser vorgespült und nachgespült, um Wechselwirkungen und Verstopfungen zu vermeiden.
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Medikamente sicher über die Sonde vorbereiten hilft Pharmakologie in der Pflege. Aspirations- und Pneumonieprophylaxe findest du in Prophylaxen in der Pflege, hygienisches Arbeiten in Hygiene in der Pflege und den Verbandwechsel in Wundversorgung in der Pflege. Für internationale Fachkräfte: Kenntnisprüfung Pflege.
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