ABCDE-Schema in Famulatur und PJ: Reihenfolge, Re-Evaluation, typische Fehler
Kurz gesagt: ABCDE ist ein wiederholter Untersuchungsgang, keine einmalige Checkliste. Du prüfst Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischen Status und Exposition in fester Reihenfolge und behandelst lebensbedrohliche Probleme sofort an der Stelle, an der du sie findest. Verschlechtert sich die Person, beginnst du wieder bei A. Ein freier Atemweg garantiert keine wirksame Atmung.
Famulatur, PJ, OSCE
5 Schritte
Treat first what kills first
Lernheft Schock, Sepsis & NotfallgrundlagenABCDE und Oxygenierung als Modulpaar mit Fallfrage. Zum passenden Material
In der ersten Woche in der Notaufnahme passiert vielen Studierenden dasselbe: Sie beginnen mit der Anamnese, während die Person im Bett immer schneller atmet. Das ABCDE-Schema verhindert genau das. Es gibt dir eine Reihenfolge, die sich nach der Gefährlichkeit richtet, und eine Regel für den Moment, in dem sich etwas ändert. Diese Seite zeigt, was du in jedem Schritt konkret prüfst und welche Fehler in Famulatur, PJ und OSCE am häufigsten vorkommen.
Was prüfst du bei A, B, C, D und E?
Schritt
Frage
Was du konkret machst
A – Airway
Ist der Atemweg frei?
Ansprechen, Mund inspizieren, auf Stridor, Gurgeln oder Schnarchen achten
Warum ersetzt ein freier Atemweg nicht die Beurteilung der Atmung?
A und B prüfen verschiedene Probleme. Ein freier Atemweg bedeutet nur, dass Luft passieren könnte. Ob sie es wirksam tut, beantwortet erst B. Eine Person mit Opioidüberdosis kann einen freien Atemweg haben und trotzdem kaum atmen. Umgekehrt kann ein Asthmaanfall bei freiem Atemweg mit schwerster Atemarbeit einhergehen. In B unterscheidest du außerdem Oxygenierung und Ventilation: Die Sättigung zeigt den Bindungsanteil, über die CO2-Bilanz sagt sie nichts.
Atemweg und Atmung
A: Durchgängigkeit
B: Atemarbeit, Ventilation, Oxygenierung
Freie Öffnung garantiert keinen Gasaustausch
Kreislauf und Neurologie
C: Perfusion und Blutung
D: neurologischer Status und reversible Ursachen
E: Exposition mit Wärmeerhalt
Wann beginnst du wieder von vorn?
Immer, wenn sich der Zustand ändert, und nach jeder relevanten Maßnahme. Wenn die Person nach einer Infusion plötzlich unruhig wird oder nach einer Lagerung schlechter atmet, beginnst du erneut bei A. Unmittelbar lebensbedrohliche Probleme werden dabei parallel mit Hilfe behandelt. Ruf früh Unterstützung, statt das Schema allein zu Ende zu führen.
Lebensgefahr erkennen
Sofort handeln und Hilfe holen
Erneut strukturiert beurteilen
Für die erste Notaufnahme-Woche
Schock, Sepsis & Notfallgrundlagen
ABCDE, Oxygenierung, Schock und Sepsis kompakt in 18 Modulen, ideal zum Auffrischen vor Famulatur oder PJ-Tertial.
ABCDE als wiederholter Untersuchungsgang
Oxygenierung und Ventilation mit PaO2, SaO2, Hb, PaCO2
Welche Fehler passieren in Famulatur und OSCE am häufigsten?
Springen: den auffälligen Befund bei C zuerst angehen und B überspringen
Nicht handeln: ein Problem benennen, aber nicht sofort behandeln oder Hilfe rufen
Nicht wiederholen: nach einer Maßnahme nicht neu beurteilen
D ohne Blutzucker: die Hypoglykämie als reversible Ursache vergessen
E vergessen: Rücken, Haut und Temperatur nicht anschauen
Kommunikation: Befunde nicht laut ansagen, sodass das Team nicht mitdenkt
In der OSCE wird die Reihenfolge meist explizit bewertet. Sag jeden Schritt laut an, nenne den Befund und die Maßnahme, und erwähne die Re-Evaluation ausdrücklich.
Häufig gestellte Fragen
1. Ist ABCDE dasselbe wie die Reanimation nach ABC?
Nein. ABCDE ist die strukturierte Beurteilung einer Person mit erhaltenem Kreislauf. Bei Kreislaufstillstand gilt der Reanimationsalgorithmus mit sofortiger Herzdruckmassage.
2. Wann messe ich den Blutzucker?
Im Schritt D bei jeder Bewusstseinsveränderung. Eine Hypoglykämie ist eine häufige und schnell behebbare Ursache.
3. Darf ich die Reihenfolge ändern?
Bei einer massiven äußeren Blutung nach Trauma wird diese im Traumakontext oft vorangestellt. Im Alltag der Notaufnahme bleibt die Reihenfolge A bis E.
4. Was mache ich, wenn ich bei A ein Problem finde?
Sofort behandeln, zum Beispiel durch Lagerung, Absaugen oder einfache Atemwegsmanöver, und Hilfe holen. Erst danach geht es zu B.
5. Reicht eine gute Sättigung bei B?
Nein. Atemfrequenz, Atemarbeit und Bewusstsein gehören dazu, unter Sauerstoffgabe kann die Sättigung eine Hypoventilation verdecken.
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