Anionenlücke berechnen und mit Albumin korrigieren
Kurz gesagt: Die vereinfachte Anionenlücke berechnest du als Natrium minus Chlorid minus Bicarbonat. Sie schätzt die Anionen, die nicht routinemäßig gemessen werden, und trennt metabolische Azidosen mit zusätzlicher Säure von solchen mit Bicarbonatverlust. Weil Albumin einen großen Teil dieser Anionen stellt, senkt ein niedriges Albumin die erwartete Lücke. Eine scheinbar normale Lücke kann dann eine Laktat- oder Ketoazidose verdecken.
Na − Cl − HCO3-
Albumin beachten
Intensiv und M2
Lernheft Säure-Basen-Haushalt & BGAModule 13 und 14 zu Anionenlücke und Albumin. Zum passenden Material
Im Blut muss die Summe der positiven Ladungen der Summe der negativen entsprechen. Gemessen werden aber nur einige Ionen: Natrium als Hauptkation, Chlorid und Bicarbonat als wichtigste Anionen. Die Differenz ist keine echte Lücke, sondern die Summe der Anionen, die nicht im Routinelabor erscheinen, vor allem Albumin, Phosphat, Sulfat und organische Säuren. Kommt eine Säure wie Laktat hinzu, verbraucht sie Bicarbonat und hinterlässt ihr Anion: Die Lücke wächst.
Wie berechnest du die Anionenlücke?
Die vereinfachte Formel lautet: Anionenlücke = Na+ − (Cl- + HCO3-). Manche Labore beziehen Kalium mit ein, dann ist der Referenzbereich entsprechend höher. Ohne Kalium liegt die Lücke je nach Labor und Messmethode oft im Bereich von etwa 8 bis 12 mmol/l, manche Referenzen nennen bis 16 mmol/l. Merke dir deshalb das Prinzip und schau im Zweifel auf den Laborbereich.
Rechenbeispiel: Na 140, Cl 104, HCO3- 12 mmol/l. Die Lücke beträgt 140 − 104 − 12 = 24 mmol/l und ist bei üblichen Referenzen deutlich erhöht. Bevor du sie als Beweis für eine zusätzliche Säure nimmst, prüfst du das Albumin.
Welche Ursachen haben hohe und normale Anionenlücke?
Bicarbonatverlust oder verminderte renale Säureausscheidung, Chlorid steigt
Diarrhö, Fisteln, renal-tubuläre Azidosen, große Mengen NaCl-Infusion, Carboanhydrasehemmer
Erniedrigte Anionenlücke
weniger ungemessene Anionen oder mehr ungemessene Kationen
Hypalbuminämie, seltener Paraproteine oder Messartefakte
Für die Ursachen mit erhöhter Lücke gibt es Merkhilfen wie GOLDMARK oder KUSSMAUL. Sie helfen beim Abruf, ersetzen aber nicht die Frage, welche Ursache zum Fall passt. Laktat, Ketone, Kreatinin und gegebenenfalls die osmotische Lücke gründen die Hypothese.
Warum verändert Albumin die Anionenlücke?
Albumin trägt bei physiologischem pH zahlreiche negative Ladungen und ist der größte Einzelposten unter den ungemessenen Anionen. Sinkt das Albumin, sinkt die erwartete Lücke. Ein Patient mit schwerer Hypalbuminämie hat ohne jede zusätzliche Säure eine kleinere Lücke. Kommt dann eine Laktatazidose hinzu, steigt die Lücke nur auf einen Wert, der normal aussieht.
Für die Korrektur ist eine verbreitete Näherung: Pro 10 g/l Albumin unter etwa 40 g/l wird die Lücke um etwa 2,5 mmol/l nach oben korrigiert. In Formel: korrigierte Lücke = gemessene Lücke + 0,25 × (40 − Albumin in g/l). Die genauen Bezugswerte variieren zwischen Quellen. Für das Examen reicht das Prinzip: niedriges Albumin, kleinere erwartete Lücke.
Intensivstation: Hypalbuminämie ist häufig, die unkorrigierte Lücke unterschätzt dort oft die Säurelast
Leberzirrhose und nephrotisches Syndrom: niedriges Albumin, an Korrektur denken
Normale Lücke bei kritisch Kranken: Laktat und Ketone trotzdem separat prüfen
Lernheft 02
Säure-Basen-Haushalt & BGA
Anionenlücke, Albumin und Laktat als zusammenhängende Module mit Fallfragen.
Die Anionenlücke ist eine Rechengröße aus drei Werten. Jeder Messfehler bei Natrium, Chlorid oder Bicarbonat wirkt sich auf das Ergebnis aus. Eine normale Lücke bedeutet nicht automatisch ein normales Säuremilieu, und eine erhöhte Lücke ist eine Hypothese, kein Beweis.
Was ist das Delta-Verhältnis?
Bei erhöhter Lücke kannst du zusätzlich vergleichen, wie stark die Lücke gestiegen und wie stark das Bicarbonat gefallen ist. Steigt die Lücke ungefähr so stark, wie das Bicarbonat fällt, erklärt eine einzelne Säure das Bild. Fällt das Bicarbonat deutlich stärker, kommt eine zweite Azidose mit normaler Lücke dazu. Fällt es deutlich weniger, steckt oft eine zusätzliche metabolische Alkalose dahinter, etwa durch Erbrechen bei Ketoazidose. Im Examen ist das eher Vertiefung, auf Intensivstation hilft es beim Erkennen von Mischstörungen.
Häufig gestellte Fragen
1. Wird Kalium in die Anionenlücke einbezogen?
In der vereinfachten Formel nicht. Manche Labore rechnen mit Kalium, dann liegt der Referenzbereich höher. Wichtig ist, dass Formel und Referenzbereich zusammenpassen.
2. Wie hoch ist die normale Anionenlücke?
Ohne Kalium oft etwa 8 bis 12 mmol/l, je nach Labor und Messmethode auch etwas höher. Maßgeblich ist der Bereich deines Labors.
3. Wie korrigiere ich die Anionenlücke für Albumin?
Eine verbreitete Näherung ist: pro 10 g/l Albumin unter etwa 40 g/l die Lücke um etwa 2,5 mmol/l erhöhen. Die Bezugswerte variieren je nach Quelle.
4. Warum hat Diarrhö eine normale Anionenlücke?
Weil Bicarbonat verloren geht und kein zusätzliches Anion entsteht. Die Niere hält dafür Chlorid zurück, die Azidose ist hyperchloräm.
5. Was ist die osmotische Lücke?
Die Differenz zwischen gemessener und berechneter Osmolalität. Eine erhöhte osmotische Lücke bei erhöhter Anionenlücke weist auf Toxine wie Methanol oder Ethylenglykol hin.
Medizin Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und steht in keiner Verbindung zum IMPP oder zu den Landesprüfungsämtern. Alle Angaben sind sorgfältig geprüft (Stand: November 2026), aber ohne Gewähr. Referenzbereiche und Korrekturformeln variieren; verbindlich sind die Angaben deines Labors, aktuelle Leitlinien und die Auskünfte deiner Fakultät.